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Von Millionen-Flops bis Überraschungshelden: Alle BVB-Stars in der Saison-Einzelkritik von Absolut Fussball – wer enttäuschte, wer überzeugte?
Dortmund – Nach einer Achterbahnfahrt durch die Saison hat sich Borussia Dortmund dank des famosen Endspurts unter Niko Kovač doch noch für die Champions League qualifiziert.
Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, hat in den letzten Tagen den vier Mannschaftsteilen (Tor, Abwehr, Mittelfeld, Angriff) Zeugnisse ausgehändigt: Der BVB-Kader im Check – Wer überzeugt hat, wer enttäuscht hat. Hier gibt es das große Fazit.
Die Problemfälle beim BVB: Noten 5,0 bis 4,0
Am Ende der Skala stehen drei bittere Enttäuschungen. Den Erwartungen am wenigsten gerecht wurde wohl der Brasilianer Yan Couto (5,0): 25 Millionen Euro Kaufpflicht für einen Spieler, der wegen taktischer Defizite und individueller Fehler meist nur Nebenrollen spielte – das ist bisher eine teure Fehlinvestition, die dem BVB noch lange wehtun wird, wenn der Außenverteidiger nicht kommende Saison in die Spur findet.
Julien Duranville (5,0) reiht sich derweil in die Liste der BVB-Talente ein, die ein weitgehend verlorenes Jahr erlebten. Trotz seines unbestreitbaren Potenzials kam der Belgier nur sporadisch zum Einsatz. Gleichauf steht Giovanni Reyna (5,0), bei dem eine völlig nichtssagende Saison besonders schmerzt – das einstige Ausnahmetalent ist zum Sorgenkind geworden.
Nur knapp darüber rangieren Marcel Sabitzer (4,5) und Almugera Kabar (4,5). Während der Österreicher mehr für Unruhe als für Aufsehen sorgte und erst zum Saisonfinale gegen Kiel mit seinem Treffer einen echten Befreiungsschlag erlebte, wurde beim Eigengewächs Kabar schnell klar, dass der Sprung zu den Profis noch zu früh kam.
Niklas Süle (4,0) sammelte als Top-Verdiener nur 16 Startelfeinsätze, zeigte aber immerhin zum Saisonende klar aufsteigende Tendenz. Salih Özcan (4,0) blieb nach dem Abbruch seiner Leihe nach Wolfsburg lediglich die Rolle des Lückenfüllers, bei Carney Chukwuemeka (4,0) war die Leihe von Chelsea bei allem erkennbaren Talent ein Risiko, das sich letztlich nicht auszahlte.
Das solide BVB-Mittelfeld: Noten 3,5 bis 3,0
Jamie Gittens (3,5) erlebte eine gespaltene Saison: In der schwachen Hinrunde des BVB war der Engländer der größte Lichtblick, dann allerdings wurde er zum Sorgenkind unter Kovač. In etwa gegenläufig war die Entwicklung von Julian Brandt (3,5). Der Nationalspieler hatte lange mit seiner neuen Führungsrolle zu kämpfen, konnte sich aber fangen. Seine Statistiken am Ende stimmen – 15 Bundesliga-Scorerpunkte können sich sehen lassen.
Alexander Meyer (3,5) erfüllte seine Rolle als zuverlässige Nummer zwei, wurde aber auch nur selten gebraucht. Stammkeeper Gregor Kobel (3,0) fand nach anfänglichen Problemen unter dem neuen Trainer zu alter Stärke zurück, stellte zudem eine persönlichen Rekord auf, was die Zahl der Einsätze anbelangte.
Kapitän Emre Can (3,0) erhielt durch die Versetzung vom Mittelfeld in die Abwehrkette eine neue Chance und wusste sie zu nutzen. Waldemar Anton (3,0) brauchte viel Anlauf, stabilisierte sich aber rechtzeitig zum Saisonfinale und schoss obendrein extrem wichtige Tore gegen Bayern und Hoffenheim.
Die Angreifer Karim Adeyemi (3,0) und Maximilian Beier (3,0) legten vor allem unter Kovač deutlich zu – beide stehen symbolisch für den Aufschwung in der Rückrunde und sind große Hoffnungsträger für die Zukunft.
Die Klassenbesten beim BVB: Noten 2,5 bis 1,5
Hier beginnt die Elite: Ramy Bensebaini (2,5) korrigierte mit taktischer Flexibilität, starker Zweikampfführung und vielen positiven fußballerischen Momenten den schwachen ersten Eindruck, den er in der Vorsaison beim BVB hinterlassen hatte. Julian Ryerson (2,5) verdiente sich weiter den Status des Publikumslieblings, weil er auf der rechten Seite weder sich noch Gegner schont und immerhin auch sechs Scorerpunkte verbuchen konnte.
Pascal Groß (2,5) überzeugte trotz einiger Anlaufschwierigkeiten, die vor allem seiner Flexibilität geschuldet waren, mit 16 Scorerpunkten. Der Routinier wurde gerade in der Rückrunde zum Hirn der Mannschaft. Felix Nmecha (2,5) machte als Sechser einen gewaltigen Entwicklungssprung und kratzte an der internationalen Klasse, bis ihn eine Verletzung aus dem Tritt brachte.
Das Spitzentrio beginnt überraschend bei Daniel Svensson (2,0) – ein Musterbeispiel für die clevere Transferpolitik, zu der Dortmund wieder finden sollte. Der Winter-Zugang kam als Perspektivspieler ohne große Erwartungen und überzeugte sofort. Gleichauf steht Nico Schlotterbeck (2,0), der bis zu seiner Verletzung im April wohl sogar der beste BVB-Spieler war und endgültig den Sprung zum Führungsspieler schaffte.
Der klare MVP von Borussia Dortmund
Unangefochten an der Spitze thront Serhou Guirassy (1,5) – der eindeutige MVP dieser Saison beim BVB. 43 Torbeteiligungen in 45 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Ohne den Torjäger wäre der BVB international wahrscheinlich in der nächsten Saison überhaupt nicht vertreten. Seine Klasse zeigte sich besonders im Endspurt: Sieben Tore in den letzten sieben Spielen schossen Dortmund zurück in die Königsklasse. Einziger Kritikpunkt sind die plumpen Schwalben, zu denen sich Guirassy zu oft hinreißen ließ.
Ein Spiegelbild der BVB-Saison
Die Rangliste offenbart die ganze Bandbreite einer verrückten Saison: Während Millionen-Investitionen wie Couto floppen, überraschen günstige Transfers wie Svensson. Dass es am Ende doch noch für die Champions League reichte, lag am Aufschwung unter Niko Kovač, Schwächen der Konkurrenz – und nicht zuletzt an Guirassy.
Das BVB-Zeugnis von Absolut Fussball in der Übersicht:
Ohne Zeugnis:
Cole Campbell, Marcel Lotka, Filippo Mané, Kjell Wätjen
Note 5,0:
Yan Couto, Julien Duranville, Giovanni Reyna
Note 4,5:
Almugera Kabar, Marcel Sabitzer
Note 4,0:
Carney Chukwuemeka, Salih Özcan, Niklas Süle
Note 3,5:
Julian Brandt, Jamie Gittens, Alexander Meyer
Note 3,0:
Karim Adeyemi, Waldemar Anton, Maximilian Beier, Emre Can, Gregor Kobel
Note 2,5:
Ramy Bensebaini, Pascal Groß, Felix Nmecha, Julian Ryerson
Note 2,0:
Nico Schlotterbeck, Daniel Svensson
Note 1,5:
Serhou Guirassy
Rubriklistenbild: © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO


