VonIngo Durstewitzschließen
Auch im Winter steht Eintracht Frankfurt vor einem Umbruch. Wie der Klub plant und welche Rolle Arnaud Kalimuendo spielt.
Frankfurt – Es ging rund um die teilweise doch arg ernüchternde Vorstellung der Eintracht bei der 2:5-Abreibung gegen den SC Freiburg und der folgenden Verpflichtung von Zwei-Meter-Hoffnung Sasa Kalajdzic fast unter, dass der Frankfurter Trainer Dino Toppmöller trotz der ersten Pleite im ersten Spiel so en passant die Latte für das erste Halbjahr 2024 ganz schön hochgelegt hat. Toppmöllers Chef, Sportvorstand Markus Krösche, ließ sich dieses Mal nicht dazu hinreißen, eine bestimmte Vorgabe auszurufen, die im Fall von Eintracht Frankfurt ja inzwischen nicht mehr heißt: „Jo, Platz neun bis elf wäre ganz cool.“ Sondern sehr viel höher anzusiedeln ist.
| Arnaud Kalimuendo | |
| Geboren: | 20. Januar 2002 (Alter 21 Jahre), Suresnes, Frankreich |
| Verein: | Stade Rennes |
| Marktwert: | 20 Millionen Euro (transfermarkt.de) |
Toppmöller setzt hohe Ziele im neuen Jahr
Sportchef Krösche aber befand ob der Leistungsschwankungen des Teams erst kürzlich: „Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, eine konkrete Zielsetzung auszugeben.“ Denn: „Wir sind noch nicht stabil genug.“
Doch Coach Toppmöller, der durch solche defensiven Aussagen eigentlich generell weniger Druck hat und sich als sportlich Verantwortlicher dadurch ja quasi im geschützten Rahmen befindet, kassierte die gebotene Zurückhaltung elegant ein. „Wir haben ambitionierte Ziele, und wir wollen gleich in den ersten Wochen Punkte einfahren, um oben dranzubleiben. Das ist unser Anspruch.“ Heißt: Toppmöller versteckt sich nicht, gibt selbst die Marschrichtung vor. Gut. Und mutig.
Heißt aber auch: Die Mannschaft kann nicht so bleiben wie sie aktuell dasteht, denn in dieser personellen Konstellation ist sie ganz sicher nicht stärker als die, die die erste Halbserie kurz vor Weihnachten mit einem spektakulären 2:1-Erfolg über Borussia Mönchengladbach beendete und noch auf Platz sechs des Klassements sprang. Doch schon da war der Sieg in der Untiefe der Nachspielzeit glücklicher als verdient. Ohnehin waren nicht alle Auftritte der Hinrunde vergnügungssteuerpflichtig, von einzelnen Highlights mal abgesehen. Die erste Saisonhälfte ist sicher zufriedenstellend, aber war keine Offenbarung, die auch keiner erwartete nach den massiven Veränderungen im Sommer.
Afrika-Cup als Herausforderung für Toppmöller – Hoffnungen in Kalajdzic und van de Beek
Und jetzt ist das aktuelle Team für die kommenden drei bis fünf Bundesligaspiele auch noch drei ihrer besten Spieler beraubt. Ellyes Skhiri, Omar Marmoush und Fares Chaibi vertreten ihre Nationalmannschaften beim Afrika-Cup in der Elfenbeinküste (13. Januar bis 11. Februar). Es sind Akteure, die, wie der Coach treffend feststellte, „prägende Rollen“ einnahmen und nun erst einmal „wegbrechen“. Insofern ist Toppmöllers selbst formulierte Erwartungshaltung allemal bemerkenswert. Und fußt auf der Annahme, dass da noch etwas passiert in Sachen Transfers. Das wird es auch.
Natürlich ist der Cheftrainer in die Planungen eingebunden, ist informiert, wer kommen soll und könnte. Schon da ist Sasa Kalajdzic für den Angriff, dringend benötigt. Der Mittelstürmer wird ganz gewiss eine tragende Rolle einnehmen, zumindest ist das der Plan. Auch schon da: Donny van de Beek, Mittelfeldspieler, ausgeliehen von Manchester United. Könnte sein, dass er noch etwas Zeit braucht, um anzukommen. Das gilt auch für jene Akteure, die in den kommenden Tagen oder Wochen noch anheuern werden. Zeit ist aber ein hohes Gut, Zeit gibt es im Fußball nicht.
Und genau hier liegt die Schwierigkeit für Eintracht Frankfurt. Durch die abwesenden Leistungsträger, und selbst wenn nur temporär, steht das ohnehin noch nicht besonders gefestigte Team noch wackeliger da als zuvor. Dabei soll es doch stabiler werden. Wie soll das gehen?
Krösche hat den Transfermarkt für die SGE fest im Blick
Der Trainer steht erneut vor einer großen Herausforderung: Toppmöller muss quasi den Umbruch im Umbruch gestalten, einen kleinen jetzt im Winter, den großen im letzten Sommer. Und das am offenen Herzen. Eine Herkulesaufgabe. Und nicht wenig Last auf den Schultern eines Trainers, der seine erster Saison als Chefcoach eines Bundesligisten absolviert. Er muss jetzt eine Mannschaft bauen, die auf Anhieb funktionieren und den personellen Aderlass auffangen kann. Die Zeit drängt, schon am Samstag geht es in Leipzig weiter. Da hängen die Trauben hoch.
Und bis dahin wird wohl eher kein Spieler mehr kommen, der einen sofortigen und nachhaltigen Qualitätssprung garantiert. Die Eintracht kalkuliert das ein, weshalb Markus Krösche den internationalen Wettbewerb eben nicht als Ziel ausgerufen hat. Der Sportvorstand ist sogar schon einen Schritt weiter, er hat in seiner kurzfristigen Planung schon die langfristige Perspektive im Blick. Will sagen: Er erwägt, Transfers vorzuziehen, die ursprünglich für den Sommer beabsichtigt waren. Die Zugänge sollen Zeit bekommen, sich einzugliedern, alles kennenzulernen und sich an die Anforderungen der Bundesliga zu gewöhnen. Um dann in der neuen Saison mit gewissem Anlauf schon richtige Verstärkungen zu sein. Und wenn sie doch schneller funktionieren – bitte gerne.
Die beste Eintracht-Elf der Geschichte laut ChatGPT




Macht die Eintracht Kalimuendo zum Rekordtransfer? Auch bei Amenda geht es in die heiße Phase
So einer ist Arnaud Kalimuendo, der Stürmer von Stade Rennes, bald 22 Jahre alt, klassischer Mittelstürmer, aber nur 1,75 Meter groß. Die Eintracht ist bereit, tief in die Tasche zu greifen für den Franzosen, plant, ihn jetzt auszuleihen und ihn im Sommer per Kaufverpflichtung fest an sich zu binden. Ein Schnäppchen ist der Ex-PSG-Profi nicht. Das Gesamtpaket wird bei mehr als 20 Millionen Euro liegen. Damit wäre er klar der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte. In diese Richtung würde auch PSG-Angreifer Hugo Ekitiké gehen, der ebenfalls noch in der Verlosung ist. Der Kalimuendo-Deal ist aber schon recht weit ausverhandelt.
Am Sonntag hat der Franzose mit kongolesischen Wurzeln sein aktuelles Team aber erst mal im Pokal in die nächste Runde geschossen, seine zwei Treffer reichten zum 2:0-Erfolg beim Zweitligisten EA Guingamp. In der Ligue 1 hat er in 15 Partien (elfmal Startelf) drei Treffer erzielt. Das ist, nun ja, ausbaufähig. Kalimuendo ist ein Perspektivspieler, einer für die Zukunft.
Das gilt auch für Aurele Amenda von Young Boys Bern. Der Schweizer Verteidiger wird für rund zehn Millionen zur Eintracht wechseln. Die Frankfurter hätten auch ihn gerne sofort, doch ob das klappt, hängt davon ab, ob die Berner einen Ersatz verpflichten können. Und das muss es nicht gewesen sein, gut möglich, dass Chefeinkäufer Krösche noch weitere Neue an Land zieht, einer fürs Mittelfeld ist allemal noch drin. Umbruch im Winter – mal was ganz anderes.
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