Italiens Radarfallen-Champion: Blitzer in Mini-Gemeinde an Alpen-Pass erwirtschaftet Millionensumme
VonVivian Werg
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Die kleine Alpen-Gemeinde hat über eine Million durch Blitzer-Bußgelder eingenommen – mit einem Blitzer. Damit steht sie in Italien nicht alleine da.
Giau-Pass – Italien ist ein Urlaubsklassiker und neben Spanien das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen. Das geht aus der 40. Deutschen Tourismusanalyse der gemeinnützigen BAT-Stiftung für Zukunftsfragen hervor.
Doch Urlaub in Italien kann schnell teuer werden. Wer diesen Sommer plant, mit dem Auto durch Bella Italia zu fahren, sollte sich unbedingt an die örtlichen Verkehrsregeln und das Tempolimit halten – sonst drohen hohe Bußgelder. Denn nirgends in Europa gibt es so viele Blitzer wie in Italien. Geraten Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit in eine Radarfalle, kann sie das teuer zu stehen kommen. Vor allem kleinere Gemeinden profitieren indes immens von den Bußgeldern. Teilweise werden so Millionenbeträge eingenommen, berichtet die italienische Tageszeitung La Repubblica.
Blitzer-Hochburg Italien: Mini-Gemeinden erwirtschaftet über eine Million mit einem einzigen Blitzer
La Repubblica zufolge machen Blitzer in Großstädten zwar nur elf Prozent der Bußgelder aus, in kleineren Gemeinden sieht es hingegen schon ganz anders aus. Sehr bezeichnend ist der Fall des Blitzers am Giau-Pass, einem Alpenpass in den Dolomiten, am Colle Santa Lucia. Obwohl die Gemeinde gerade einmal 350 Einwohner zählt, ist der dortige Blitzer dem Bericht zufolge für rund 1,2 Millionen Euro an Bußgeldern in den vergangenen drei Jahren verantwortlich.
Das entspricht in etwa 3000 Euro pro Einwohner. Die Temposünder sind jedoch nicht primär Einheimische, sondern vor allem die zahlreichen Touristen, die jährlich den Pass überqueren. Laut einer aktuellen Studie des Verbraucherschutzverbandes Codacons konnten auch zwei weitere kleine Gemeinden ordentlich kassieren. Demnach steigerte Cavallino seine Bußgelder von 0 Euro im Jahr 2021 auf ganze 2.520.121 Euro in 2022. Dafür verantwortlich soll laut dem Verbraucherschutzverband ein einzelner Blitzer an der Staatsstraße 16 Lecce-Maglie sein. Die Gemeinde Melpignano verdiente durch Bußgelder mittels Radarkameras sogar 2.545.445 Euro.
Blitzer-Einnahmen in Millionenhöhe – Geld wird kaum in Verkehrssicherheitsmaßnahmen investiert
Während größere Gemeinden mit mehr als 200.000 Einwohner über eine besser strukturierte Flotte von Verkehrspolizisten verfügen, die in der Lage sind, auch für andere Verstöße als Geschwindigkeitsüberschreitungen Bußgelder zu verhängen, verlassen sich kleinere Gemeinden laut La Stampa oft auf nur einen Mitarbeiter. In einigen europäischen Nachbarländern werden sogar Spezial-Blitzer eingesetzt.
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„Der Verwendungszwecke der eingenommenen Gelder hat in Wirklichkeit nicht viel mit der Verkehrssicherheit zu tun“, sagt das Studienbüro Asaps, das zusammen mit der Vereinigung Lorenzo Guarnieri die Analyse durchgeführt hat. „Davon sind 19 Millionen Euro für die Bezahlung von Strom und Gas vorgesehen. Der Rest verteilt sich hauptsächlich auf die Straßeninstandhaltung (97 Millionen Euro) und die öffentliche Beleuchtung (41 Millionen Euro), während weitere 89.238 Euro für die Verkehrserziehung vorgesehen sind“.
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