VonMarvin K. Hoffmannschließen
Der Anbau von Cannabis ist nun legal. Stecklinge und Samen lassen sich leicht kaufen. Doch bei der Pflege der Marihuana-Pflanzen könnte es Probleme geben.
Hamm – Die Legalisierung von Cannabis bedeutet, dass seit dem 1. April 2024 auch Pflanzen legal angebaut werden dürfen. Pro volljähriger Person sind bis zu drei Pflanzen erlaubt. Bei deren Pflege ist allerdings – so wie es auch Regeln beim Konsum gibt – einiges zu beachten. Vorerst sollte man jedoch wissen, wo man Samen oder Stecklinge für den Cannabis-Eigenanbau überhaupt herbekommt.
Cannabis-Pflanzen kann man legal online kaufen
Noch kann man nicht einfach zum Blumenfachgeschäft seines Vertrauens oder in den Baumarkt spazieren und Cannabis-Pflanzen oder Samen für den Marihuana-Anbau zu Hause kaufen. In Zukunft soll die Verteilung außerdem über die sogenannten Anbauvereinigungen erfolgen.
Schon mit dem Stichtag 1. April dürfen aber Cannabissamen aus EU-Mitgliedsstaaten, zum Beispiel den Niederlanden, „zum Zwecke des privaten Eigenanbaus eingeführt werden“, wie das Bundesgesundheitsministerium auf wa.de-Nachfrage erklärte. Weiter heißt es: „Ein Erwerb über das Internet oder per Fernabsatz und der Versand nach Deutschland ist zulässig.“
Zum bereits erwähnten Bezug über Anbauvereinigungen, auch als Cannabis Social Clubs bekannt, erklärt das Bundesgesundheitsministerium: „Zudem dürfen bis zu sieben Cannabissamen oder fünf Stecklinge pro Monat von Anbauvereinigungen an volljährige Nicht-Mitglieder zum Zweck des privaten Eigenanbaus weitergeben werden, sofern die Cannabissamen und Stecklinge beim gemeinschaftlichen Eigenanbau entstanden sind. Bei einer gemischten Weitergabe von Samen und Stecklingen dürfen insgesamt maximal fünf Samen und Stecklinge abgegeben werden“. Nicht-Mitglieder hätten in diesem Fall der Anbauvereinigung die für die Herstellung der weitergegebenen Cannabissamen oder Stecklinge entstandenen Selbstkosten zu erstatten.
Erlaubte Cannabis-Mengen seit 1. April
In der Wohnung darf pro volljähriger Person 50 Gramm Cannabis gelagert werden, auf der Straße dürfen bis zu 25 Gramm mitgeführt werden. Zudem sind bis zu drei Pflanzen im Eigenanbau pro volljähriger Person im Haushalt erlaubt.
Die richtige Pflege der Cannabis-Pflanzen ist entscheidend
Ist diese erste Hürde beim Cannabis-Anbau genommen, folgt aber schon die nächste: Wie pflege ich die Pflanzen richtig? Tim Spieker von Hortensien Spieker aus Ibbenbüren beschäftigt sich schon lange mit dieser Frage, er will schließlich legales Hanf aus dem Münsterland liefern. Er sagt im Gespräch mit wa.de: „Wer Cannabis anbauen möchte, der wird wissen, wie es funktioniert.“ Doch auch für kiffende Laien hat er Tipps parat.
„Wichtig ist die Tag- und Nachtgleiche“, sagt er. Gleich viel Licht und Dunkelheit, also am besten pro Tag je zwölf Stunden, benötigen die Cannabis-Pflanzen nämlich, um zu blühen. „Bei einem Privatanbau auf dem Balkon wird der Blühreiz vermutlich vermindert oder später einsetzen“, meint Spieker und rechnet „mit einer Zeitspanne zwischen 13 und 16 Wochen bis zur Ernte.“
Wohl eher kleine Cannabis-Ernte im privaten Anbau
Auch rechnet der Hanf-Experte eher mit einem geringeren Ertrag beim privaten Cannabis-Anbau. Dünger könnten helfen. „Für das Wachstum ist ausreichend Stickstoff wichtig, für eine ausgeprägte Blüten- und Wurzelbildung, muss auch Phosphor vorhanden sein. Es darf aber kein reiner basierter Stickstoff-Dünger sein, er sollte auch einen gewissen Anteil an Kalium haben. Das hilft der Pflanze dabei, letztendlich auch Blüten zu tragen“, erklärt Spieker.
Der Zeitpunkt der Ernte hänge dann von der jeweiligen Entwicklung ab. Der Rat des Experten: „Lieber nicht zu früh ernten und warten.“ Wer zudem ganz frisch im Umgang mit Cannabis ist, solle sich „an der Pflanze einfach mal ausprobieren – das kann sicherlich nicht schaden“.
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