Reform der Merz-Regierung

Mütterrente 3 bringt Kürzungen: Wem droht künftig weniger Geld?

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Durch die Mütterrente drei sollen alle Eltern gleich durch zusätzliche Rentenpunkte profitieren. Ein höheres Einkommen bedeutet für viele Bezieher aber Geldabzüge.

Einer der großen Streitpunkte im Haushaltsentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ist die Mütterrente 3. Der Vorwurf der Opposition: Das Geld von rund fünf Milliarden Euro, das die Merz-Regierung dafür aus der Steuerkasse aufbringen muss, soll der Staat besser für Zukunftsinvestitionen nutzen. Dazu kommt: Die Mütterrente, Teil des Rentenpakets 2025, über das aktuell der Bundestag berät, führt bei Millionen Betroffenen zu einer Kürzung ihrer Altersbezüge!

Die Ausweitung der Mütterrente war als finanzielle Entlastung gedacht – viele sozial Schwache könnte sie dagegen hart treffen.

Anrechnung auf Witwenrente – weniger Geld durch Mütterrente drei droht

Die Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die erweiterte Anerkennung von Erziehungsleistungen einheitlich zu regeln. Konkret sollen alle Mütter drei Rentenpunkte für ihre Kinder bekommen – unabhängig von deren Geburtsjahr. Bisher werden 30 Monate als Erziehungszeit für vor 1992 geborene Kinder anerkannt, künftig werden es dann 36 Monate sein. Da ein halbes Jahr Erziehungszeit einem halben Rentenpunkt entspricht, wandern bei drei vollen anerkannten Jahren bis zu drei Rentenpunkte auf das Konto.

Das Gesetzgebungsverfahren zur Mütterrente 3 soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Ab 2027 soll sie offiziell in Kraft treten. Die Beiträge auszahlen kann die Deutsche Rentenversicherung (DRV) aus technischen Gründen aber wohl erst 2028. Besonders kompliziert gestaltet sich die rückwirkende Auszahlung für Eltern. Bei Sozialleistungen werden die Grundsicherung im Alter, die Grundrente oder die Witwenrente vom Versicherungsträger gegengerechnet – mit unliebsamen Folgen für die Betroffenen.

Wer bei der Mütterrente drei besonders von Kürzungen betroffen ist

Auf die Hinterbliebenenrente schreibt die DRV zusätzliche Rentenpunkte gut, was faktisch eine Kürzung von Millionen Witwenrenten bedeutet. Durch die zusätzlichen Entgeltpunkte steigen die Alters- oder Erwerbsminderungsrenten. Das wiederum führt zu einer vollen oder teilweise stattfindenden Anrechnung auf die Witwenrente, wenn diese als Teil der eigenen Versichertenrente, wie eben eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente ausgezahlt wird.

Besonders betroffen sind Frauen, die zusätzlich auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, wie Rentenbescheid24 berichtet. Die höheren Rentenzahlungen werden direkt wieder aufgefressen, weil jeder zusätzliche Euro mehr direkt auf die Sozialleistung angerechnet wird. Unter dem Strich haben dadurch bestimmte Ruheständler in Deutschland nach der Reform weniger anstatt mehr Geld auf dem Konto. Als Teil der gesetzlichen Rente wird die Mütterrente drei auch auf das Wohngeld angerechnet, informiert die Deutsche Rentenversicherung.

Auch die zunehmende Belastung des Bundeshaushalts wird in der Debatte um die Mütterrente drei immer wieder angeprangert. Ein einberufener Beraterkreis von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) rät daher, neben einer flotten Anhebung des Renteneintrittsalters und weniger Möglichkeiten zur Frühverrentung, auf eine Ausweitung der Mütterrente gleich besser ganz zu verzichten.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Alla Azarnikova

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