Tragödie tief im Atlantik

„Das hätten wir sein können“: Fünf Personen verweigerten es, an Bord des Unglücks-U-Boots „Titan“ zu gehen

  • schließen

Alle fünf „Titan“-Passagiere verloren ihr Leben. Doch beinahe wären andere Personen an ihrer Stelle gewesen. Für ihre Absage nennen sie unterschiedliche Gründe.

München – Seit Donnerstag (22. Juni) ist es traurige Gewissheit: Alle fünf Passagiere des Mini-U-Boots „Titan“ kamen wohl durch eine Implosion ums Leben. Die Trümmerteile wurden nahe dem Wrack der Titanic gefunden, welches das Ziel der Tauchexpedition war. Mindestens fünf andere Personen spielten offenbar zuvor mit dem Gedanken, an Bord des Tauchboots zu gehen – entschieden sich aber aus verschiedenen Gründen noch um.

Tragödie um die „Titan“: Fünf weitere Personen sollten an Bord des Unglücks-U-Boots

OceanGate-CEO Stockton Rush, der britische Milliardär Hamish Harding, der Geschäftsmann Shahzada und sein Sohn Suleman Dawood sowie der französische Tiefseeforscher Paul-Henry Nargeolet starben bei der Tragödie tief im Atlantik. Besonders gegen Expeditionsführer Rush werden nach dem Unglück schwere Vorwürfe erhoben. Demnach soll er möglicherweise Sicherheitsbedenken abgetan und preisgünstiges Material für die „Titan“ eingekauft haben.

Wie die Daily Mail berichtet, hätten die Passagiere aber auch ganz andere sein können. Unter ihnen der Taucher und Freund von Hamish Harding, Chris Brown. Brown sei demnach zusammen mit Harding auf einer Insel von Virgin-Gründer Richard Branson gewesen, als er ihm nach „ein paar Bier“ zusagte, mit ihm zur Titanic zu reisen. Er soll bereits 80.000 Pfund dafür angezahlt haben, doch aufgrund von Sicherheitsbedenken, sprang er schlussendlich ab. In einem Video sagte er, dass das U-Boot „schäbig“ auf ihn wirkte. Nun sei er „zutiefst betrübt über die Tragödie auf der ‚Titan‘“.

Das Mini-U-Boot „Titan“ des Unternehmens OceanGate implodierte. Beinahe wären mindestens fünf andere Personen an Bord gewesen.

Experte äußert Kritik an „Titan“-Material: „In großen Tiefen noch nie erfolgreich eingesetzt“

Ein anderer Mann, der sich beinahe auf die Expedition am 18. Juni mit dem OceanGate-U-Boot eingelassen hätte, ist David Cocannon. Wegen eines beruflichen Meetings, habe er aber kurz vorher absagen müssen. „Wie ich letzte Woche gepostet habe, sollte ich an dieser Expedition und tatsächlich auch an diesem Tauchgang teilnehmen, aber ich musste absagen, um eine andere dringende Kundenangelegenheit zu erledigen“, sagte er in einer Erklärung, die vom „Titanic Book Club“ veröffentlicht wurde.

Aus einem anderen Grund entschied sich der Ex-Marinesoldat und Experte für Tiefseerettung, Robert Mester, gegen den Trip. Dieser habe zunächst von OceanGate angeboten bekommen, eine Reise auf dem „Titan“-Vorgänger „Antipodes“ anzutreten. Später sei das Angebot für das „Titan“-U-Boot gefolgt. „Ehrlich gesagt, habe ich etwas anderes gefunden, um die Zeit zu überbrücken, anstatt diese Reise zu machen“, sagte der US-Amerikaner laut Daily Mail. Jedoch habe ihn auch die Ausstattung des Mini-Tauchboots abgeschreckt. „Die ‚Titan‘ hat einen Rumpf aus Kohlefaser, ein Material, das – wie soll ich sagen – in großen Tiefen noch nie erfolgreich eingesetzt wurde“, so Mester. Er sei daher davon überzeugt gewesen, dass es für einen so tiefen Tauchgang zum Titanic-Wrack nicht geeignet sei.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Milliardär und Sohn sollten mit der „Titan“ zur Titanic reisen – sagten aber kurzfristig ab

Zuletzt wären da noch Milliardär Jay Bloom und sein Sohn Sean. Im Gegensatz zu den anderen drei „Beinahe-Passagieren“, wurde mit ihnen fest geplant, wie die Blooms in einem Interview mit CNN erzählen. Doch besonders Sean habe große Sicherheitsbedenken gehabt. Stockton Rush tat diese jedoch ab, wie auch aus einem veröffentlichten Chatverlauf mit Jay Bloom hervorgeht. Der OceanGate-Chef hätte noch versucht, Vater und Sohn von der Reise mit der „Titan“ zu überzeugen – sogar für einen günstigeren Preis. Statt 250.000 soll er demnach nur noch 150.000 Dollar pro Ticket verlangt haben.

Doch die Zweifel blieben. Aus Termingründen sagte der Milliardär letztlich noch ab. Die Plätze gingen schließlich an Shahzada Dawood und seinen 19-jährigen Sohn Suleman. Das Schicksal der beiden nehme Bloom besonders mit. „Alles, was ich sehen konnte, als ich den Vater und den Sohn sah, waren ich und mein Sohn, das hätten wir sein können“, sagte er im Gespräch mit CNN. (asc)

Rubriklistenbild: © OceanGate/Imago

Kommentare