VonLars Pollmannschließen
Sechs teure Stars kosten den BVB dutzende Millionen: Der Klub steckt in einer lähmenden Situation, die 2026 zur Eskalation führen könnte.
Dortmund – Die Nachricht sorgt in der ohnehin schon aufgeheizten sommerlichen Transferdebatte um Borussia Dortmund für Aufregung unter den Fans: Julian Brandt, der in schwachen Phasen oft als Sinnbild einer großen Schwäche des BVB herhalten muss, darf auf einen neuen Vertrag hoffen.
„Er hat entscheidend dazu beigetragen, dass wir unser Minimalziel noch erreicht haben“, erklärte Geschäftsführer Lars Ricken jüngst gegenüber den Ruhr Nachrichten. Die Personalie Brandt ist der Haken, an dem sich ein strategisches Problem des BVB aufhängen lässt: das doppelte Millionen-Dilemma.
Denn Brandt ist nur einer von sechs prominenten Spielern, deren Verträge 2026 auslaufen: Brandt, Emre Can, Sébastien Haller, Salih Özcan, Giovanni Reyna und Niklas Süle verkörpern eine gefährliche Mischung. Sie binden durch ihre hohen Gehälter ein enormes Kapital.
Wer geht? Wer bleibt? – Die Vertragslaufzeiten der Stars von Borussia Dortmund




Der große BVB-Umbruch folgt nächstes Jahr
Gleichzeitig sind ihre Marktwerte derart gefallen, dass sie für andere Klubs kaum attraktiv sind und den Transfermarkt für den BVB blockieren. Nur bei Özcan und Reyna besteht die Hoffnung auf einen Transfer in diesem Sommer.
Die Dortmunder Führung hat sich damit in eine Lage manövriert, die Klubs für gewöhnlich mit aller Macht zu vermeiden suchen. Man kann es sich finanziell kaum leisten, diese Spieler zu halten, gleichzeitig aber auch sportlich kaum leisten, sie alle gleichzeitig nächstes Jahr gehen zu lassen. Der große Umbruch, den Ricken für dieses Jahr noch ausschloss, scheint nur aufgeschoben. Er könnte 2026 mit brachialer Wucht kommen – weil er dann unausweichlich wird.
Das doppelte Millionen-Dilemma des BVB
Das Problem von Dortmund ist zweischneidig. Auf der einen Seite steht die finanzielle Lähmung. Die Gruppe der 2026er-Verträge bindet geschätzt 40 bis 50 Millionen Euro an jährlichen Gehaltskosten. Geld, das dringend benötigt würde, um den Kader umzugestalten. Doch Verkäufe gestalten sich als extrem schwierig, da kaum ein Verein bereit ist, die hohen Gehälter für Spieler zu übernehmen, deren Leistungskurve stagniert. Und die Spieler haben nachvollziehbarerweise nur geringes Interesse daran, auf viel Geld zu verzichten.
Auf der anderen Seite steht die sportliche Abhängigkeit. Trotz aller Kritik ist die Rede von einigen Säulen des Teams. Emre Can ist der Kapitän und als Springer zwischen Innenverteidigung und defensivem Mittelfeld wichtig. Julian Brandt war in der abgelaufenen Saison trotz eines langen Tiefs erneut unter den Top-Scorern zu finden und bleibt das Kreativzentrum des BVB. Auch Niklas Süle steigerte sich unter Neu-Trainer Niko Kovač zum Saisonende hin.
Die Konstellation führt dennoch zu einem gefährlichen Stillstand. Während die Konkurrenz etwa aus Leipzig oder Leverkusen ihre Kader gezielt umbaut, muss der BVB trotz hoher Einnahmen zunächst die eigene finanzielle Struktur in Ordnung bringen. Die Fehler der Vergangenheit, als man insbesondere deutschen Nationalspielern Premium-Verträge gab, fallen dem Klub nun auf die Füße und hemmen die Weiterentwicklung massiv.
2026 droht dem BVB ein großer Knall
Die aktuelle Transferperiode wirkt vor diesem Hintergrund wie die Ruhe vor dem Sturm. Die Zurückhaltung bei großen Investitionen ist kein Zufall, sondern auch aus einer Notwendigkeit zu erklären: Die sportliche Führung weiß, dass 2026 eine Zäsur bevorsteht, die das Gesicht der Mannschaft radikal verändern könnte.
Es ist ein Drahtseilakt, der den BVB folglich sogar in den beiden nächsten Spielzeiten begleiten wird und jeden einzelnen der betroffenen Spieler unter eine besondere Beobachtung stellt.
Dabei lohnt ein Blick auf den FC Bayern. Beim Rekordmeister liefen 2025 ursprünglich die Verträge unter anderem von Thomas Müller, Manuel Neuer, Leroy Sané, Joshua Kimmich und Alphonso Davies gleichzeitig aus. Das Thema war ein ständiger Begleiter, sorgte mehrfach auch für Misstöne. Das Ende vom Lied: Für Rekordspieler Müller geht es wohl in den USA weiter, Sané hat sich zu Galatasaray in die Türkei verabschiedet.
Der Unterschied zum BVB ist dabei die schiere Finanzkraft, die es den Bayern eher erlaubt, solche „Luxusprobleme“ auszusitzen.
Ein reinigendes Gewitter beim BVB?
Was also wird aus dem BVB und seinen Problemfällen? Brandt und Can haben eine realistische Zukunft in Dortmund, wenn sie bereit sind, bei einer Vertragsverlängerung signifikante Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen und ihre Verträge stärker leistungsbezogen zu gestalten.
Süle, Haller, Reyna und Özcan werden die Gehaltsliste spätestens 2026 entlasten. Es deutet sich ein reinigendes Gewitter in der Gehaltspyramide an, ein Aderlass, der einen Neuanfang ermöglicht.
An der Stelle muss man der neuen Klubführung um Ricken zugutehalten, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt hat. Bei Neuverträgen und Verlängerungen wird bereits jetzt viel stärker auf erfolgsabhängige Komponenten und ein moderateres Grundgehalt geachtet.
Das doppelte Millionen-Dilemma ist somit eine teure Lehre aus der Vergangenheit – und der Startschuss für eine nachhaltigere Zukunft beim BVB?
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