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Die eigene Anzucht ist der Stolz vieler Gärtner. Doch nicht immer ist die Aussaat die beste Wahl. Sie kann schnell zu Frust statt Blütenpracht und Ernteerfolgen führen.
Die Vorfreude ist groß, wenn die kleinen Samentütchen bereitliegen und die Anzuchttöpfe auf ihren Einsatz warten. Aus einem winzigen Korn eine stattliche Pflanze zu ziehen, gehört für viele zur Faszination des Gärtnerns. Doch so schön die Vorstellung ist, manchmal mündet das Vorhaben in Enttäuschung. Wenn die Keimung ausbleibt oder die zarten Pflänzchen nicht gedeihen wollen, ist der Griff zur fertigen Jungpflanze die deutlich bessere Alternative.
Gekauft oder gesät? Eine grundsätzliche Entscheidung
Die Entscheidung zwischen Aussaat und dem Kauf von Jungpflanzen ist eine grundsätzliche Abwägung. Der Kauf von Jungpflanzen ist zwar teurer, verspricht aber eine kürzere Kulturdauer und ein geringeres Ausfallrisiko, da die Pflanzen bereits unter optimalen Bedingungen herangezogen wurden. Die eigene Aussaat ist deutlich preiswerter. Außerdem bietet sie Zugang zu einer riesigen Sortenvielfalt, die im Handel oft nicht zu finden ist. Sie erfordert jedoch Geduld und ein gewisses Know-how.
Diese 6 Pflanzen sollten Sie nicht aus Samen ziehen
Bei einigen Gewächsen sind die Hürden bei der Anzucht von Natur aus besonders hoch. Das Gartenportal Gardening Know How rät bei bestimmten Pflanzen klar zum Kauf, da die eigene Aussaat hier oft zu Frustration führt:
- Pfingstrosen (Paeonia): Die Samen der majestätischen Stauden benötigen eine komplizierte Kalt-Warm-Behandlung (Kälte-Stratifikation, siehe Tipp), um überhaupt zu keimen. Selbst wenn dies gelingt, dauert es oft fünf bis sieben Jahre, bis die Pflanze zum ersten Mal blüht. Und selten in der gewünschten Farbe. Eine gekaufte oder geteilte Staude erfreut Sie schon früher mit Blüten.
- Rosmarin (Rosmarinus officinalis): Dieses beliebte Küchenkraut ist als Sämling eine echte Diva. Die Keimrate von Rosmarinsamen liegt häufig unter 30 Prozent und die Sämlinge wachsen extrem langsam. Zudem sind sie anfällig für Pilzkrankheiten. Deutlich schneller und einfacher gelingt die Vermehrung über Stecklinge einer bestehenden Pflanze oder der Kauf einer bereits kräftigen Jungpflanze.
- Lavendel (Lavandula): Ähnlich wie Rosmarin keimt auch Lavendel nur zögerlich und ungleichmäßig, oft erst nach einer Kälte-Stratifikation. Bis sich aus den zarten Keimlingen eine blühfreudige Pflanze entwickelt, können zwei oder mehr Jahre vergehen. Oft haben sie auch einen schwächer ausgeprägten Duft.
- Spargel (Asparagus officinalis): Wer Spargel aus Samen zieht, braucht einen langen Atem. Es dauert mindestens drei Jahre, bis die ersten Stangen geerntet werden können. Viel schneller geht es mit vorgezogenen Rhizom-Spargelpflanzen (Wurzelstöcken) aus dem Fachhandel, die oft schon im nächsten Jahr eine kleine Ernte ermöglichen.
- Knollenbegonien (Begonia tuberhybrida): Das Saatgut von Knollenbegonien ist fein wie Staub, was eine gleichmäßige Aussaat fast unmöglich macht. Die Anzucht erfordert über Wochen perfekte Bedingungen mit konstanter Feuchtigkeit und viel Licht. Zuverlässiger und einfacher ist der Kauf von Knollen oder fertigen Pflanzen.
- Hortensien (Hydrangea): Die meisten prachtvollen Hortensien im Handel sind Hybridsorten. Aus deren Samen wachsen Pflanzen mit unvorhersehbaren Eigenschaften – Farbe, Form und Größe können stark von der Mutterpflanze abweichen. Wer eine bestimmte Sorte möchte, sollte sich daher immer eine Pflanze besorgen, die per Steckling vermehrt wurde.
Was ist eine Kälte-Stratifikation?
Die Kälte-Stratifikation ist eine Behandlung, bei der Samen für eine bestimmte Zeit einer kalten und feuchten Umgebung ausgesetzt werden, um ihre Keimruhe zu brechen (Kaltkeimer). Einfach gesagt, ahmt man damit den Winter nach. Dieser Prozess signalisiert dem Samen, dass der Winter vorbei ist und er im Frühling sicher keimen kann. Ohne diese Kälteperiode würden viele Samen einfach nicht „aufwachen“ und wachsen. Die Samen werden dafür je nach Art einige Wochen oder Monate in einem feuchten Medium wie Sand oder Papier im Kühlschrank oder Gefrierschrank gelagert, bevor sie bei höheren Temperaturen zur Aussaat kommen.
Dass Kälte eine extreme Konservierungskraft hat, zeigt ein faszinierender Rekord aus der Wissenschaft: Forschern gelang es laut einer veröffentlichten Studie, aus über 30.000 Jahre altem Fruchtgewebe, das im sibirischen Permafrost eingefroren war, eine arktische Pflanze (Silene stenophylla) zu regenerieren und wieder zum Blühen zu bringen.
Die richtige Wahl für mehr Freude am Gärtnern
Die Entscheidung für oder gegen die Aussaat hängt also stark von der Pflanzenart und Ihrer eigenen Geduld ab. Bei den genannten Problemkandidaten oder wenn Sie nur wenige Exemplare einer Pflanze benötigen, ist der Kauf einer gesunden Jungpflanze die klügere Wahl.
Als Faustregel gilt: Für Experimente mit seltenen Sorten und wenn Sie große Mengen für ein Beet benötigen, kann sich die Aussaat lohnen. Für ein schnelles, garantiert schönes Ergebnis im Balkonkasten oder bei schwierigen Kandidaten ist die Jungpflanze die bessere und nervenschonendere Wahl.
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Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Welche Pflanzen sind für Anfänger leicht aus Samen zu ziehen? Für Anfänger eignen sich schnell keimende und robuste Pflanzen hervorragend. Dazu gehören viele Gemüsesorten wie Zwiebeln, Lauch und Grünkohl. Auch Ringelblumen, Zinnien, Sonnenblumen, Erbsen und Bohnen sind sehr dankbar. Sie keimen zuverlässig und führen schnell zu einem sichtbaren Erfolgserlebnis im Garten.
Wann ist die beste Zeit, um mit der Aussaat im Haus zu beginnen? Der richtige Zeitpunkt hängt von der jeweiligen Pflanze und dem letzten Frostdatum Ihrer Region ab. In der Regel beginnt man sechs bis acht Wochen vor dem geplanten Auspflanztermin. Gemüse wie Tomaten und Paprika oder langsam wachsende Blumen werden oft im späten Winter oder frühen Frühling im Haus vorgezogen.
