Unglück in längster Baustelle der Welt bei Innsbruck

Explosion im Brennertunnel: Arbeiter nach Sprengung in Krankenhaus eingeliefert

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Während der Errichtung des Brennerbasistunnels kam es zu einer Detonation im Tunnel. Ein Arbeiter erlitt Verletzungen. Dies ist nicht der erste Vorfall auf der Baustelle.

Innsbruck - Der insgesamt 64 Kilometer lange Brennerbasistunnel dürfte die derzeit längste Baustelle Europas, wenn nicht der Welt sein. Sie soll den Weg für Züge von Innsbruck nach Verona zwischen Innsbruck und Franzensfeste (Südtirol) um 20 Kilometer und die Fahrzeit für Personenzüge von bislang gut 80 auf 25 Minuten verkürzen. Baubeginn war am 19. März 2015, die Eröffnung wird derzeit auf frühestens 2023 taxiert.

Rettungskräfte bergen den Verletzten aus der Tunnelröhre.

Sprengstoffreste explodieren und verletzen Bauarbeiter - Kollegen eilen ihm zu Hilfe

Auf dieser Baustelle hat es am Mittwoch (8. Januar) um 7 Uhr eine Explosion gegeben, bei der ein österreichischer Mineur (44) verletzt wurde. Nach einer erfolgten Sprengung beim Tunnelvortrieb kam es den Angaben des Bauherrn BBT SE zufolge beim Ausräumen des Schutts zu einer „Detonation von vermutlich Sprengstoffresten“, so Andreas Ambrosi, Sprecher der BBT SE gegenüber IPPEN.MEDIA. Weiter heißt es: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist bestätigt, dass eine Person nicht lebensbedrohlich verletzt wurde.“ Der Verletzte sei ansprechbar gewesen und zunächst von seinen Kollegen und dann vom Notarzt erstversorgt und in weiterer Folge durch die Einsatzorganisationen in die Klinik gebracht worden. Er sei nicht lebensbedrohlich verletzt, hieß es laut ORF am Vormittag aus der Klinik. Er befinde sich bereits auf der Normalstation. Der Einsatz dauerte etwa zwei Stunden.

Mineure beim Anbringen der Sprengladungen im Brennerbasistunnel.

Der Unfall passierte in der Sillschlucht etwa 600 Meter vom Nordportal am südlichen Stadtrand von Innsbruck entfernt. Während in anderen Bereichen riesige Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz kommen, wird die Röhre in diesem Bereich klassisch gesprengt, da hier das Gestein zu hart für die Riesen-Bohrer ist. Nach der Hauptsprengung wird das Material mit großen Maschinen abtransportiert, dies sei ein „heikler Bereich mit vielen Sicherheitsbestimmungen“, so die BBT gegenüber dem ORF. Während der Sprengung müsse ein Sicherheitsabstand von mehreren hundert Metern eingehalten werden. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, blieb laut BBT vorerst unklar und werde noch untersucht.

Baufirma spricht von „heiklem Bereich mit vielen Sicherheitsbestimmungen“

BBT-Sprecher Ambrosi erklärt gegenüber IPPEN.MEDIA weiter: „Um für Einsätze während der Bauphase des Brenner Basistunnels optimal gerüstet zu sein, arbeitet die Projektgesellschaft BBT SE mit den Feuerwehren und Rettungsorganisationen entlang des Projektgebietes in Nord- und Südtirol, eng zusammen.“ Das Unternehmen finanziere Spezialschulungen und -trainings und die Anschaffung von Sondergerätschaften für den Einsatz im weitverzweigten Tunnelkomplex des Tunnels. „Feuerwehr und Rettung sind daher laufend über den Projektfortschritt informiert und fahren zu Übungszwecken während der Vortriebsarbeiten in den Brenner Basistunnel.“

Eine vorbereitete Ladung Sprengstoff im Brennerbasistunnel.

Voriges Jahr hatte es zwei tödliche Unfälle in der Röhre gegeben: Im Mai kollidierte ein 41-jähriger Staplerfahrer mit einem LKW und wurde aus dem Führerhaus geschleudert. Zwei Monate zuvor wurde ein 57-jähriger Arbeiter aus Oberbayern von einem Zug erfasst und getötet. In Italien und Österreich sind Zulaufstrecken zum Brennerbasistunnel schon fertig bzw. in Bau. In Bayern hingegen kommt es immer wieder zu weiteren Verzögerungen beim Neubau wegen des Widerstands der Bevölkerung gegen die neue Bahnstrecke im Inntal. Zuletzt war bei Bauarbeiten im Tauerntunnel der österreichischen Bundesbahnen ÖBB bei Salzburg die Tunneldecke eingebrochen.

Schon Ende kommenden Jahres sollen auf der bestehenden Brennerstrecke die superschellen Frecciarossazüge neue schnelle Direktverbindungen von München nach Rom und Mailand herstellen. Die ÖBB setzen auf der Strecke von München nach Bologna, Rimini und Venedig neue Railjet-Züge ein, die nicht schneller, aber komfortabler als die alten Eurocity-Züge sind.

Rubriklistenbild: © BBT SE

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