Bayern-Stars sind überbezahlt

Gehalts-Experte rät: „Der FC Barcelona kann Vorbild für den FC Bayern sein“

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Mehrere FC Bayern-Profis verdienen zu viel. Ein Gehalts-Experte präsentiert Wege, wie die Münchner ihre Bezahlstruktur reformieren können.

München – Beim FC Bayern dreht sich viel um das Thema Spielergehälter. Zuletzt betonte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des deutschen Rekordmeisters von 2002 bis 2021, dass die Gehälter der Münchner Stars zum Teil zu hoch ausgefallen sind.

Serge Gnabry (l.) und Joshua Kimmich (r.) sollen beim FC Bayern deutlich über 15 Millionen Euro verdienen. Ein gerechter Lohn?

Absolut Fussball, das Fußballportal von Home of Sports, fragt mit Professor Julian Molina nun einen Experten in Sachen Gehaltsverhandlungen, wie der FC Bayern wieder eine vernünftige Bezahlstruktur für seine Stars aufbauen kann. Der Münchner ist systemischer Business Coach und berät Unternehmen und Führungskräfte.

Verträge mit Stars des FC Bayern sollen flexibler gestaltet werden

Im Interview mit Absolut Fussball zieht Professor Molina einen interessanten Vergleich zum FC Barcelona. Zudem regt er dazu an, bei Verträgen mit Profi-Fußballern wieder mehr auf Flexibilität und Leistung zu setzen, auch wenn dies bedeutet, zunächst einen steinigen Weg einschlagen zu müssen.

Herr Molina, man sagt, mit dem Fall Lucas Hernández habe beim FC Bayern eine Art Gehalts-Teufelskreis eingesetzt. Der Franzose war 2019 für 80 Millionen Euro Ablöse nach München gekommen, sein Gehalt soll bei 20 Millionen Euro gelegen haben, während er zumeist verletzt war oder nur durchschnittliche Leistungen zeigte. In der Folge sollen Bayern-Stars, die zuvor eher bei einem Gehalt von 15 Millionen Euro lagen, ebenfalls 20 Millionen Euro verlangt haben. Angenommen, dass es sich so zugetragen hat: Wo hätte der Verein noch etwas korrigieren können?
Die Kernfrage lautet: Hatte der FC Bayern damals eine klare interne Gehalts-Architektur? Dann hätte man als großes Unternehmen spätestens nach dem Hernández-Deal umgehend eine rote Linie ziehen müssen nach dem Motto: Die Summe X ist unsere Schmerzgrenze, egal welcher Star nun gerade mehr Geld fordert.

Mit Verspätung offiziell verabschiedet – Comans harter Weg zur Bayern-Legende

Kingsley Coman wird auf dem Platz in der Allianz Arena offiziell verabschiedet.
Ehrung eines verdienten Spielers. Über drei Monate nach seinem Abschied zu al-Nassr FC wurde der ehemalige Spieler des FC Bayern München in der Allianz Arena mit größten Ehren verabschiedet. © Sven Simon/IMAGO
Kingsley Coman lässt sich feiern.
Ein letztes Mal durfte sich Coman von den Fans des FC Bayern feiern lassen, ehe das Bundesliga-Spiel zwischen dem FC St. Pauli und den Münchnern am 29. November 2025 angepfiffen wurde. Die Verdienste des Franzosen werden dabei oft unterschätzt und so lohnt ein Blick in dessen Werdegang. © Sven Simon/IMAGO
STOCKHOLM 20130723 Hammarbys Billy Berntsson och PSG:s Kingsley Coman under dagens vänskapsmatch i fotboll
Kingsley Coman wurde 1996 in Paris geboren, wo er mit sechs Jahren mit dem Fußballspielen begann. Im Alter von acht Jahren wurde Paris Saint-Germain auf den jungen Coman aufmerksam und holte ihn in sein Jugendprogramm. Mit nur 16 Jahren debütierte er für die erste Mannschaft. © TT/Imago
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Im Sommer 2014 wechselte er dann zu Juventus Turin. Die Italiener schafften es in der Champions League bis ins Endspiel, unterlagen dort aber dem FC Barcelona. Coman wurde jedoch erst in der 89. Minute eingewechselt und konnte seinem Team nicht mehr helfen, die 1:3-Niederlage abzuwenden. Das sollte bei seinem nächsten Finale in der Königsklasse anders aussehen. © Gribaudi/ImagePhoto/Imago
MUNICH GERMANY SEPTEMBER 10 Kingsley Coman and Matthias Sammer during the FC Bayern München
Zur nächsten Saison folgte sein Wechsel nach München. Zuerst zwar nur auf zweijährige Leihbasis, doch zwei Jahre später nahmen die Bayern 21 Millionen Euro in die Hand, um den Flügelflitzer fest zu verpflichten. „Ich bin ein Spieler, der den Unterschied macht“, sagte der Teenager bei seiner Ankunft an der Isar – ein Zitat aus der Kategorie: gut gealtert. © Ulmer/Imago
FUSSBALL CHAMPIONS LEAGUE SAISON 2015 2016 ACHTELFINALE RUECKSPIEL FC Bayern Muenchen Juventus
An der Isar spielte Coman nun unter Welttrainer Pep Guardiola, welchen er sehr schätzte. Und auch der Coach wusste, was er an Coman hatte und bezeichnete ihn als „speziellen Spieler“. © Ulmer/Imago
Kingsley COMAN Bayern Muenchen Debuet Einwechslung kommt fuer Arturo VIDAL Bayern Muenchen
Am 12. September 2015 gab er sein Bundesliga-Debüt im Heimspiel gegen den FC Augsburg. Er wurde in der 56. Minute für Arturo Vidal eingewechselt. Nur vier Tage später folgte das Debüt in der UEFA Champions League. © Sven Simon/Imago
Kingsley Coman FCB und Paul Pogba Juventus im Champions League Achtelfinal Rückspiel der Saison
In seiner ersten Champions-League-Saison mit den Bayern traf der Youngster im Achtelfinale auf seinen Ex-Klub aus Turin. Nach einem 2:2 im Hinspiel kam es im Rückspiel zum Showdown. Juventus geht früh mit zwei Toren in Führung, doch Bayern kämpft sich zurück in die Partie. Robert Lewandowski trifft in der 73. Minute – Müller rettet die Münchner mit seinem Tor in der 91. Minute in die Verlängerung.  © Schreyer/Imago
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In Minute 108 dreht Thiago das Spiel komplett für die Bayern, doch ein Tor von Juventus würde wegen der damaligen Auswärtstorregel das Münchner Aus bedeuten. © Eibner Europa/Imago
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Doch die Fans den deutschen Rekordmeister müssen nicht lange zittern, denn Coman macht in der 110. Minute den Deckel drauf. Game Over. © Sven Simon/Imago
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Nicht nur sportlich kam Coman voll in München an. Auch die bayerische Kultur lernte er beim obligatorischen Oktoberfest-Besuch kennen. Ob ihm Landsmann Franck Ribéry beim Lederhosenkauf beraten hat, ist leider nicht bekannt. © Ulmer/Imago
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Nach der ersten Saison in München durfte sich Coman zum ersten Mal deutscher Meister sowie DFB-Pokalsieger nennen. Ein Vorgeschmack auf mehr. © MIS/Imago
Kingsley Coman FC Bayern am Ball vorne Diego Demme RB Leipzig Willy Orban RB Leipzig
Coman etablierte sich als Stammspieler und war mit seiner Schnelligkeit auf der linken Seite nur schwer zu stoppen. Im Dribbling ließ er Verteidiger reihenweise alt aussehen. © Bernd König/Imago
GER, Bayern, Muenchen, FC Bayern Muenchen - Bayer 04 Leverkusen, in der Allianz Arena, Muenchen, Champions League, Achtelfinale
Doch es gab ein Problem. So brillant Coman phasenweise auf dem Platz war – er war auch extrem verletzungsanfällig. Regelmäßig hielten Bayern-Fans geschockt die Luft an, wenn der Franzose zu Boden ging oder sich an den Oberschenkel griff. © Michael Nibel/Imago
Kingsley Coman (FC Bayern Muenchen, 11) hat sich ohne Fremdeinwirkung verletzt und benoetigt Hilfe zum Verlassen
Mit diversen muskulären Problemen, Knieverletzungen etc., verpasste Coman in seinen zehn Jahren an der Isar ganze 152 Spiele, also in Summe etwa drei volle Spielzeiten. © Eibner-Pressefoto/IMAGO
Sport Themen der Woche KW 07 Sport Bilder des Tages Torjubel Kingsley COMAN (Bayern Muenchen) nach Tor zum 1-1 mit
Aber Coman kämpfte sich immer wieder zurück auf den Platz und wenn er fit war, war er immer eine ernstzunehmende Option auf dem Flügel – egal ob noch zu Robbery-Zeiten oder später. © Sven Simon/Imago
Kingsley Coman fra Laurent Koscielny fra FOOTBALL Portugal vs France UEFA EURO EM
In München wurde Coman zum Nationalspieler. Im Finale der Europameisterschaft 2016 musste er sich mit dem bitteren zweiten Platz für die Franzosen gegen Ronaldos Portugal zufriedengeben. © Panoramic by PsnewZ/Imgao
QATAR, LUSAIL - DECEMBER 18, 2022: France s players Axel Disasi (L) and Kingsley Coman are seen during the
Und auch 2022 in Katar scheiterte er und die Équipe Tricolore kurz vor dem ganz großen Wurf. In einem der packensten Endspiele aller Zeiten triumphierte letztendlich Messis Argentinien. Bei Frankreichs Titelgewinn 2018 stand Coman nur auf der Nachrückerliste, schaffte jedoch nicht den Sprung in den 23-Mann-Kader. © Sergei Bobylev/Imago
Fussball 1.German Soccer League FC BAYERN MUENCHEN - VFB STUTTGART 4-0 Kingsley COMAN, FCB 29 Trainer Hansi
Seine besten Jahre hatte Coman wohl unter Hansi Flick. Als dieser in der Saison 2019/20 von Niko Kovač übernahm, schuf er aus einem schwächelndem Bayern-Team eine Sieges-hungrige Bestie. © Peter Schatz/Imago
Final Football UEFA Champions League FC BAYERN MUENCHEN - PARIS ST. GERMAIN (PSG) Lisbon, Lissabon, Portugal
Im Corona-Turnier der Champions-League in Lissabon konnte niemand die Bayern auf ihrem Weg ins Finale stoppen. Und dort kam es für Coman zum Wiedersehen mit seinem anderen Ex-Klub. Und wieder lieferte der Franzose ab. © Peter Schatz/Imago
FOOTBALL : Paris Saint Germain vs Bayern Munich - Finale - UEFA Ligue des Champions - 23/08/2020 LISBON, PORTUGAL
Lange steht es 0:0 – PSG ging nur dank eines Manuel Neuers in Überform im Tor der Münchner nicht in Führung. Doch dann steigt Coman in der 59. Minute nach Flanke von Joshua Kimmich zum Kopfball hoch und köpft den Ball mit geschlossenen Augen am Pariser Schlussmann Navas vorbei ins Tor. Bayern führt. © Laurence Griffiths/IMAGO
Fussball Champions League/ Finale/ Paris St. Germain - Bayern Muenchen 0-1 Kingsley COMAN (Bayern Muenchen) mit Cup
Als der Schlusspfiff endlich durch die portugiesische Nacht hallt, ist die perfekte Bayern-Saison besiegelt. Coman der Held – Nachfolger von Mr. Wembley, Arien Robben – Siegtorschütze im Champions-League-Finale. Und Bayern ist Triple-Sieger, zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte. © Sven Simon/Imago
Kingsley Coman FC Bayern FCB 29 wird nach Spielnde von Fans umringt und von Security vom
Spätestens seit diesem Treffer ist Coman in München einer der Fan-Lieblinge. © Sven Leifer/Imago
COMAN Kingsley enlassant sa femme Sabrajna Duvad FOOTBALL : WAGS - Tunisie vs France - Groupe D - coupe du Monde Qatar
Stets an seiner Seite, seine Frau Sabrina Duvad, die Coman im Jahr 2018 kennengelernt haben soll. © JB Autissier/Imago
Sabrajna wife of Kingsley Coman with children Leyana, Kaylee, and baby in the match FC BAYERN MÜNCHEN - VFB STUTTGART
Insgesamt hat Coman vier Kinder: Mit Duvad zwei und mit seiner ersten Frau auch zwei.  © ActionPictures/Imago
Einigung erzielt! Coman steht kurz vor einem Wechsel zu Al-Nassr nach Saudi Arabien
Nach zehn Jahren an der Isar verließt Coman den deutschen Rekordmeister und wechselte zu Ronaldo-Klub Al Nassr nach Saudi-Arabien. © Sven Simon/Imago
Testspiel - 25/26 - FC Bayern München - 1. Tottenham Hotspur
Dabei überzeugte Coman noch in der Vorbereitung auf die Saison 2024/25 im Dress der Münchner und traf im Test gegen die Tottenham Hotspur. © osnapix/Michael Titgemeyer/Imago
Die Frauen und Männer des FC Bayern München bei der Meisterfeier 2023 auf dem Marienplatz in Muenchen Bild zeigt: Kingsl
Den Rathausbalkon der Stadt München kennt Coman mittlerweile wie seine Westentasche und seine Titelsammlung mit den Bayern kann sich durchaus sehen lassen. Mit acht deutschen Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiegen und einem Champions-League-Titel im Handgepäck ging es für ihn mitte August in die Wüste. © Karsten Lauer/Imago
Nach dem Harvard-Prinzip – dem Goldstandard moderner Verhandlungsführung – gilt: Schon ein einzelnes Top-Vertragsangebot wird zum neuen Anker beziehungsweise zur neuen Benchmark für alle. Wer da als Unternehmen oder in dem Fall als Verein nicht intern gegensteuert, schreibt unbeabsichtigt das neue Preisschild für den ganzen Kader.
Der FC Bayern gewann 2020 die Champions League unter den Rahmenbedingungen der Corona-Zeit (u.a. verkürzter Turniermodus auf neutralem Boden). Der Verein vermarktete diesen Triumph, als wäre er in einer gewöhnlichen Saison erfolgt. Auch die Spieler sahen sich als Champions-League-Helden an. Einige Stars erhielten plötzlich Langzeitverträge sowie eine deutliche Gehaltserhöhung. Allerdings konnten die meisten Spieler die Erwartungen nicht erfüllen. Sehen Sie einen Ausweg für den Verein?
Vorausgesetzt, dass es sich in etwa so abgespielt hat, lässt sich vorweg sagen, dass Unternehmen nicht selten in einer Phase des Erfolges, in einer Phase, wo Euphorie vorherrscht, Fehler begehen. Man kann in dem von Ihnen beschriebenen Fall selbstverständlich auch noch etwas korrigieren, aber das funktioniert nicht einfach mit dem Drücken der Reset-Taste.
Vielmehr geht es um eine systematische Nachjustierung, zum Beispiel mittels eines ausgewogenen Dreiklangs: Die teuersten Verträge auslaufen lassen, gezielt Abnehmer mit Sonderlösungen finden, zum Beispiel Leihmodelle mit Gehaltsbeteiligung – und die freiwerdende Gehaltssumme konsequent neu strukturieren. Es ist wie mit einem Kühlschrank: Erst das alte Zeug raus – dann den Kühlschrank mit System neu einräumen.
Sport-Vorstand Max Eberl sollte in der abgelaufenen Saison bei einigen Spielern neue Verträge aushandeln, allerdings auch ihre Gehälter kürzen. Letztendlich bekamen manche Spieler eine Gehaltserhöhung. Vermutlich lautete die Rechnung des Klubs: Ein neuer Spieler würde zwar etwas weniger Gehalt verlangen, aber er würde Ablöse und Handgeld kosten. War das die richtige Entscheidung, die teuren Stars zu halten?
Kurzfristig kann das durchaus ein smarter Deal sein: keine Ablöse, kein Handgeld in Millionenhöhe – und vor allem eine stabile Mitarbeiter- beziehungsweise Kader-Struktur behalten. Langfristig birgt diese Vorgehensweise aber ein hohes Risiko, weil jedes überdurchschnittliche Gehalt wie gesagt sofort zur neuen Verhandlungsbasis, also Anker, für alle wird. Berater nutzen solche Gelegenheiten dann als Referenz und handeln hohe Gehälter heraus – egal ob der Spieler sportlich auf Top-Niveau agiert oder nicht.
Der Kernpunkt lautet hier, dass der Verein nach Möglichkeit zu einer leistungsgerechten und flexiblen Vertragsgestaltung zurückkehrt. Das kann als Anregung für viele Profi-Vereine gelten: Kommt weg vom blinden Vertrauensvorschuss mit langen Vertragslaufzeiten und hohem Grundgehalt, sondern verfolgt wieder mehr das Prinzip von Pay-for-Performance. So wird es auch oftmals in der freien Wirtschaft auf Top-Management-Ebene gehandhabt.
Welche Auswirkung hätte das Prinzip für den Fußball?
Jeder kennt wahrscheinlich Zeitungs-Meldungen, in denen davon berichtet wird, dass ein Wirtschafts-Boss bei Erreichen von Geschäftszielen einen hohen Bonus erhält. Das liegt am System, weil zahlreiche Manager, zumindest auf die Branche bezogen, ein eher niedriges Grundgehalt vereinbart haben und die Leistung im Mittelpunkt steht.
Um das auf die Fußball-Klubs herunterzubrechen: Ein Verein muss es eigentlich verhindern, mit einem Spieler eine auf Jahre hohe Lohnbindung einzugehen, ohne dass er dafür eine entsprechende Leistung zugesichert bekommt. Natürlich weiß jeder Fußball-Fan, dass Spieler Form-Schwankungen unterliegen, aber genau das sollte wieder deutlicher in Verträgen berücksichtigt werden.
Es ist natürlich einfacher gesagt als getan, aber wäre das Modell aus der freien Wirtschaft auf den Profi-Fußball übertragbar, könnte es sogar den Teamgeist stärken, weil sich finanzielle Anreize noch stärker an Erfolge koppeln – und alle Spieler noch mehr investieren, um gemeinsam das Beste für alle herauszuholen.

Prof. Dr. Julian Molina ist wissenschaftlicher Studienortleiter an der iba (internationalen Berufsakademie) in München und lehrt Soziale Arbeit, Management und Coaching

Der 44-Jährige ist systemischer Business Coach und berät Fach- und Führungskräfte, Unternehmen sowie gemeinnützige Organisationen. Der Münchner ist zudem spezialisiert auf Karriere-Beratung, wozu auch Gehaltsverhandlungen zählen.

Ein letzter Punkt: Der FC Bayern tut sich auf dem Transfermarkt schwer. Europäische Top-Klubs haben als Klub-Besitzer Staaten oder große Investmentfonds hinter sich stehen. Erling Haaland soll bei Manchester City 30 Millionen Euro pro Jahr verdienen. In Deutschland gilt dagegen die 50+1-Regel. Können Sie diese Konkurrenzsituation im Kampf um Top-Stars einordnen?
Ich denke, es ist offensichtlich, dass es international unterschiedliche Strukturen gibt, wodurch Vereine aus Deutschland automatisch benachteiligt werden. Man muss dafür allerdings nicht zwingend in Deutschland die 50+1-Regel abschaffen. Es muss aber das Ziel der deutschen Vereine sein, in Europa auch finanziell einen fairen Wettbewerb herzustellen.
Das könnte, wie FIFA-Präsident Gianni Infantino und FC-Bayern-Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge fordern, über einen gut austarierten Salary-Cap funktionieren. Die Einführung einer Gehaltsobergrenze für Spieler dürfte aber sicherlich noch Zeit in Anspruch nehmen. Aktuell kann ich einem Klub wie dem FC Bayern nur raten, bei den Spielergehältern keine Grenzen zu überschreiten, wenn das Duell gegen Klubs mit anderen finanziellen Strukturen im Grunde nicht zu gewinnen ist.
Prof. Dr. Julian Molina ist Experte in Sachen Gehaltsverhandlungen.
Vielmehr sehe ich eine Chance darin, dass der Verein seine Werte, Stärken und Besonderheiten neuen Spielern anpreist. Der Verein muss liefern, was kein Öl-Milliardär mit Geld kaufen kann: eine integre Vereinskultur, Planbarkeit, Titel-Sicherheit und Markenstärke. In Verhandlungen heißt das: ‚Wir zahlen fair – dafür bekommst du langfristige Karriere-Chancen statt kurzfristigen Cashflow.‘
Wer diese Philosophie glaubwürdig lebt, holt Spieler, die mehr wollen als nur den dicksten Gehaltszettel. Das erdet die Spieler und bindet sie zurück an die Fan-Gemeinschaft. Hier würde ich gerne auch das Beispiel FC Barcelona einbringen.
Die Katalanen sollen rund eine Milliarde Schulden angehäuft haben...
Der Klub gilt als hochverschuldet, aber warum wechseln zahlreiche Stars trotzdem zum FC Barcelona? Warum verdienen viele Spieler beim FC Barcelona deutlich weniger Geld als bei anderen Top-Klubs, wollen aber trotzdem bleiben? Die Antwort ist naheliegend: Der FC Barcelona bietet eben noch andere Benefits für die Spieler. Das könnte eben auch eine Chance für den FC Bayern sein.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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