CEO hat „einige Regeln gebrochen“: Altes Material aus Flugzeug in „Titan“-U-Boot verbaut
VonMichelle Mantey
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Neue Details über den Bau des Unglücks-U-Boots werden bekannt. Mussten die fünf Insassen der „Titan“ wegen eines Preisnachlasses auf altes Material sterben?
München – Die tagelange Ungewissheit hat sich nun bestätigt, alle Insassen der „Titan“ sind verstorben. Nachdem Einzelteile am Meeresboden in der Nähe des Schiffswracks der Titanic gefunden wurden, ist klar, dass das U-Boot implodiert ist. Nun gibt es immer mehr Kritik an dem Unternehmen OceanGate, das den Titanic-Tourismus ermöglichte. Nach einem Bericht des Magazins Insider habe der Chef des Unternehmens Stockton Rush erzählt, dass Teile des U-Boots aus alten Kohlefasern einer Boeing gefertigt wurden.
Das Recyclen und Wiederverwenden von bestimmten Materialien gilt grundsätzlich als nachhaltig, jedoch gab es bei dem Bau der „Titan“ ein Problem: Die Kohlefasern hatten ihre Haltbarkeitsdauer bereits überschritten. Aus diesem Grund waren sie für den Flugbetrieb der Boeing unbrauchbar geworden. Dennoch wurden sie für die Titan wiederverwendet und im Rumpf verbaut, das berichtet Arnie Weissmann, Chefredakteur der Travel Weekly. Weissmann wollte im Mai selbst mit der „Titan“ einen Tauchgang zur Titanic erleben. Doch aufgrund schlechter Wetterbedingungen musste die Fahrt abgesagt werden.
Bestand das U-Boot „Titan“ der Firma OceanGate aus alten Teilen?
„Titanic“-Regisseur James Cameron ahnte bereits kurz nach dem Verschwinden des Mini-U-Boots, dass etwas Schreckliches passiert war. Nun laufen die Aufklärungsarbeiten und es werden immer weitere Details bekannt. So soll der „Titan“-Chef jegliche Bedenken dementiert haben, um einen Sohn und seinen Vater von einer Fahrt mit der Titan zu überzeugen. Der Sohn sorgte sich um einen Angriff durch einen Pottwal, der das U-Boot beschädigen könnte.
Auch der Vater hatte Bedenken, nachdem er erfahren hatte, dass das Mini-U-Boot von Ocean Gate Gründer Stockton Rush genauso wie ein Flugzeug selbst gebaut wurde. Letztendlich konnten die Beiden ihren Tauchgang aus terminlichen Gründen nicht antreten. Sonst wäre er vielleicht anstelle des verstorbenen pakistanischen Geschäftsmannes und seinem Sohn an Board gewesen.
Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer
Nun enthüllt Weissmann laut Insider neue Details über die Instabilität des U-Boots. So habe Stockton Rush ihm erzählt, dass er „die Kohlefaser, aus der die „Titan“ hergestellt wurde, zu einem großen Preisnachlass von Boeing bekommen hatte, weil sie ihre Haltbarkeitsdauer für den Einsatz in Flugzeugen überschritten hatte.“
OceanGate-CEO wusste, dass er einige Regeln für den Bau des U-Boots Titan gebrochen hatte
Nach einem BBC-Bericht erklärte Tiefseeerkundungs-Experte Rob McCallum, dass Kohlefaser grundsätzlich ein unbrauchbares Material für den Bau eines U-Boots sei. Er soll Stockton Rush mehrfach gebeten haben, den Betrieb einzustellen. Doch der OceanGate-Chef ignorierte diese Bedenken. So sagte er 2021: „Kohlefaser in Bezug auf Festigkeit und Auftrieb dreimal besser ist als Titan“. Weiter sagt er, dass er einige Regeln gebrochen habe, um Innovationen zu verfolgen.
Warum die Titan nun implodiert ist, ist allerdings noch ungeklärt. Auch zu den Behauptungen von Weissmann gibt es bislang keine Beweise oder eine offizielle Stellungnahme von Ocean Gate. Es gibt nur einen Hinweis auf der Homepage des Unternehmens, dass die Titan in Zusammenarbeit mit Boeing entstanden sei. Doch Boeing dementierte gegenüber dem Insider eine Beteiligung am Design der Titan. (mima)
Transparenzhinweis:In der vorherigen Version hieß es, dass Weissmann, sowie der erwähnte Vater und Sohn den Tauchgang mit der „Titan“ nicht antreten wollten aufgrund Bedenken wegen der Bauart des U-Boots. Tatsächlich hatte der Sohn Sorgen, ein Pottwal könnte den Bau beschädigen. Die Fahrt musste aus terminlichen Gründen verschoben werden. Weissmanns Fahrt im Mai konnte aufgrund des Wetters nicht stattfinden.