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Die Skisport-Nation Norwegen plant, den Weltcup-Kalender an die klimatischen Bedingungen anzupassen. Maria Höfl-Riesch sieht die Vorteile – warnt aber auch vor den Folgen.
München – Der Ski-Zirkus steht vor großen Herausforderungen für die Zukunft, um dem Klimawandel gerecht zu werden. Aus Norwegen kommt nun ein Vorschlag, der es in sich hat und einer totalen Ski-Revolution gleichkommen würde. Maria Höfl-Riesch begrüßt die Pläne, warnt aber auch vor den Folgen.
In den vergangenen Saisons mussten immer öfter Rennen aufgrund der klimatischen Bedingungen verlegt oder abgesagt werden. Das Wetter – sei es Schneemangel, Wind oder aufgeweichte Pisten – machte den Veranstaltern häufig einen Strich durch die Rechnung. So musste in den vergangenen beiden Jahren der Saisonauftakt verlegt werden, mittlerweile ist das Aus des Matterhorn-Rennens besiegelt.
Revolution im Ski-Welcup: Maria Höfl-Riesch hofft auf Verbesserung für Athleten
Um dem entgegenzuwirken und den Weltcup nachhaltig und zukunftssicher zu gestalten, hat der norwegische Skiverband „Skiforbundet“ gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ein Konzept entwickelt. Der Plan der Norweger namens „Change the Course“ (“Verändere den Kurs“) ist es, den Rennkalender umzukrempeln. So soll sichergestellt werden, dass weniger Rennen ausfallen und die Skifahrer weniger reisen müssen.
Maria Höfl-Riesch, einst selbst jahrelang Teil des Ski-Zirkus, sieht die Pläne der Norweger positiv. „Ja, es wäre sicher sinnvoll, den Kalender so zu gestalten, dass einige Reisen verkürzt oder sogar vermieden werden können. Dies würde nicht nur der Nachhaltigkeit dienen, sondern wäre auch im Sinne der Athleten, was Regenerationszeiten und Trainingsmöglichkeiten betrifft“, sagt die dreifache Olympiasiegerin auf Anfrage von Merkur.de.
Weltcup-Auftakt in den USA – nicht mehr in Sölden?
Der Plan sieht vor, dass der Weltcup-Auftakt nicht wie gewohnt in Sölden, sondern in den USA steigt. Da sich ein Großteil der Skifahrer ohnehin in Südamerika auf die neue Saison vorbereitet, könnten direkt im Anschluss die ersten Rennen stattfinden – so ließe sich die erneute, emissionsreiche Flugreise über den Atlantik zu einem späteren Zeitpunkt vermeiden.
Höfl-Riesch, die bereits in der Vergangenheit Änderungen im Weltcup forderte, sieht das ähnlich: „Auf jeden Fall sollten alle USA-Rennen zusammenhängend sein, damit man nicht zweimal die weite Flugreise mit Zeitumstellung, Materialtransport etc. auf sich nehmen muss. Entweder zu Beginn oder zum Ende der Saison.“ Die 39-Jährige schränkt jedoch ein: „Wann die besseren bzw. sichereren Schneebedingungen sind, wird immer Glückssache sein – sowohl in den USA als auch in Europa.“
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Top-Nation plant totale Ski-Revolution – Maria Höfl-Riesch warnt vor Worst-Case-Szenario
Die Saison soll den Norwegern zufolge in vier einzelne Blöcke geografisch aufgeteilt werden. Nach dem Weltcup-Start in den USA würde es dann nach Europa gehen, wo es ebenfalls mehrere Cluster nach Regionen geben würde. Dabei könnten an den verschiedenen Orten die Wetterbedingungen berücksichtigt werden. Im März zum Beispiel würden die Rennen in Skandinavien stattfinden, im hohen Norden herrschen für gewöhnlich auch am Saisonende optimale Bedingungen mit ausreichend Schnee.
„Vorteil wäre sicher eine Minimierung des Reiseaufwands. Wie schon erwähnt wäre es vor allem für die Athleten besser, da sie mehr Zeit zur Erholung hätten und auch, um zwischen den Rennen zu trainieren anstatt im Flieger oder im Auto zu sitzen“, erklärt Höfl-Riesch gegenüber Merkur.de. Die 27-malige Weltcup-Siegerin warnt aber auch vor einem Worst-Case-Szenario: „Nachteil wäre, dass im Falle von Schneemangel in einer bestimmten Region dann viele Rennen auf einmal gefährdet wären bzw. verlegt oder abgesagt werden müssten.“ Auf diese Gefahr hatten die Norweger zunächst keine Antwort.
Änderungen von Ski-Kalender hätte positiven Effekt aufs Klima
„Die Emissionen könnten so reduziert werden, da der Gesamtbedarf an Kunstschnee verringert wird. Die Veranstalter könnten Termine mit schlechten Bedingungen vermeiden und Wettkämpfe bei zuverlässigerer Schneelage durchführen“, heißt es im Konzept der Norweger.
Mithilfe der Änderungen könnten die Athleten mehrere Wochen in einem Gebiet bleiben und vom Flugzeug auf Auto, Bus oder Zug umsteigen, um zu den jeweiligen Rennen zu reisen. Ziel sei es im norwegischen Team bei den Frauen die Emissionen um 14 Prozent und bei den Männern sogar um 29 Prozent zu reduzieren. Das würde wohl auch Klimakämpfer Felix Neureuther freuen, der den frühen Saisonstart kritisierte. (ck)
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