Kurze Vorwarnzeit

Erneuter Vulkanausbruch auf Island – 700 Menschen aus Blauer Lagune evakuiert

Es war eine Frage der Zeit. Dann schossen erneut Lavafontänen aus der Erdspalte. Der Vulkan auf Island ist erneut ausgebrochen. Diesmal ist es jedoch anders.

Grindavík – Starke Beben kündigten den Vulkanausbruch auf Island an. Doch die Vorwarnzeit betrug diesmal nur 40 Minuten. Aus der Blauen Lagune mussten 700 Menschen sofort evakuiert werden. Die Touristenattraktion war trotz der Gefahr für Besucher geöffnet.

Neuer Vulkanausbruch auf Island ist laut Experten bislang der stärkste

Lava fließt mit einer Geschwindigkeit von einem Kilometer pro Stunde Richtung Süden und Südosten. Das teilt das isländische Wetteramt am Sonntagmorgen mit. Die Länge der aufgebrochenen Erdspalte ist den Experten zufolge rund 3,5 Kilometer lang. Nach ersten Auswertungen von Luftbildern handelt es sich bei der vierten Eruption nahe dem Küstenort Grindavík um die bislang stärkste.

Im Dezember 2023 rumorte es erst wochenlang auf der Reykjanes-Halbinsel. Dann am 18. Dezember 2023 trat der Notfall ein. Der Küstenort Grindavík mit tausenden Einwohnern musste geräumt werden, unter der Stadt befindet sich ein kilometerlanger Magma-Tunnel.

Gefahr für Menschen bestehe keine, heißt es. Rettungskräfte beschwerten sich jedoch über Touristen, die aus Sensationsgier in die Region aufgebrochen seien.

Glühende Lavafontänen schießen erneut in den Himmel. Auf Island ist der Vulkan erneut ausgebrochen – zum vierten Mal.

Island Vulkan zum vierten Mal ausgebrochen – Lava wälzt sich Richtung Meer

Der Himmel leuchtete rot-orangefarbenen und war in der nur 40 Kilometer nordöstlich gelegenen Hauptstadt Reykjavik auszusehen, wie Fotos auf der Website des Senders RUV am Samstagabend zeigten.

Vulkanausbruch nach Erdbeben auf Island – Bilder vom Naturspektakel

Der Himmel färbt sich orange: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen. Zahlreiche Menschen fotografierten das Naturspektakel.
Der Himmel färbt sich glühend hell: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen.  © Brynjar Gunnarsson/dpa
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember nach einer Erdbebenserie ausgebrochen.
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember ausgebrochen. © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.  © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans.
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans. © Marco Di Marco/dpa
Nach einer Erdbebenserie auf Island droht ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installieren deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten vor knapp zweieinhalb Wochen begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben, die am Freitagnachmittag nochmals an Stärke und Häufigkeit zunahmen.
Nach einer Erdbebenserie in Island drohte ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installierten deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten Ende Oktober begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben. © Raul Moreno/dpa
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island könnten noch heftiger werden und letztlich zu einem Ausbruch führen.
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island führten nun zu einem Ausbruch. © Raul Moreno/dpa
Neben der Blauen Lagune steigt Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Ein Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen.
Neben der Blauen Lagune stieg im November Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Der Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen. © Raul Moreno/dpa
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruchs ist auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt worden. Das Geothermalbad Blaue Lagune bleibt voraussichtlich bis zum 16. November geschlossen.
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines des bevorstehenden Vulkanausbruchs wurde auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt: Das Geothermalbad Blaue Lagune blieb geschlossen. © Blue Lagoon Iceland/dpa
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem möglichen Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber haben die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner in der Nacht zu Samstag (11. November) evakuiert.
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber hatten die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner bereits in der Nacht zu Samstag (11. November) einmal evakuiert. © Raul Moreno/dpa
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen.
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen. © Brynjar Gunnarsson/dpa
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen in gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten werden bereits wieder zugeschüttet.
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten wurden bereits wieder zugeschüttet. © imago
Bei den Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.
Bei den hunderten Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.  © Kjartan Torbjoernsson/AFP
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. Die Lage auf der von einem Vulkanausbruch bedrohten isländischen Halbinsel Reykjanes hatte sich in der Nacht zu Montag etwas beruhigt.
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. © Brynjar Gunnarsson/dpa

Wissenschaftler versuchten, sich von einem Hubschrauber aus ein Bild der Lage zu machen. Der Ausbruch hatte sich erneut mit starker seismischer Aktivität angekündigt. Experten zählten etwa 80 Erschütterungen.

Vulkanausbruch auf Island: Ein Rettungsfahrzeug steht auf einer Straße, die zu vulkanischen Aktivitäten zwischen Hagafell und Stóri-Skógfell in Island führt. Zum vierten Mal in vier Monaten ist auf Island ein Vulkan in derselben Region ausgebrochen.

Lava 200 Meter vor Schutzbarrieren

Das Szenario, dass die Lava das Meer erreiche, müsse in Betracht gezogen werden. Ein Teil der Lava fließe auch in Richtung der Schutzbarrieren für die bereits im November evakuierte Küstenstadt Grindavík und sei nur noch rund 200 Meter von ihnen entfernt. Die Vorwarnphase für den Ausbruch sei sehr kurz gewesen: Die erste Warnung an das Ministerium für Katastrophenschutz sei nur 40 Minuten vor Beginn der ersten Eruption eingegangen. 

Erneuter Vulkanausbruch auf Island: Lava könnte laut dem isländischen Wetteramt diesmal das Meer erreichen, wie eine Grafik zeigt.

Neuer Vulkanausbruch auf Island

Grindavík liegt auf der Reykjanes-Halbinsel rund 55 Kilometer südwestlich von Reykjavik. Auf der Halbinsel ist es seit Mitte Dezember zu vier Vulkanausbrüchen gekommen, bei einem im Januar hatte die Lava sogar drei Häuser am nördlichen Ausläufer des 4000-Einwohner-Ortes erfasst.

Die Zukunft der Gemeinde ist ungewiss. Die Regierung hat bereits einen Gesetzesentwurf vorgelegt, wonach Bewohner ihr Wohneigentum an ein staatliches Unternehmen verkaufen können sollen. Das erste Mal war der Vulkan am 18. Dezember ausgebrochen, zum zweiten Mal am 14. Januar. Eine dritte, kleinere Eruption wurde am 8. Februar registriert. (dpa/ml)

Rubriklistenbild: © Almannavarnir, Iceland Civil Defense/AP/dpa

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