Geld und Arbeit

Berechnungen zeigen – so viel wird die neue Aktivrente wirklich bringen

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Werden Rentner in Zukunft mehr oder weniger Geld bekommen, wenn sie trotz ihres Alters weiterarbeiten? Beispiel-Rechnungen zeigen, was die Aktivrente bringt.

Die von der Merz-Regierung neu eingeführte Aktivrente ist ein zentrales Element der aktuellen Rentenreform. Sie soll ältere Arbeitnehmer gezielt motivieren, nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters weiterzuarbeiten, statt den Ruhestand zu genießen. Doch die am 15. Oktober von der Merz-Regierung beschlossene Idee, die Rente zu verbessern, erntet auch Kritik. Was sind die Vor- und Nachteile der Aktivrente? Was unterscheidet sie von bisherigen Rentenformen?

Wo liegen die Unterschiede bei Aktivrente und Flexirente?

Im Unterschied zur bisherigen Flexirente bietet die Aktivrente erstmals einen deutlichen steuerlichen Vorteil: Bis zu 2000 Euro monatlich (also 24.000 Euro jährlich) dürfen steuerfrei zur gesetzlichen Altersrente hinzuverdient werden. Sozialversicherungsbeiträge für Renten- und Arbeitslosenversicherung entfallen auf diesen Zusatzverdienst ebenfalls. Obwohl die Aktivrente am 15. Oktober beschlossen wurde, könnte die Reform noch kippen.

Was bringt die Aktivrente für Rentner konkret?

1. Gleiches Netto wie zuvor – mit weniger Arbeit:

  • Ausgangslage: Ein Arbeitnehmer geht mit 66 Jahren und zwei Monaten abschlagsfrei in Rente. Bisher: 3000 Euro Bruttogehalt, 2050 Euro netto.
  • Nettorente: 1200 Euro.
  • Rentenlücke: 850 Euro (2050 Euro bis 1200 Euro).
  • Dank Aktivrente: Um diese Lücke zu schließen, reicht ein steuerfreier Zuverdienst von 950 Euro brutto im Monat. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung bleiben rund 850 Euro netto.
  • Arbeitszeit: Das entspricht nur noch 32 Prozent des früheren Bruttogehalts – also etwa 1,6 Arbeitstage pro Woche. Mit weniger als zwei Tagen Arbeit ist die Rentenlücke geschlossen, solange weitergearbeitet wird, wie Focus Online berichtet.

2. Früher in Rente – aber mit Abschlägen:

  • Ausgangslage: Rentenbeginn mit 63 Jahren (vor Regelaltersgrenze), Bruttogehalt 3000 Euro, Nettogehalt 2050 Euro.
  • Nettorente: 955 Euro (wegen Abschlägen).
  • Rentenlücke: 1095 Euro.
  • Zuverdienst nötig: Um das bisherige Netto zu erreichen, braucht es 1690 Euro brutto monatlich (wegen Steuerpflicht, da Aktivrente erst ab Regelaltersgrenze gilt).
  • Arbeitszeit: Das entspricht 56 Prozent des früheren Bruttogehalts, also etwa 2,8 Arbeitstage pro Woche.
  • Dauerhafte Abschläge: Lebenslanger Rentenabschlag von 13,2 Prozent bleibt, auch wenn durch weitere Arbeit neue Rentenansprüche erworben werden, wie Focus Online erklärt.
Ob sich die Aktivrente, also das Weiterarbeiten nach Rentenbeginn rentiert, bleibt individuell und hängt vom Renteneintrittsalter, möglichen Abschlägen, der eigenen Gesundheit und Gehalt ab. (Symbolfoto)

Ob sich die Aktivrente, also das Weiterarbeiten nach Rentenbeginn rentiert, bleibt individuell und hängt vom Renteneintrittsalter, möglichen Abschlägen und Gehalt ab. Es gilt aber zu bedenken, dass einige Rentner aus gesundheitlichen Gründen gar nicht dazu in der Lage sind, weiterzuarbeiten. Wie die Zeit schreibt, löst die Aktivrente auch nicht die soziale Ungleichheit, im Gegenteil.

Vorteile der Aktivrente im Überblick

  • Keine Beiträge zur Renten- oder Arbeitslosenversicherung auf den steuerfreien Zusatzverdienst, wie Haufe erklärt.
  • Mehr Netto vom Brutto: Rentner profitieren sofort finanziell und können ihre Lebensleistung besser honorieren lassen, wie der Verein für soziales Leben e.V. erklärt.
  • Flexibilität: Die Weiterbeschäftigung beim bisherigen Arbeitgeber wird erleichtert, Beschränkungen fallen weg.
  • Fachkräftemangel: Unternehmen können erfahrene Arbeitskräfte länger halten, die Rentenkasse wird entlastet, wie Haufe schreibt.
  • Steuerfreier Hinzuverdienst: Bis zu 2000 Euro monatlich ab Regelrentenalter

echo24.de verrät auch mit welchem Einkommen Rentner zur Unter-, Mittel- oder Oberschicht gehören.

Mögliche Nachteile der Aktivrente

Die Aktivrente steht aber auch in der Kritik. Folgende Probleme nennen Experten:

  • Geringer Beschäftigungseffekt: Die Aktivrente schafft laut Studien nur wenige zusätzliche Jobs, wobei viele steuerlich profitieren würden, obwohl sie ohnehin weitergearbeitet hätten, wie die Zeit berichtet.
  • Soziale Ungleichheit: Vor allem Besserverdienende und Gesunde profitieren, während Menschen mit niedrigen Einkommen oder gesundheitlichen Einschränkungen kaum Vorteile haben. Das verschärfe die Altersungleichheit, wie DIW Berlin schreibt.
    Ungleichbehandlung: Selbstständige und Rentner, die vor dem Regelrentenalter arbeiten, sind von den steuerlichen Vorteilen ausgeschlossen. Das wirft verfassungsrechtliche Fragen auf, wie rentenbescheid24 erklärt.
  • Steuerausfälle: Der Staat verliert erhebliche Steuereinnahmen (geschätzt rund 770–800 Millionen Euro jährlich), ohne dass das Rentensystem spürbar entlastet wird, schreibt DIW Berlin.

Generell wird diskutiert, ob die Aktivrente sozial ungerecht sei, weil nur bestimmte Rentner profitieren, wie echo24.de berichtet. Außerdem bringt die, von der CDU geplante, Aktivrente einigen Menschen auch Nachteile.

Wichtige Hinweise zur Aktivrente:

  • Die Aktivrente gilt nur für Altersrentner, nicht für Empfänger von Grundsicherung oder Hinterbliebenenrenten, wie echo24.de bereits berichtete.
  • Wer seine spätere Rente weiter erhöhen möchte, kann freiwillig in die Rentenkasse einzahlen oder einen Teil der Rente aufschieben (Teilrente), um Zuschläge zu erhalten.

Die Aktivrente soll ab 2026 Rentnern einen finanziellen Anreiz geben, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten. Besonders attraktiv ist der steuerfreie Zuverdienst, der es ermöglicht, mit deutlich weniger Arbeitszeit das bisherige Nettoeinkommen zu halten – ohne lebenslange Rentenabschläge, wie sie bei einem vorgezogenen Ruhestand drohen, erklärt Focus Online. Generell plant die Merz-Regierung einige Renten-Änderungen mit finanziellen Konsequenzen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/ pond5images

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