Erstickungsgefahr

Bedrohliches Phänomen an Italiens Supervulkan: Gas-Alarm in der U-Bahn – Schule gesperrt

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Aus dem Krater des Supervulkans strömen gefährliche Gase in die bewohnte Nachbarschaft.
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Wegen des Supervulkans schlagen die Behörden in Italien Alarm. Aus dem Vulkan kriecht Kohlendioxid in die Häuser. Es kann zum Ersticken führen.

Update vom 4. März, 15.10 Uhr: Bei den Übeprüfungen von Schulgebäuden wurden in einer Schule in Pozzuoli, dem Istituto scolastico Virgilio di Pozzuoli, erhöhte CO₂-Werte in der Turnhalle und im Erdgeschoss des Komplexes festgestellt. Mittlerweile bestehen auch Befürchtungen, dass der Gasausstoß des Supervulkans auch eine Gefahr in den Tunneln der Neapolitaner U-Bahn darstellen könne. „Gasmelder und Kohlendioxidkontrollen auch in U-Bahn-Tunneln“ ist der Titel einer Stadtrats-Anfrage, die der Präsident der Verkehrs- und Infrastrukturkommission der Stadt Neapel, Nino Simeone, eingereicht hat.

Er bezieht sich insbesondere auf die U-Bahnlinien 1 und 6 von Neapel, die u. a. von der Innenstadt zum Stadion führen, das in der Roten Zone liegt. Aber auch für andere Bahnlinien könnte es interessant sein, beispielsweise für die von der Staatsbahn FS betriebene S-Bahn ähnliche Metrolinie 2, die auf weiten Strecke durch Tunnels von Neapel bis nach Pozzuoli führt.

Ursprungsmeldung vom 1. März: Neapel/Pozzuoli – Der Supervulkan der Phlegräischen Felder im Süden Italiens gilt als gefährlichster Vulkan der Welt. Auf ihm leben eine halbe Million Menschen und seit zwei Jahren bebt er heftig. Zuletzt sorgte ein vier Tage lange andauerndes Schwarmbeben für große Sorgen in der Region. Der Boden hebt sich immer mehr, ausgelöst durch einen Magmakörper in der Tiefe. Die Menschen trauten sich nicht mehr in ihren Häusern zu schlafen.

Für Aufregung sorgte die Bemerkung des italienischen Zivilschutzchefs, dass ein zu erwartendes Beben der Stärke 5 Tote fordern würde. Momentan scheint sich die Lage zumindest vorübergehend beruhigt zu haben. Dennoch ist ein starkes Beben oder sogar ein Ausbruch des Vulkans jederzeit möglich, warnen Wissenschaftler.

Bei der Vulkanüberwachung fallen hohe Kohlendioxidwerte in den Kellern auf

In diese Ungewissheit platzt jetzt auch noch eine weitere Hiobsbotschaft: Das Vesuv-Observatorium des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie INGV hat in Kellern zwischen den Städten Neapel und Pozzuoli Kohlendioxid-Emissionen festgestellt. Das gefährliche Gas wird vom Supervulkan vor allem in und rund um den dampfenden Solfatara-Krater ausgestoßen.

Der Fischerhafen von Pozzuoli verlandet wegen der vulkanischen Bodenhebung immer mehr.

Die Entdeckung wurde im Rahmen einer Dauerüberwachung durch das Vesuv-Observatorium des INGV gemacht. Der Verwaltungschef von Neapel, Michele Di Bari, berief am Mittwoch (26. Februar) eine Dringlichkeitssitzung des Rettungskoordinationszentrums des Zivilschutzes ein. Das Ergebnis: In den nächsten Tagen kommt es in öffentlichen Einrichtungen zu umfassenden Kontrollen durch die Feuerwehr, berichtet das Portal fanpage.it. Das Vorhandensein hoher Kohlendioxidkonzentrationen in geschlossenen und schlecht belüfteten Räumen könne sehr gefährlich für die Gesundheit sein. „Aus diesem Grund muss dieses Phänomen sorgfältig beobachtet werden“, heißt es.

Nach Krisentreffen soll die Feuerwehr die Co2-Werte in den Gebäuden messen

Der Schwerpunkt der Kontrollen durch die Feuerwehr soll auf Erdgeschossen, Kellern, Garagen und Turnhallen liegen. Mittwochabend fand auch ein Treffen zwischen den Bürgermeistern der Gemeinden der Phlegräischen Region und den Bürgerkomitees mit Feuerwehren, Vertretern des Katastrophenschutzes der Region und des Direktors des Vesuv-Observatoriums, Mauro Di Vito, statt.

Die am meisten von CO₂ gefährdeten Gebiete (rot) und mittlerer Emission (grün) in Pozzuoli und Neapel (kleines Bild). Im gelben Bereich ist es wegen Bodenversiegelung nicht messbar, im blauen Bereich entgast das Grundwasser.

Das Ergebnis: Als erstes sollen Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Altenheime kontrolliert werden, um das mögliche Vorhandensein von Kohlendioxid festzustellen. Die Bürgermeister werden zeitnah Verordnungen erlassen, die im konkreten Fall die Sicherheitsanforderungen in öffentlichen Gebäuden und Privatwohnungen im betroffenen Gebiet regeln. Außerdem soll eine Informationskampagne „Io non rischio“ (Ich gehe kein Risiko ein) gestartet werden.

Der Supervulkan stößt gigantische Mengen Kohlendioxid aus - es sammelt sich in Kellern und Senken

Die Kommunen sollen per Verordnung dafür sorgen, dass in den gefährdeten Bereichen potenziell gefährdete Gebäude zusätzlich zu den regelmäßigen Kontrollen mit speziellen Geräten zur Messung des Kohlendioxidgehalts ausgestattet werden. Die Wohnbebauung reicht bis zu 150 Meter an die Hautquelle des CO₂-Ausstoßes, der Solfatara und den heißen Quellen von Pisciarelli heran. Der Supervulkan stößt alleine an der Solfatara derzeit rund 4000 bis 5000 Tonnen Kohlendioxid täglich aus. Das sind Werte, die mit denen in der Wolke aktiver Vulkane mit anhaltender Entgasung vergleichbar sind. Er gilt derzeit sogar als die größte vulkanische CO₂-Quelle.

Die Notwendigkeit einer kontinuierlichen CO₂-Überwachung in Gebäuden wird durch einen Unfall aus dem Jahr 2018 unterstrichen, bei dem ein Arbeiter (49) bei Wartungsarbeiten an einem Aufzug in der Kunsthochschule Boccioni im westlichen neapolitanischen Stadtteil Fuorigrotta innerhalb der Phlegräischen Felder aufgrund der hohen CO₂-Konzentration erstickte. Analysen ergaben, dass „das aus dem Aufzugsschacht entnommene Gas ausschließlich natürlichen (vulkanisch-hydrothermalen) Ursprungs war“, hieß es damals. Die Schule liegt nahe dem Agnano-Kraters, der jetzt als besonders gefährdeter Bereich ausgewiesen wurde.

Geruchlos, einschläfernd, tödlich: Kohlendioxid tötete an Vulkan Hunderte Menschen

Wie gefährlich das Gas der Phlegräischen Felder ist, zeigte auch ein Unfall am 12. September 2017, bei dem ein elfjähriger Junge und seine Eltern im Solfatara-Krater ums Leben kamen. Bei dem Versuch, den elfjährigen Lorenzo zu retten, der in eine nicht abgesperrte Erdspalte gerutscht war, kamen beide Eltern ums Leben. Die drei Opfer erstickten an den giftigen Dämpfen. Seither ist der Krater für Besucher gesperrt. Bis dahin gehörte das Schwefelfeld zu einem der beliebten Ausflugsziele bei einem Urlaub in Italien. Die Hundegrotte, eine Lavahöhle im Agnano-Krater, darf wegen der Gefahr von Ansammlungen tödlichen Kohlendioxids nicht betreten werden.

Noch dramatischer war 1986 der Ausbruch einer Kohlendioxidwolke am Nyos-See in Kamerun, der die ahnungslosen Dorfbewohner am Ufer überraschte und 1700 Menschen tötete. Das durch Vulkanismus entstandene Gas hatte sich unter der Wasseroberfläche angesammelt und war plötzlich mit einer Flutwelle ausgebrochen. CO₂ wirkt ab etwa fünf Prozent Anteil in der Atemluft narkotisierend, oberhalb von acht bis zehn Prozent kann es innerhalb weniger Minuten erst zu Bewusstlosigkeit und dann zum Erstickungstod führen. Es sinkt zu Boden ab, verdrängt den Sauerstoff und ist geruchslos, darum ist das Gas so tückisch. Man kennt das Problem aus Weinkellern und Bergwerken.

Die Beben am Supervulkan hatten zuletzt fast wieder die Häufigkeit und Intensität des vorigen Jahres erreicht, als es einen Erdstoß der Stärke 4,4 gab. Forscher hatten in einer Studie auch eine Zunahme des Schwefelgasausstoßes in den Phlegräischen Feldern festgestellt. Vor der griechischen Insel Santorini wird ebenfalls ein Vulkanausbruch befürchtet. Auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa könnte dieses Szenario in absehbarer Zeit eintreten. Auf Sizilien sorgt am Ätna eine Eruption derzeit dagegen für fantastische Bilder. Etwas nördlich von Sizilien lässt eine weitere Bebenserie in einer vulkanischen Inselgruppe Wissenschaft und Einheimische aufhorchen.

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