Eintracht-Trainer Dino Toppmöller will den Kapitän im DFB-Pokalspiel gegen den Oberligisten FV Engers ins Tor stellen, aber das wird wohl nix.
Frankfurt – Dino Toppmöller grinste sich einen. Mit nur einem Satz hatte der Frankfurter Fußballtrainer die etwas ungläubig dreinblickenden Medienleute am Freitagmittag verblüfft. Fünf Wörter, kurz und knackig: „Kevin wird im Tor stehen.“ Dann schob der 44-Jährige erfreut nach: „Mit der Antwort habt Ihr wohl nicht gerechnet.“ Das ist korrekt.
Kaum jemand war davon ausgegangen, dass der wechselwillige Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp zur Saisonpremiere am Sonntag im Pokal in Koblenz gegen den Oberligisten FV Engers das Heiligste des hessischen Champions-League-Teilnehmers bewachen soll. Schließlich steht der 35-Jährige kurz vor einem Wechsel zum französischen Erstligaaufsteiger FC Paris; mit dem Klub ist der Ballfänger einig, die Frankfurter Vereinsführung ist über seinen Wunsch informiert.
Trapp steht weiter im Tor – Eintracht wartet auf Nachfolger
Aber: Die Eintracht hat noch keinen Nachfolger am Start, so lange darf der Kapitän den Klub nicht verlassen. Kronprinz Kaua Santos ist nach seinem Kreuzbandriss noch nicht so weit, wird auch im Kader für die Pokalpartie am Sonntag (13 Uhr/Sky) fehlen. Dennoch ist es einigermaßen überraschend, dass Toppmöller seinen Keeper kurz vor einem geplanten Transfer aufbieten will.
Findet der Fußballlehrer aber gar nicht. Er habe in der Trainingswoche zweimal ausführlich mit dem 35-Jährigen gesprochen, einen gut aufgelegten und fokussierten Torsteher erlebt. „Trappo ist da, er trainiert, deshalb stelle ich ihn auf.“ Die Frage, den langjährigen Stammkeeper nicht aufzubieten, „stellt sich für mich nicht“.
Die teuersten Neuzugänge in Eintracht Frankfurts Vereinsgeschichte
Doch Toppmöller ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass sich manchmal in wenigen Tagen oder auch nur Stunden alles verändern kann. „Ich kann nur sagen, was ich wahrnehme. Aber ich kann nicht sagen, wie es sich entwickelt.“ Klarer Fall von: Stand jetzt. Und bis zum Anpfiff in Koblenz läuft noch ein bisschen Wasser den Main hinab.
Durchbruch bei Zetterer von Werder
Und so kam es, wie es kommen musste: Am frühen Abend kam noch mal Bewegung in die Geschichte. Denn ob Routinier Trapp wirklich dabei sein wird in Koblenz, ist mehr als fraglich. Laut „Bild“ hat die Eintracht mit dem als Ersatz auserkorenen Michael Zetterer von Werder Bremen eine Einigung erzielt, der 30-Jährige soll für vier Jahre unterschreiben – obwohl er an der Weser erst kürzlich zur Nummer eins ernannt wurde. Doch die Aufgabe in Frankfurt reizt ihn, sportlich und finanziell. Klar ist dennoch, dass er als Ersatzmann eingeplant ist.
Knackpunkt war die Ablösesumme, Werder rief zunächst sechs Millionen auf, was die Eintracht nicht zahlen wollte. Bei 3,5 Millionen werden die Parteien nun offenbar zueinander finden. So könnte es zu gleich zwei Blitzabschieden kommen, einer in Bremen, der andere in Frankfurt. Trapp würde dann offenbar auch nicht mehr in Koblenz auflaufen, sondern seinen Medizincheck in Paris hinter sich bringen. Ironie der Geschichte: Am ersten Bundesligaspieltag am 23. August spielt die Eintracht gegen Werder.
So oder so: Kaua Santos soll in Frankfurt bestenfalls zu einem Welttorhüter aufgebaut werden – wenn denn das von einem hinteren Kreuzbandriss geschädigte Knie hält. Zurzeit absolviert der Brasilianer schon wieder weite Teile des Mannschaftstrainings, soll aber „langsam an die Gruppe herangeführt werden“, wie Toppmöller sagt. „Wir wollen nichts überstürzen.“ Der ursprüngliche Plan war ohnehin, ihn nach der ersten Bundesligapause im September in den Kasten zu beordern.
Ob nun Trapp oder Jens Grahl am Sonntag im Tor stehen wird oder nicht – an der Ausgangslage für das Erstrundenmatch ändert das nichts. Die Eintracht ist turmhoher Favorit. Und Trainer Toppmöller möchte zwar dem kleinen Gegner mit höchstem Respekt begegnen, aber ihn nicht ins Zentrum seiner Überlegungen heben, was bei dem Klassenunterschied auch nur allzu logisch ist. „Es geht darum, was wir auf den Platz bringen wollen“, zum Beispiel „maximale Intensität im Gegenpressing.“
Und er werde keine laxe Herangehensweise dulden. Denn: „Schon im ersten Pokalspiel geht es um den Titel.“ Was sein Team in dieser Saison generell erwarte, kann der Fußballlehrer zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Nur so viel: „Wir fühlen uns gut aufgestellt für das, was auf uns zukommt.“ Wozu das am Ende reichen wird, ist ungewiss. „Ich will nicht auf die Euphoriebremse treten, aber auch keine Ziele ausgeben. Wir haben letzte Saison nicht über die Champions League gesprochen. Das haben andere Vereine gemacht, und es dann nicht geschafft. Wir schon.“
Und weil der Chefcoach am Freitag gut drauf war, verteilte er ein paar Streicheleinheiten für einige seiner Jungs, etwa für Elye Wahi („ganz andere Connection in die Gruppe, andere Leichtigkeit auf dem Platz“), Can Uzun („gereifeter Eindruck, werden viel Freude haben, wenn er den Weg weitergeht“). Und sogar Niels Nkounkou, einst Verkaufskandidat, erhielt ein Sonderlob: „Er hat mich positiv überrascht.“ Die Belohnung: ein Platz in der Startelf am Sonntag.