Ernsthafte Bedenken

Für Sicherheit „Unternehmen dichtmachen“: Neue Aussage wirft völlig neuen Blick auf Titan-Erfinder Rush

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Wie wichtig war „Titan“-Entwickler Stockton Rush die Sicherheit seines Tauchbootes? E-Mails zeigen, dass Rush Sicherheitsbedenken sehr ernst nahm.

München – Das Tauchboot „Titan“ war am 18. Juni auf eine Erkundungstour zum Wrack der „Titanic“ aufgebrochen, als der Kontakt abbrach. Seitdem kommen immer wieder Enthüllungen rund um das Unternehmen OceanGate und seinen verstorbenen CEO Stockton Rush ans Licht. Dabei geht es vor allem um Sicherheitsbedenken der „Titan“, die Rush nicht ernst genommen haben soll. Veröffentlichte E-Mails zeigen jedoch, dass Rush die Sicherheit der „Titan“ wohl über sein Unternehmen stellte.

„Titan“-Erfinder Rush: Wegen Sicherheitsbedenken „sogar das Unternehmen schließen“

Durch die Implosion der „Titan“ sind fünf Menschen gestorben. Ein Experte kritisierte vor allem die mangelnde Zertifizierung der „Titan“. Dem Portal Insider liegen E-Mails von Rush und seinem Freund und Unterwasserfahrzeuge-Experte Karl Stanley vor, die zeigen, dass Rush 2019 auf Sicherheitsbedenken einging. Stanley schrieb Rush, dass er Bedenken gegenüber der „Titan“ hat, da er bei einem Tauchgang auf den Bahamas Rissgeräusche wahrnahm. „Ich denke, dass der Rumpf in der Nähe des Flansches einen Defekt hat, der nur noch schlimmer werden wird. Die einzige Frage, die sich mir stellt, ist, ob es zu einem katastrophalen Versagen kommt oder nicht“, zitiert Insider die E-Mail von Stanley.

Der verstorbene CEO des Unternehmens OceanGate, Stockton Rush.

Bedenken, die Rush offenbar sehr ernst nahm. „Ich habe nach unserem Tauchgang deutlich gemacht, dass ich keine nicht benötigte Besatzung, Kunden oder Medienvertreter in das U-Boot mitnehmen werde, bis ich sicher bin, dass der Rumpf sicher ist“, antwortete Rush auf die E-Mail. „Wie ich Ihnen bereits gesagt habe, habe ich die letztjährige Expedition abgesagt und werde auch die diesjährige absagen oder sogar das Unternehmen dichtmachen, bevor ich ein unsicheres U-Boot in Betrieb nehmen werde.“

Mitreisende berichten: OceanGate-CEO Rush nahm Sicherheit der „Titan“ wohl sehr ernst

Andere Menschen, die mit Rushs „Titan“ einen Tauchgang absolvierten, sind der Meinung, dass sich Rush seiner Sache sicher war. „Er glaubte wirklich an seinen Entwurf – genug, um ihm mehrmals sein eigenes Leben anzuvertrauen“, schrieb CBS-Reporter David Pogue in einem Artikel für das New York Magazine. Dieser unternahm im vergangenen Jahr einen Tauchgang mit der „Titan“.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Auch der Autor und Produzent der Sitcom „Die Simpsons“, Mike Reiss, tauchte mehrmals mit der „Titan“. Er berichtete Insider von einer Fahrt, als bei einem Tauchgang die Kommunikation abbrach und sie „sofort wieder an die Oberfläche zurückgekehrt“ sind. Reiss ist der Meinung, dass OceanGate die Sicherheit ernst genommen habe und an die „Titan“ geglaubt hätte. „Sie haben es so sicher gemacht, wie sie es machen konnten. Sie vertrauten ihr eigenes Leben an“, so Reiss, „aber sie wussten, dass es so enden könnte.“ Die Passagiere waren sich der Lebensgefahr auch mit dem Unterzeichnen der Verzichtserklärung bewusst. (vk)

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