VonSebastian Oppenheimerschließen
Die Sorge, keine freie Ladesäule zu finden, gehört zu den Vorbehalten gegen den Kauf eines E-Autos. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass diese Angst wohl unbegründet ist.
Die Zahl der Elektroautos wächst weiter – in der EU legten die Neuzulassungen von E-Autos im ersten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Viertel auf rund 413.000 Exemplare zu. Allerdings liegt dieser Wert laut dem Verband der europäischen Automobilhersteller ACEA noch immer „weit unter den Erwartungen“. Dass die Kunden noch immer nicht wie erhofft bei Elektroautos zuschlagen, hat verschiedenste Gründe – auch die Angst, keine freie Ladesäule zu finden, ist darunter. Diese ist aber zumindest in Deutschland ziemlich unbegründet – wie aktuelle Zahlen zeigen.
Schnellladesäulen in Deutschland: Ein Viertel nur minimaler ausgelastet
Laut einem Bericht der Automobilwoche stehen hierzulande tausende Ladesäulen weitestgehend ungenutzt in der Gegend herum. Dies habe eine Auswertung von Echtzeitdaten der Ladevorgänge an öffentlichen Ladesäulen durch den Marktdatenspezialisten Elvah ergeben. Der Analyse zufolge hatte im zweiten Halbjahr 2024 etwa ein Viertel der Hochleistungs-Schnellladesäulen (HPC) eine durchschnittliche Auslastung zwischen einem und fünf Prozent. Dazu kämen zahllose völlig ungenutzte Ladesäulen mit einer Auslastung unter einem Prozent.
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Auch bei den „normalen“ Schnellladesäulen (DC, Ladeleistung bis 130 kWh) sowie den Wechselstrom-Ladern (AC) sei die Situation dem Bericht zufolge kaum besser. Von Juli bis Dezember 2024 kamen 32 Prozent der DC-Lader und 24 Prozent der AC-Lader auf eine durchschnittliche Auslastung zwischen einem und fünf Prozent.
Unterschiedliche Ansichten zum Tempo des Ladesäulen-Ausbau
Die von der Automobilwoche vorgestellten Zahlen sind deswegen so überraschend, weil immer wieder vor einem zu schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur gewarnt wird, wie beispielsweise durch den ACEA. Aber auch der deutsche Verband der Automobilhersteller, der VDA, sah vor nicht allzu langer Zeit noch „großen Nachholbedarf“ bei den Stromtankstellen. Allerdings hatte beispielsweise zuvor schon der Branchenverband BDEW eine gänzlich andere Ansicht vertreten und sprach gar vor einem „Überangebot von Ladesäulen“.
Laut Bundesnetzagentur gab es Anfang Februar 2025 in Deutschland 161.686 öffentliche Ladepunkte. Dies entspricht einem Zuwachs von rund einem Fünftel im Vergleich zum Stand des Vorjahres. 36.278 davon waren Schnellladepunkte – hier betrug der Anstieg binnen eines Jahres sogar 39 Prozent.
Anbieter drosselt Ladesäulen-Ausbau
Einem Bericht der dpa zufolge treten inzwischen manche Anbieter beim Ausbau auf die Bremse: Demnach hat der Marktführer in Deutschland, der Karlsruher Energiekonzern EnBW, sein Ausbauziel bereits gedrosselt. „Nach unserer Einschätzung gibt es, Stand heute, keinen Engpass bei der Ladeinfrastruktur“, erklärte Vorstand Dirk Güsewell.
Aber auch wenn E-Auto-Fahrer aktuell keine großen Probleme haben, eine freie Ladesäule zu finden – der Ladevorgang an sich kann an öffentlichen Ladesäulen sehr teuer sein, die Tarifstruktur der Anbieter ist oft kompliziert. Vorsicht geboten ist bei QR-Codes an Ladesäulen: Wer diese nutzt, muss aufpassen, nicht Opfer des sogenannten Ladesäulen-Quishings zu werden.
