„Jenseits aller Vorstellungen“: Höchste Wassertemperatur seit 400 Jahren am weltgrößten Korallenriff
VonVictoria Krumbeck
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Die Temperaturen am Great Barrier Reef erreichen ein 400-Jahres-Hoch. Die hohen Wassertemperaturen sind für die Korallenriffe besonders gefährlich.
Melbourne – Seit Jahren beobachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Great Barrier Reef mit Sorge. Denn durch den Klimawandel und der dadurch verursachten Erwärmung der Weltmeere bleichen immer mehr Korallen aus. Das Korallensterben vor der Küste Australiens hätte zudem dramatische Folgen für die Menschheit. Die Bedrohung des Great Barrier Reefs hört nicht auf. Forschende haben herausgefunden, dass die Wassertemperaturen auf einem Höchststand seit über 400 Jahren sind.
Great Barrier Reef: Höchste Wassertemperatur seit über 400 Jahren
Sind Korallen hohen Temperaturen ausgesetzt, stresst sie das. Das führt dazu, dass sie die bunten Algen ausstoßen, durch die sie ihre Farbe gewinnen. Sie brauchen die Algen zum Leben und gewinnen durch Fotosynthese Energie daraus. Bleichen die Korallen aus, können sie sich wieder erholen oder sterben ab. Die Ergebnisse der Klimaforschenden machen jedoch wenig Hoffnung darauf, dass das Korallensterben aufhören könnte.
Denn Anfang des Jahres herrschten am Great Barrier Reef in Australien so hohe Temperaturen wie seit 407 Jahren nicht mehr, berichtet die Fachzeitschrift Nature. Für das 2300 Kilometer lange Riffsystem sind diese Erkenntnisse besorgniserregend. Denn das Absterben bedroht die Ökosysteme. „Als ich den Datenpunkt für 2024 aufzeichnete, musste ich meine Berechnungen dreimal überprüfen – er war jenseits aller Vorstellungen“, sagte Ben Henley, Klimaforscher an der Universität Melbourne in Australien und Hauptautor der Studie in einer Pressemitteilung der University of Wollongong.
Korallenbleiche im Great Barrier Reef: „Extreme Ereignisse”
„Wir verfügen nun über eine Langzeitaufzeichnung, die zeigt, wie extrem diese jüngsten Ereignisse waren“, so Henley bei Nature. Die Forschenden ermittelten die vergangenen Meerestemperaturen am Great Barrier Reef, indem sie an 22 Stellen an Korallenskelettkernen bohrten und chemische Analysieren durchführten. Sie haben die Temperaturen der Meeresoberfläche von 1618 bis 1995 anhand von Korallenskeletten aus dem Riff rekonstruiert und diese mit den aufgezeichneten Temperaturdaten der Meeresoberfläche von 1900 bis 2024 abgeglichen.
Demnach sind die Wassertemperaturen vor dem Jahr 1900 relativ stabil gewesen. Von 1960 bis 2024 ist jedoch ein steter Anstieg zu verzeichnen: Im Zeitraum Januar bis März wurde eine durchschnittliche Erwärmung von 0,12 Grad pro Jahrzehnt gemessen. Insgesamt kam es seit 2016 zu fünf Massenbleichen, bei denen die Monate Januar bis März deutlich wärmer waren als in den rekonstruierten Jahren vor 1990.
Steigende Temperaturen am Great Barrier Reef – Korallen bleichen aus
Eine andere Analyse schöpft jedoch Hoffnung. Denn wie eine Veröffentlichung vom 7. August des Australian Institute of Marine Science (AIMS) in Townsville über den Zustand des Great Barrier Reef zeigt, haben sich viele Bereiche des Riffs seit 2026 erholt. „Korallenbleiche kann eine Zeit lang bestehen bleiben und trotzdem überleben. Die vollen Auswirkungen werden wir also erst kennen, wenn wir die Erholungsphase hinter uns haben“, so Neal Cantin, ein Korallenbiologe bei AIMS, der die Untersuchungen mitgeleitet hat, zu Nature.
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„Wenn die Erwärmung jedoch so schnell voranschreitet und die Korallenbleiche häufiger auftritt, wird sich der Erholungsprozess ziemlich schnell verschlechtern“, fügt er hinzu. Denn Korallenriffe benötigen zehn bis 20 Jahre, um sich von einer schweren Massenbleiche zu erholen. Treten diese Ereignisse jedoch bald häufiger auf, weil die Temperaturen weiter steigen werden, wird eine Regeneration kaum mehr möglich sein. „Ich halte es für wahrscheinlich, dass das Great Barrier Reef in 20 bis 30 Jahren ein ganz anderer Ort sein wird“, sagt Henley. (vk)