Mögliche Mängel an Mini-U-Boot

CEO hat „einige Regeln gebrochen“: Altes Material aus Flugzeug in „Titan“-U-Boot verbaut

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Neue Details über den Bau des Unglücks-U-Boots werden bekannt. Mussten die fünf Insassen der „Titan“ wegen eines Preisnachlasses auf altes Material sterben? 

München – Die tagelange Ungewissheit hat sich nun bestätigt, alle Insassen der „Titan“ sind verstorben. Nachdem Einzelteile am Meeresboden in der Nähe des Schiffswracks der Titanic gefunden wurden, ist klar, dass das U-Boot implodiert ist. Nun gibt es immer mehr Kritik an dem Unternehmen OceanGate, das den Titanic-Tourismus ermöglichte. Nach einem Bericht des Magazins Insider habe der Chef des Unternehmens Stockton Rush erzählt, dass Teile des U-Boots aus alten Kohlefasern einer Boeing gefertigt wurden.

Das Recyclen und Wiederverwenden von bestimmten Materialien gilt grundsätzlich als nachhaltig, jedoch gab es bei dem Bau der „Titan“ ein Problem: Die Kohlefasern hatten ihre Haltbarkeitsdauer bereits überschritten. Aus diesem Grund waren sie für den Flugbetrieb der Boeing unbrauchbar geworden. Dennoch wurden sie für die Titan wiederverwendet und im Rumpf verbaut, das berichtet Arnie Weissmann, Chefredakteur der Travel Weekly. Weissmann wollte im Mai selbst mit der „Titan“ einen Tauchgang zur Titanic erleben. Doch aufgrund schlechter Wetterbedingungen musste die Fahrt abgesagt werden.

Stockton Rush, CEO und Mitbegründer von OceanGate, soll altes Material aus einem Flugzeug in seinem U-Boot „Titan“ verbaut haben.

Bestand das U-Boot „Titan“ der Firma OceanGate aus alten Teilen?

„Titanic“-Regisseur James Cameron ahnte bereits kurz nach dem Verschwinden des Mini-U-Boots, dass etwas Schreckliches passiert war. Nun laufen die Aufklärungsarbeiten und es werden immer weitere Details bekannt. So soll der „Titan“-Chef jegliche Bedenken dementiert haben, um einen Sohn und seinen Vater von einer Fahrt mit der Titan zu überzeugen. Der Sohn sorgte sich um einen Angriff durch einen Pottwal, der das U-Boot beschädigen könnte.

Auch der Vater hatte Bedenken, nachdem er erfahren hatte, dass das Mini-U-Boot von Ocean Gate Gründer Stockton Rush genauso wie ein Flugzeug selbst gebaut wurde. Letztendlich konnten die Beiden ihren Tauchgang aus terminlichen Gründen nicht antreten. Sonst wäre er vielleicht anstelle des verstorbenen pakistanischen Geschäftsmannes und seinem Sohn an Board gewesen.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Nun enthüllt Weissmann laut Insider neue Details über die Instabilität des U-Boots. So habe Stockton Rush ihm erzählt, dass er „die Kohlefaser, aus der die „Titan“ hergestellt wurde, zu einem großen Preisnachlass von Boeing bekommen hatte, weil sie ihre Haltbarkeitsdauer für den Einsatz in Flugzeugen überschritten hatte.“

OceanGate-CEO wusste, dass er einige Regeln für den Bau des U-Boots Titan gebrochen hatte

Nach einem BBC-Bericht erklärte Tiefseeerkundungs-Experte Rob McCallum, dass Kohlefaser grundsätzlich ein unbrauchbares Material für den Bau eines U-Boots sei. Er soll Stockton Rush mehrfach gebeten haben, den Betrieb einzustellen. Doch der OceanGate-Chef ignorierte diese Bedenken. So sagte er 2021: „Kohlefaser in Bezug auf Festigkeit und Auftrieb dreimal besser ist als Titan“. Weiter sagt er, dass er einige Regeln gebrochen habe, um Innovationen zu verfolgen.

Warum die Titan nun implodiert ist, ist allerdings noch ungeklärt. Auch zu den Behauptungen von Weissmann gibt es bislang keine Beweise oder eine offizielle Stellungnahme von Ocean Gate. Es gibt nur einen Hinweis auf der Homepage des Unternehmens, dass die Titan in Zusammenarbeit mit Boeing entstanden sei. Doch Boeing dementierte gegenüber dem Insider eine Beteiligung am Design der Titan. (mima)

Transparenzhinweis: In der vorherigen Version hieß es, dass Weissmann, sowie der erwähnte Vater und Sohn den Tauchgang mit der „Titan“ nicht antreten wollten aufgrund Bedenken wegen der Bauart des U-Boots. Tatsächlich hatte der Sohn Sorgen, ein Pottwal könnte den Bau beschädigen. Die Fahrt musste aus terminlichen Gründen verschoben werden. Weissmanns Fahrt im Mai konnte aufgrund des Wetters nicht stattfinden.

Rubriklistenbild: © Bill Sikes/Oceangate Expeditions/dpa/Montage

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