Julian Brandt, Emre Can und Co.

BVB-Millionen-Dilemma: Sechs Stars verursachen doppeltes Problem

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Sechs teure Stars kosten den BVB dutzende Millionen: Der Klub steckt in einer lähmenden Situation, die 2026 zur Eskalation führen könnte.

Dortmund – Die Nachricht sorgt in der ohnehin schon aufgeheizten sommerlichen Transferdebatte um Borussia Dortmund für Aufregung unter den Fans: Julian Brandt, der in schwachen Phasen oft als Sinnbild einer großen Schwäche des BVB herhalten muss, darf auf einen neuen Vertrag hoffen.

„Er hat entscheidend dazu beigetragen, dass wir unser Minimalziel noch erreicht haben“, erklärte Geschäftsführer Lars Ricken jüngst gegenüber den Ruhr Nachrichten. Die Personalie Brandt ist der Haken, an dem sich ein strategisches Problem des BVB aufhängen lässt: das doppelte Millionen-Dilemma.

Denn Brandt ist nur einer von sechs prominenten Spielern, deren Verträge 2026 auslaufen: Brandt, Emre Can, Sébastien Haller, Salih Özcan, Giovanni Reyna und Niklas Süle verkörpern eine gefährliche Mischung. Sie binden durch ihre hohen Gehälter ein enormes Kapital.

Wer geht? Wer bleibt? – Die Vertragslaufzeiten der Stars von Borussia Dortmund

Gregor Kobel
Stammtorhüter Gregor Kobel hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und bleibt bis 2028 gesetzt. © IMAGO/Madeleine Fantini
Patrick Drewes
Patrick Drewes unterschrieb am 26. Juni 2025 seinen Vertrag beim BVB bis 2027 – als neue Nummer 3 hinter Gregor Kobel und Alexander Meyer. © IMAGO/RHR-FOTO
Silas Ostrzinski
Auch Silas Ostrzinski hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und ist als zukünftige Nummer eins bei der U23 fest eingeplant. Sein Vertrag läuft bis 2027. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Meusel
Alexander Meyer
Ersatztorwart Alexander Meyer steht seit 2022 beim BVB unter Vertrag. Sein Arbeitspapier läuft am 30.06.2027 aus.  © IMAGO/Jess Stiles
Yan Couto
Der Brasilianer Yan Couto kam zunächst als Leihe vom Manchester City, ehe Dortmund frühzeitig die Kaufpflicht zog – sein Vertrag läuft bis zum 30.06.2030. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Waldemar Anton
Waldemar Anton wechselte im Sommer 2024 von VfB Stuttgart zum BVB – Vertrag bis zum 30.06.2028. © IMAGO/Marco Bader
Nico Schlotterbeck
Abwehrchef Nico Schlotterbeck ist seit Sommer 2022 gesetzt in Dortmund – sein aktueller Vertrag läuft bis 2027, doch der BVB plant bereits eine vorzeitige Verlängerung bis 2030 inklusive einer Gehaltsverdopplung. © IMAGO/Revierfoto
Ramy Bensebaini
Der algerische Außenverteidiger Ramy Bensebaini kam 2023 ablösefrei und unterschrieb einen Vierjahresvertrag beim BVB. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Niklas Süle
Niklas Süles Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2026. Im März gab der Verein bekannt, dass sich die Wege im Sommer trennen werden.  © IMAGO/Marco Bader
Julian Ryerson
Der Norweger Julian Ryerson verlängerte ebenfalls vorzeitig seinen Vertrag bis 2028 und hat sich zu einem festen Bestandteil der Mannschaft etabliert. © IMAGO/Marco Bader
Almugera Kabar
Das BVB-Talent Almugera Kabar erhielt im Februar 2025 seinen ersten Profivertrag bis 2028. © IMAGO/Fotostand / Fantini
Filippo Mane
Der italienische Innenverteidiger Filippo Mane hat ebenfalls Anfang 2025, seinen ersten Profivertrag bis 2028 unterschrieben. © IMAGO/Katie Stratman
Nachwuchstalent Luca Reggiani hat einen bis 2027 gültigen Kontrakt.
Nachwuchstalent Luca Reggiani hat seinen bis 2027 gültigen Kontrakt langfristig verlängert. Über die genaue Laufzeit ist nichts bekannt. © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
Daniel Svensson
Der zunächst ausgeliehene Daniel Svensson kam Anfang Februar 2025 vom FC Nordsjælland – Dortmund zog frühzeitig die Kaufoption, sein Vertrag läuft nun bis zum 30. Juni 2029. © IMAGO/Katie Stratman
Salih Özcan
Salih Özcan unterschrieb 2022 seinen Vierjahresvertrag bis 2026. Dieser wird nicht verlängert, sodass der türkische Nationalspieler den BVB im Sommer verlässt. © IMAGO/Hesham Elsherif
Felix Nmecha
Der Mittelfeldspieler Felix Nmecha kam 2023 für knapp 30 Mio.€ vom VfL Wolfsburg. Im März 2026 verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis Sommer 2030. ©  IMAGO / Nicolo Campo
Julian Brandt
Julian Brandts Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2026 – dann endet nach sieben Jahren seine Zeit beim BVB. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Carney Chukwuemeka
Der Engländer Carney Chukwuemeka unterschrieb nach seiner Leihe vom FC Chelsea fest beim BVB. Er ist noch bis 2030 gebunden. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Marcel Sabitzer
Marcel Sabitzer wechselte 2023 vom FC Bayern nach Dortmund – sein Vertrag läuft regulär bis 2027, der BVB hat wohl vorerst keine Vertragsverlängerung geplant. © IMAGO/Marco Bader
Emre Can
Der Vertrag des Kapitäns läuft nach der Saison 2025/26 aus. Berichten zufolge verlängert er nach seiner schweren Kreuzbandverletzung allerdings um ein weiteres Jahr.  © IMAGO/Madeleine Fantini
Kjell Wätjen
Das Dortmunder Talent unterschrieb 2024 seinen ersten Profivertrag – für die Saison 2025/2026 wird der 19-Jährige, für die Spielpraxis an den VfL Bochum ausgeliehen. Sein BVB-Kontrakt läuft noch bis 2028. © IMAGO/Fotostand / Fantini
Jobe Bellingham
Der 19-jährige Jobe Bellingham unterzeichnete im Juni 2025 einen Fünfjahresvertrag bis 2030 und bereitet sich momentan bei der Klub-WM auf die Bundesliga-Saison 2025/26 vor. © IMAGO / Nicolo Campo
Karim Adeyemi
Karim Adeyemi wechselte im Sommer 2022 von RB Salzburg zum BVB – sein Vertrag läuft noch bis 2027. Immer wieder rankten sich Abgangsgerüchte um den Flügelspieler. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Maximilian Beier
Der 21-jährige Maximilian Beier wechselte im August 2024 von Hoffenheim zum BVB, nachdem er dort mit 16 Bundesligatoren glänzte – sein Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2029. © IMAGO/Marco Bader
Verlässt Serhou Guirassy den BVB?
Torjäger Serhou Guirassy kam im Juli 2024 vom VfB Stuttgart und lieferte seitdem bei den Borussen ab – sein Vertrag läuft noch bis 2028. ©  IMAGO / Gribaudi/ImagePhoto
Julien Duranville
Julien Duranville ist noch bis 2028 an Dortmund gebunden. In der Rückrunde der Saison 2025/26 spielt er auf Leihbasis beim FC Basel. © IMAGO/Madeleine Fantini
Cole Campbell
Cole Campbell unterschrieb 2024 einen Profivertrag in Dortmund – sein Vertrag läuft noch bis 2028. Auch er ist 2025/26 ausgeliehen und verbringt die Rückrunde bei der TSG Hoffenheim. © IMAGO/Katie Stratman
Neuzugang Fabio Silva unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2030.
Neuzugang Fabio Silva unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2030. © IMAGO/Jordi Mergen

Der große BVB-Umbruch folgt nächstes Jahr

Gleichzeitig sind ihre Marktwerte derart gefallen, dass sie für andere Klubs kaum attraktiv sind und den Transfermarkt für den BVB blockieren. Nur bei Özcan und Reyna besteht die Hoffnung auf einen Transfer in diesem Sommer.

Die Dortmunder Führung hat sich damit in eine Lage manövriert, die Klubs für gewöhnlich mit aller Macht zu vermeiden suchen. Man kann es sich finanziell kaum leisten, diese Spieler zu halten, gleichzeitig aber auch sportlich kaum leisten, sie alle gleichzeitig nächstes Jahr gehen zu lassen. Der große Umbruch, den Ricken für dieses Jahr noch ausschloss, scheint nur aufgeschoben. Er könnte 2026 mit brachialer Wucht kommen – weil er dann unausweichlich wird.

Das doppelte Millionen-Dilemma des BVB

Das Problem von Dortmund ist zweischneidig. Auf der einen Seite steht die finanzielle Lähmung. Die Gruppe der 2026er-Verträge bindet geschätzt 40 bis 50 Millionen Euro an jährlichen Gehaltskosten. Geld, das dringend benötigt würde, um den Kader umzugestalten. Doch Verkäufe gestalten sich als extrem schwierig, da kaum ein Verein bereit ist, die hohen Gehälter für Spieler zu übernehmen, deren Leistungskurve stagniert. Und die Spieler haben nachvollziehbarerweise nur geringes Interesse daran, auf viel Geld zu verzichten.

Auf der anderen Seite steht die sportliche Abhängigkeit. Trotz aller Kritik ist die Rede von einigen Säulen des Teams. Emre Can ist der Kapitän und als Springer zwischen Innenverteidigung und defensivem Mittelfeld wichtig. Julian Brandt war in der abgelaufenen Saison trotz eines langen Tiefs erneut unter den Top-Scorern zu finden und bleibt das Kreativzentrum des BVB. Auch Niklas Süle steigerte sich unter Neu-Trainer Niko Kovač zum Saisonende hin.

Salih Özcan, Julian Brandt und Emre Can haben 2026 auslaufende Verträge beim BVB.

Die Konstellation führt dennoch zu einem gefährlichen Stillstand. Während die Konkurrenz etwa aus Leipzig oder Leverkusen ihre Kader gezielt umbaut, muss der BVB trotz hoher Einnahmen zunächst die eigene finanzielle Struktur in Ordnung bringen. Die Fehler der Vergangenheit, als man insbesondere deutschen Nationalspielern Premium-Verträge gab, fallen dem Klub nun auf die Füße und hemmen die Weiterentwicklung massiv.

2026 droht dem BVB ein großer Knall

Die aktuelle Transferperiode wirkt vor diesem Hintergrund wie die Ruhe vor dem Sturm. Die Zurückhaltung bei großen Investitionen ist kein Zufall, sondern auch aus einer Notwendigkeit zu erklären: Die sportliche Führung weiß, dass 2026 eine Zäsur bevorsteht, die das Gesicht der Mannschaft radikal verändern könnte.

Es ist ein Drahtseilakt, der den BVB folglich sogar in den beiden nächsten Spielzeiten begleiten wird und jeden einzelnen der betroffenen Spieler unter eine besondere Beobachtung stellt.

Dabei lohnt ein Blick auf den FC Bayern. Beim Rekordmeister liefen 2025 ursprünglich die Verträge unter anderem von Thomas Müller, Manuel Neuer, Leroy Sané, Joshua Kimmich und Alphonso Davies gleichzeitig aus. Das Thema war ein ständiger Begleiter, sorgte mehrfach auch für Misstöne. Das Ende vom Lied: Für Rekordspieler Müller geht es wohl in den USA weiter, Sané hat sich zu Galatasaray in die Türkei verabschiedet.

Der Unterschied zum BVB ist dabei die schiere Finanzkraft, die es den Bayern eher erlaubt, solche „Luxusprobleme“ auszusitzen.

Ein reinigendes Gewitter beim BVB?

Was also wird aus dem BVB und seinen Problemfällen? Brandt und Can haben eine realistische Zukunft in Dortmund, wenn sie bereit sind, bei einer Vertragsverlängerung signifikante Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen und ihre Verträge stärker leistungsbezogen zu gestalten.

Süle, Haller, Reyna und Özcan werden die Gehaltsliste spätestens 2026 entlasten. Es deutet sich ein reinigendes Gewitter in der Gehaltspyramide an, ein Aderlass, der einen Neuanfang ermöglicht.

An der Stelle muss man der neuen Klubführung um Ricken zugutehalten, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt hat. Bei Neuverträgen und Verlängerungen wird bereits jetzt viel stärker auf erfolgsabhängige Komponenten und ein moderateres Grundgehalt geachtet.

Das doppelte Millionen-Dilemma ist somit eine teure Lehre aus der Vergangenheit – und der Startschuss für eine nachhaltigere Zukunft beim BVB?

Rubriklistenbild: © IMAGO/Marco Steinbrenner/DeFodi Images

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