Expedition zum Titanic-Wrack

Drama um Titanic-Tauchboot: Nächste Aussage befeuert Vorwürfe gegen toten „Titan“-Chef

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    Yannick Hanke
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Die Reise der „Titan“ zum Wrack der Titanic endete in einem tragischen Unglück. Alle fünf Insassen sterben. Nun kommen immer mehr Details ans Licht. Der News-Ticker.

Update vom 23. Juni, 10.10 Uhr: Was die Sicherheit des Mini-Tauchboots angeht, kommen immer mehr Details ans Licht. Nun äußerte sich der Chefredakteur von Travel Weekly, Arnie Weissman, der wohl eine Reise mit der „Titan“ geplant hatte. Weissman veröffentlichte zuletzt einige Artikel, die über seine Erfahrungen mit dem Tiefseeunternehmen handelten. Darin schreibt er, dass er im Mai 2023 an Bord der „Titan“ gehen wollte, um die Titanic zu besichtigen. Die Reise sei aber durch das Wetter gestoppt worden.

Die Gerüchte, dass OceanGate-CEO Stockton Rush die Sicherheitsmaßnahmen laut neuesten Berichten nicht ordnungsgemäß beachtet haben soll, befeuert er: Rush habe ihm demnach erzählt, dass das Unternehmen für den Rumpf des Schiffes preisgünstiges Boeing-Carbon verwendet habe, die das Haltbarkeitsdatum für Flugzeuge schon überschritten hätte und deshalb nicht mehr eingesetzt werden durfte.

OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.

Eine schwere Anschuldigung, zu der sich OceanGate bislang nicht äußern wolle, wie Insider berichtet. Das Unternehmen Boeing wies die Behauptung indes zurück. Es seien „keine Aufzeichnungen über den Verkauf von Verbundwerkstoffen an OceanGate oder seinen CEO gefunden“ worden. Vor der Tragödie sprach Expeditionschef Stockton Rush offen über Risiken, die er bereit sei, für den Erfolg einzugehen.

Tragödie um Mini-U-Boot: „Titan“ implodiert „bevor die Menschen bemerken konnten, dass es ein Problem gab“

Erstmeldung vom 23. Juni, 8.53 Uhr: München – Ihre abenteuerliche Reise sollte in einem tödlichen Drama enden: Alle fünf Insassen vom Mini-U-Boot „Titan“, das sich auf den Weg zum Wrack der „Titan“ begeben hatte, sind tot. Das U-Boot sei implodiert, wie die US-amerikanische Küstenwache offiziell bestätigte.

„Die ‚Titan‘ ist unter dem gewaltigen Druck in 3800 Meter Tiefe kollabiert, bevor die Menschen darin überhaupt bemerken konnten, dass es ein Problem gab“, hieß es am Freitag, 23. Juni, von Militär-Ärzten. Doch noch bevor die Meldung über einen „katastrophalen“ Zwischenfall an Bord der Tauchkapsel die Runde machte, kam lautstark Kritik am Betreiber OceanGate, dem Entwickler des Mini-Tauchboots „Titan“ auf.

Diese von OceanGate Expeditions zur Verfügung gestellte undatierte Aufnahme zeigt das „Titan“-U-Boot.

Expedition zur Titanic endet im tödlichen Unglück: Alle fünf Insassen vom Mini-U-Boot „Titan“ sterben

Rund um das tödliche Drama der „Titan“, das fünf Menschen im Alter zwischen 19 und 77 Jahren das Leben kostete, tun sich immer mehr Stimmen, Vorwürfe, Einschätzungen und Informationen auf. Die wichtigsten Aspekte finden Sie hier kompakt zusammengefasst.

  • Wie Juristen in Washington bereits erklärten, werde OceanGate, die Firma von „Titan“-Entwickler Stockton Rush (einer der verstorbenen Insassen), auf lange Sicht gesehen mit „gewaltigen Schadensersatzforderungen konfrontiert“. Ein Umstand, an dem auch der Fakt, dass alle Teilnehmer der Expedition zur Titanic vorab Verzichtserklärungen unterzeichnen mussten, nichts ändern würde.
  • Hollywood-Regisseur James Cameron, zu dessen filmisches Werk unter anderem der 1997er-Blockbuster „Titanic“ zählt, ist bereits zu einem Kronzeugen der Kritik geworden. Zwischen der Tragödie um die „Titan“ und dem Sinken der Titanic anno 1912 würde es „unheimliche Parallelen“ geben, so Cameron gegenüber diversen US-Medien. „Wenn Sie ein Fahrzeug besteigen, sei es ein Flugzeug, ein Überwasserfahrzeug oder ein Tauchboot, sollten Sie darauf achten, dass es durch Zertifizierungsstellen geprüft wurde“, sagte der Regisseur.
  • Unklar ist noch, wie es mit der Bergung der Überreste sowie Leichen weitergehen soll. In der Tiefe würden „unerbittliche Bedingungen“ herrschen, so Konter-Admiral John Mauger, Chef der Küstenwache. Auch noch nicht geklärt ist, ob OceanGate das Geld für den am Sonntag, 18. Juni, gestarteten Rettungseinsatz übernehmen muss. Insider sprechen bereits von einer zweistelligen Millionen-Summe.

US-Marine hätte „Unregelmäßigkeit“ bereits am Sonntag festgestellt – könnte zur Implosion der „Titan“ passen

Derweil hat das Wall Street Journal berichtet, dass die US-Marine mittels eines hochgeheimen Überwachungssystems bereits am vergangenen Sonntag akustische Signale empfangen und eine „Unregelmäßigkeit“ festgestellt hätte. Diese könnte zu einer Implosion oder Explosion in der Zone passen, in der sich die „Titan“ seinerzeit im Nord-Atlantik befunden hätte, so ein Navy-Sprecher.

An besagtem Sonntag, 18. Juni, war nur knapp zwei Stunden nach Beginn des Tauchgangs der kleinen Kapsel der Kontakt zum Mutterschiff „Polar Prince“ abgebrochen. Die US-Küstenwache wurde erst acht Stunden später von OceanGate darüber informiert. Doch legt die US-Marine großen Wert darauf, dass die entsprechende Rettungsmission frühzeitig über die Erkenntnisse informiert worden sei.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Dort wurde dann die Entscheidung getroffen, die Annahme nur als vage zu bewerten. Auf diesen Weg wollte man auf die Einleitung einer großangelegten Rettungsaktion verzichten. Bis zuletzt bestand die Hoffnung, die fünf „Titan“-Insassen zu retten, eher der nur auf 96 Stunden begrenzte Sauerstoff-Vorrat an Bord ausgeht. Das Wettrennen mit der Zeit ging jedoch verloren und fand einen tödlichen Ausgang. (han)

Rubriklistenbild: © OceanGate Expeditions /dpa

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