VonChristoph Klauckeschließen
Schwere Stürze auf der Streif in Kitzbühel entfachen wieder die Debatte um Sicherheit im Skisport. Ski-Legenden fordern dringende Veränderungen.
Kitzbühel – Die legendäre Streif in Kitzbühel ist bekannt für ihre Herausforderungen und Gefahren. Beim Super-G kam es zu dramatischen Szenen, als mehrere Athleten schwer stürzten. Die Franzosen Alexis Pinturault und Florian Loriot mussten nach ihren Stürzen mit dem Helikopter ins Krankenhaus abtransportiert werden. Pinturault erlitt unter den Augen seiner Ehefrau mit dem Baby im Arm eine schwere Verletzung des inneren Schienbeinplateaus, während Loriot eine Gehirnerschütterung davontrug. Diese Vorfälle haben die ohnehin hitzige Debatte über die Sicherheit im alpinen Skisport neu entfacht.
Sturz-Drama auf der Streif: Ski-Legenden platzt der Kragen
Die Streif ist berüchtigt für ihre unbarmherzigen Bedingungen. Der Abschnitt an der Seidlalm, wo die Stürze passierten, war besonders tückisch. Der Schnee sei sehr unruhig gewesen, berichteten mehrere Fahrer. Die Bilder der Stürze waren schwer zu ertragen und führten zu einem Aufschrei unter den Ski-Legenden.
Hans Knauss und Franz Klammer äußerten sich kritisch zur aktuellen Situation. Knauss bezeichnete die Lage im ORF als „völlig verrückt, was dieses Jahr abgeht mit Verletzungen. Es ist nur noch ein Wahnsinn“ und forderte, dass „dringend etwas im Skisport verändert werden“ müsse. Der vierfache Kitzbühel-Sieger Klammer ging noch weiter und sagte, es sei Zeit, die „Reißleine zu ziehen“. Beide fordern dringend Maßnahmen, um die Sicherheit der Athleten zu gewährleisten. „Wir sind weit, weit drüber“, betonte Knauss.
Verletzter Ski-Superstar Kilde verurteilt hohes Risiko auf der Streif
Auch Aleksander Aamodt Kilde, der norwegische Spitzenfahrer, äußerte sich kritisch. „Der Schnee, der Körper, das Material und die Linie, die man fährt – alles wird aggressiver“, sagte Kilde, der nach einer schweren Verletzung um seine Karriere bangte, im Schweizer Fernsehen. Er forderte, die Aggressivität im Sport zu reduzieren, um die Athleten zu schützen.
Die Lage sei nicht mehr zu ertragen. So dürfe es nicht weitergehen, „sonst haben wir keine Athleten mehr“, warnte er eindringlich im Schweizer Blick. Derzeit erholt sich Kilde von seinem schweren Sturz vor einem Jahr in Wengen, als er sich die Schulter ausgekugelt und tiefe Schnittwunden am Bein zugezogen hatte. Auch ein ehemaliger Streif-Sieger meldete sich nach einem Sturz-Drama und Koma zu Wort. Ein kleiner Hoffnungsschimmer in Kitzbühel: Nach dem dramatischen Super-G kamen bei der Abfahrt fast alle Athleten durch, es gab keine ernsthaften Verletzungen.
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Sicherheitsdebatte im Skisport verschärft sich
Neben den emotionalen Appellen gibt es auch technische Diskussionen. Der Einsatz von Carbon-Stutzen steht in der Kritik. Diese ermöglichen es den Fahrern, extrem enge Linien zu fahren, erhöhen jedoch das Risiko bei Fehlern. „Aber mit so einem Setup bewegt man sich in Wirklichkeit jenseits von Gut und Böse“, erklärte Ex-Weltmeister Hannes Trinkl.
DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier fordert, dass Fehler wieder verzeihbar werden müssen. „Es ist nicht ein Teil allein, es sind mehrere Teile, die zusammenwirken, um das zu erreichen, was wir aktuell haben: einen extrem gefährlichen Sport.“ Dagegen fordert Felix Neureuther eine drastische Änderung im Skisport: „Es müssen Regeln her!“
Die Diskussion über die Sicherheit im Skisport wird weitergehen. Beim Weltcup-Finale in Sun Valley ist ein runder Tisch geplant, bei dem Athleten und der Skiweltverband zusammenkommen sollen, um mögliche Maßnahmen zu besprechen. Bis dahin bleibt die Sicherheit der Athleten ein zentrales Thema, das dringend angegangen werden muss. Auch der Ski-Boss ist von den Streif-Unfällen erschüttert: „Es kracht in allen Ecken.“ (ck)
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