Der FC Bayern kassiert in Heidenheim die nächste Pleite – mit Ansage. Trainer Thomas Tuchel traf eine fatale Entscheidung, die nach hinten losging.
München – Wer Thomas Tuchel vor dem Spiel gegen Heidenheim aufmerksam zugehört hat, der konnte bereits erahnen, was der Trainer des FC Bayern München im Schilde führt. Dass seine Entscheidung solch dramatische Auswirkungen haben würde, die zur 2:3-Blamage gegen den Aufsteiger führten, damit war nicht unbedingt zu rechnen. Verwundern dürfen diese jedoch nicht mehr, eher hätte man das Unheil kommen sehen müssen.
Abwehrchef de Ligt? Tuchel reagiert mit Bankplatz
Auf der Pressekonferenz vor dem Heidenheim-Spiel am Freitag schlug ein „tierisch genervter“ Tuchel Bayern-Alarm und verkündete fünf Ausfälle. Die Personalprobleme kamen vor den wichtigen Wochen in Bundesliga und Champions League zur Unzeit. In der Innenverteidigung kann der FCB-Coach aber aus dem Vollen schöpfen. Zuletzt hatte sich das Abwehr-Duo Matthijs de Ligt und Eric Dier festgespielt. Das bewog einen Journalisten dazu, Tuchel zu fragen, ob de Ligt mittlerweile auf dem Weg zum Abwehrchef wäre.
Tuchel verzog das Gesicht. Statt seinen vermeintlichen Leader zu stärken, zählte er diesen öffentlich an. „Weiß ich nicht, er hat gut gespielt“, sagte Tuchel, den die Frage nach de Ligt offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt hat. „Er hat mit uns allen aber die gleichen Probleme gegen Dortmund gehabt. Dieses Ergebnis (0:2; Anm. d. Red.), die Art und Weise war nochmal der Startschuss für alle, dass die Karten ein Stück weit neu gemischt werden, niemand sich ausruhen kann und jeder immer um seinen Platz kämpfen muss.“
Tuchel merkte zwar an, dass er „sehr, sehr zufrieden mit Matthijs“ sei, „er hat das sehr gut gemacht, gemeinsam mit Eric Dier.“ Allerdings habe man auch sehr gute Spiele mit Minjae Kim und Dayot Upamecano gehabt. „Die Entscheidung für morgen ist noch nicht gefallen und die Entscheidung für die weiteren Spiele ist nicht gefallen.“
„Wir haben die Uhren nochmal zurückgedreht. Wie gesagt, ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung und seiner Verfassung über die letzten Wochen, aber er war am Samstag auch auf dem Platz gestanden und wir waren mit uns allen nicht zufrieden“, erklärte Tuchel weiter. „Wir haben vier starke Innenverteidiger, jeder möchte spielen und wir werden von Spiel zu Spiel entscheiden, wer am besten passt.“
De Ligt, der seit der Niederlage in Leverkusen am 10. Februar gesetzt war und zumeist mit Dier die Innenverteidigung gebildet hat, saß dann in Heidenheim tatsächlich nur auf der Bank. Tuchel baute die Abwehr rigoros um, eine Entscheidung mit Ansage und fatalen Folgen.
Tuchel-Nachfolger beim FC Bayern: Die Kandidaten-Liste in der Übersicht
Tuchel wirft Abwehr über den Haufen – mit fatalen Folgen
Für de Ligt und Dier, die als einzige Feldspieler nicht zum Einsatz kamen, spielten wie angekündigt Kim und Upamecano. Der Südkoreaner und der Franzose erwischten beide einen rabenschwarzen Nachmittag. Warum Tuchel, die Uhren ausgerechnet vor dem so wichtigen Viertelfinal-Hinspiel gegen Arsenal am Dienstag nochmal zurückdrehen musste, dürfte sein Geheimnis bleiben. Schließlich hatte der Trainer erst vor kurzem selbst angekündigt, dass sich die Mannschaft für die entscheidenden Wochen einspielen müsse, um Vertrauen und Sicherheit zu gewinnen.
Die Umstellung in der Abwehr erwies sich als Eigentor. Upamecano leistete sich bei den Gegentoren folgenschwere Unachtsamkeiten und kassierte die Note 5. Kim machte ebenfalls eine unglückliche Figur, im Gedächtnis bleiben ein verlorenes Kopfball-Duell und viel zu viel Platz für Tim Kleindienst und Marvin Pieringer – der Südkoreaner bekam sogar eine 6.
FC Bayern vor Arsenal: Welche Abwehr-Stars setzt Tuchel diesmal auf die Bank?
Man darf gespannt sein, welchem Abwehr-Duo Tuchel nun gegen Arsenal um die Offensiv-Stars Havertz, Saka & Co. das Vertrauen schenkt. Fakt ist, von Eingespieltheit, geschweige denn Selbstvertrauen kann bei keinem der vier Kandidaten die Rede mehr sein. Experte Stefan Effenberg hat „totale Verunsicherung“ bei den Bayern-Stars festgestellt. (ck)