Beamte sollen einzahlen

Sozialverband sieht „verfassungsrechtliche Probleme“ bei Renten-Reform – „Im Grundgesetz verankert“

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Arbeitsministerin Bärbel Bas will, dass Beamte, Selbstständige und Politiker in die Rentenkasse einzahlen. Ihre Pläne stoßen auf rechtliche Hürden.

Hamm – Im Koalitionsvertrag hat sich die neue Bundesregierung aus Union und SPD verpflichtet, das Rentenniveau bis 2031 gesetzlich bei 48 Prozent zu sichern. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat auch schon eine Idee, wie dieses Versprechen umgesetzt werden kann: „Wir müssen mehr Leute an der Finanzierung der Rentenversicherung beteiligen“, erklärte sie Mitte Mai den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Gemeint sind Selbstständige, Beamte und Abgeordnete.

Die Rentenpläne von Bas ernten mächtig Gegenwind. Scharfe Kritik kommt etwa vom dbb Beamtenbund: „Einer Zwangs-Einheitsversicherung erteilen wir eine klare Absage“, so dbb-Bundesvorsitzender Ulrich Silberbach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Auch die Kanzlerpartei um Friedrich Merz (CDU) lehnt den Vorstoß ab. Dabei dürfte die Renten-Reform nicht nur auf politischer Ebene auf Widerstand stoßen, sondern auch auf rechtlicher Ebene, wie eine Expertin einordnet.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Debatte um Renten-Reform – Expertin fordert, dass Abgeordnete „damit anfangen“

„Die Umsetzung einer Rentenpflicht für Selbstständige, Beamte und Politiker stellt mehrere Herausforderungen dar“, erklärt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, IPPEN.MEDIA. „Für Beamte könnte die Umstellung auf die gesetzliche Rentenversicherung verfassungsrechtliche Probleme aufwerfen, da die Beamtenversorgung im Grundgesetz verankert ist und der Bund ja seit 2016 nur für Bundesbeamte zuständig ist, die meisten Beamten aber bei den Ländern arbeiten.“

Rechtliche Hürden beim Einbezug von Beamtinnen und Beamten

Beamte genießen in Deutschland einen besonderen Status. Ihre Rente ist im Grundgesetz verankert und beruht auf dem sogenannten Alimentationsprinzip. Demnach ist der Staat verpflichtet, ihnen lebenslang eine angemessene Versorgung im Alter zu gewährleisten. Eine Einbindung in die gesetzliche Rentenversicherung wäre deshalb nicht nur rechtlich komplex, sondern könnte für diese Berufsgruppe auch erhebliche finanzielle Nachteile bedeuten.

Das Gleiche gelte Bentele zufolge für Politikerinnen und Politiker, da sie selbst über ihre Altersversorgung entscheiden. „Auch hier gibt es einen großen Flickenteppich in den Bundesländern. Deshalb sollten, das hat Herr Klingbeil diese Woche im Bundestag auch als Privatperson gesagt, die Bundestagsabgeordneten damit anfangen!“ Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) hat sich im Gegensatz zur Kanzlerpartei bei einer Regierungsbefragung klar für die Rentenreform von Ministerin Bas ausgesprochen.

Renten-Reform vor massiven Hürden – Sozialverband sieht Österreich als Vorbild

Ähnlich äußert sich Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des SoVD: „Die praktische Umsetzung bringt natürlich Herausforderungen mit sich. Die Definition einheitlicher Beitragsbemessungsgrundlagen, die Absicherung von Übergangsfristen und die Schaffung verwaltungstechnischer Voraussetzungen sind komplex.“ Sie ergänzt: „Aber sie sind lösbar – politischer Wille vorausgesetzt. Österreich hat vorgemacht, wie es gehen kann – mit langen Übergangsfristen und einem Anfang.“

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) will Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen lassen. Doch es gibt Hürden. (Symbolbild)

In Österreich zahlen Beamte und Selbstständige seit Jahren in die staatliche Rentenversicherung ein – es gibt keine getrennten Versorgungssysteme wie in Deutschland. Grundsätzlich gelten im gesetzlichen österreichischen Pensionssystem für alle Erwerbstätigen die gleichen Regeln. Für ältere Beamte gelten teils noch Übergangsregelungen, doch neu eingestellte Beamte sind bereits vollständig integriert. Auch Abgeordnete sind seit einer Reform im Jahr 2008 eingebunden.

„Umbau des Rentensystems machbar“ – Sozialverbände begrüßen Renten-Reform

Beim Einbezug der Selbstständigen sieht VdK-Präsidentin Bentele weniger Hürden. „Da ist seit Jahren eher das Problem, wer gilt als Selbständiger und wer als abhängig Beschäftigter. Aber auch da will ja die Koalition ran: Stichwort Statusfeststellungsverfahren.“ Ob Renten-Reform nach Bas‘ Vorstellungen oder nicht – ein Schlupfloch bieten die Pläne der Regierung dennoch. Laut dem Koalitionsvertrag sollen für Selbstständige „andere Formen der Altersvorsorge“ möglich bleiben.

Trotz der Herausforderungen begrüßen der Sozialverband VdK Deutschland und der Sozialverband Deutschland SoVD den kontroversen Vorschlag von Arbeitsministerin Bas zur Renten-Reform „Es kann nicht sein, dass große Gruppen von Besserverdienenden dauerhaft von der solidarischen Finanzierung der Altersvorsorge ausgenommen bleiben“, begründet Engelmeier. „Länder wie Österreich zeigen, dass ein solcher Umbau des Rentensystems machbar ist.“ (cln/dpa)

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