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Neue Erdbeben und Vulkanausbrüche erschüttern das Mittelmeer: Betroffen ist nicht nur Griechenland, sondern auch Italien. Ist eine Planetenkonstellation schuld?
Neapel/Santorin - Heftige geologische Ereignisse erschüttern derzeit das Mittelmeer: Die griechische Kykladeninsel Santorin wird seit Tagen von einer heftigen Erdbebenserie heimgesucht. Ob es sich dabei um plattentektonische Ereignisse oder um einen drohenden Vulkanausbruch handelt, ist noch unklar.
Italienischer Vulkan lässt flüssige Lava aus dem Krater fließen – ein anderer macht sich bereit
Gleichzeitig erschütterte am Mittwoch (5. Februar) eine heftige Serie von Erdstößen den Vulkan der Phlegräischen Felder bei Neapel in Italien. Auch in der Toskana bebte am Sonntagabend mehrfach die Erde.
Am Donnerstag kamen drei weitere Ereignisse in Italien hinzu: Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) beobachtete um 07:08 Uhr Ortszeit auf seinen Überwachungskameras, dass aus dem nördlichen Kraterbereich des Stromboli auf der gleichnamigen Insel nördlich von Sizilien ein Lavaausfluss entstand. „Zurzeit befindet sich die Front des Lavastroms im oberen Teil der Sciara del Fuoco“, heißt es in einer INGV-Mitteilung. Letzteres ist die „Feuerrutsche“, über die regelmäßig kleinere Lavabrocken ins Meer rollen.
Dass es einen Lavafluss am Stromboli gibt, ist eher selten. „Gleichzeitig hält die normale explosive Aktivität sowohl im Bereich des Nord- als auch des Zentral-Süd-Kraters an“, berichtet das INGV. Auch am Ätna, dem Vulkanriesen auf Sizilien, deuten ein Zittern und eine Aufheizung des Kraters darauf hin, dass sich eine neue Eruption ankündigt. Für die Bevölkerung besteht am Ätna und am Stromboli jedoch derzeit keine Gefahr.
Neue Erdbeben in der Toskana und im Mittelmeer vor Italien
Dafür wurde am Donnerstag (7. Februar) um 11:28 Uhr erneut ein Erdbeben in der Toskana gemeldet, dieses Mal nahe der Stadt Siena, es hatte die Magnitude 3. Wie verschiedene italienische Medien berichten, wurden mehrere Schulen in der Stadt und in Nachbarorten evakuiert. Um 14:42 Uhr bebte dann der Meeresgrund zwischen der Insel Stromboli und dem Festland bei Kalabrien, die Magnitude war dieses Mal 3,6.
In diesen Gewässern befinden sich zahlreiche Unterwasservulkane, so auch der gefährliche Marsili. Um 12:55 Uhr wurde auch ein kleinerer Erdstoß der Stärke 2,1 unter dem eigentlich als erloschenen Vulkan geltenden Roccamonfina zwischen Neapel und Rom registriert. Und um 8:22 Uhr hatte es einen weiteren Stoß mit Magnitude 2 inmitten der vulkanischen Liparischen Inseln nördlich von Sizilien gegeben, zu denen auch Stromboli gehört. Selbst in Sachsen gab es am Samstag ein Beben der Stärke 2,6.
YouTube-Kanal macht Planetenkonstellation für Erdbeben und Vulkanausbruch verantwortlich
Auch auf der Kanareninsel Teneriffa hat es in den vergangenen Wochen häufig gebebt, hier kündigt sich ebenfalls ein Vulkanausbruch an. Gleiches gilt für Island, wo nahe Reykjavik eine erhöhte Bebentätigkeit den nächsten Ausbruch vorzubereiten scheint und am Bardabunga eine Eruption droht. In Guatemala brach kürzlich der Vulkan Fuego aus, auf Hawaii sorgt der Kilauea für spektakuläre Bilder, und in Japan gab es Ende Januar am Sakurajima ein Eruptionsgewitter. Blogger wie der YouTube-Kanal Daily Events Worldwide berichten, dass zurzeit weltweit 79 Vulkane aktiv seien.
Laut der Geologin Elizabeth Cottrell vom Vulkanüberwachungsprogramm des renommierten Smithsonian Instituts in Washington brechen auf der Erdoberfläche in einem ganzen Jahr durchschnittlich etwa 70 Vulkane aus. In jedem Augenblick seien 20 bis 30 Eruptionen im Gange.
Bei Daily Events Worldwide wird nun ein Zusammenhang mit den Planetenkonstellationen vermutet. Seit dem 21. Januar haben sich sechs Planeten in einer Reihe aufgestellt: Mars, Venus, Jupiter, Uranus, Saturn und Neptun. Auch in sozialen Netzwerken und in einschlägigen Foren wie vulkane.net wird so ein Zusammenhang angesprochen. Hier wird der 28. Februar genannt, an dem sich der Merkur an die gleiche Himmelsstelle bewegt und dann eine „große Konstellation“ aller sieben Nachbarplaneten stattfindet. Man kann dann alle diese sieben Planeten annähend an der gleichen Stelle am Nachthimmel sehen. Zerrt die addierte Schwerkraft der Nachbarplaneten an der Erde und triggert Erdbeben und Vulkanausbrüche, die schon „reif“ waren?
Forscher vermutet, dass fremde Planeten Beben auf der Erde verursachen können
„Mond, Sonne und andere Planeten beeinflussen die Erde in Form von Störungen (kleinen Änderungen) des Gravitationsfelds“, heißt es auf der Homepage des Geologischen Dienstes des US-Innenministeriums. Der Forscher Salih Muhammad Awadh von der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bagdad stellte in einem Forschungsprojekt fest, „dass Gezeiten und Erdbeben durch die Positionen der Planeten im Sonnensystem verursacht werden, da die Anziehungskraft der Planeten als Auslösekraft wirkt und die Geschwindigkeit der Erdrotation verändert.“
Awadh hatte die Bewegungen der tektonischen arabischen Platte am Faltengürtel des Zagrosgebirges im Iran untersucht. „Während der Konfiguration von Jupiter und Saturn in einer geraden Linie mit der Erde im Juli 2019 ereigneten sich weltweit 137 Erdbeben mit einer Stärke von 2–6, die statistisch analysiert wurden“, berichtet er. „Planeten interagieren miteinander und beeinflussen Erdbeben über die Gravitationsspannungen, die aus der Konfiguration der Planeten des Sonnensystems entstehen und eine Verlangsamung der Rotations-/Umdrehungsgeschwindigkeit der Erde verursachen.“ Dies rege die Erdplatten zur Bewegung an und erzeuge durch die Aktivierung von Verwerfungen Erdbeben.
Viele Wissenschaftler halten Einfluss fremder Himmelskörper auf die Erde für gering
Andere Experten wie Bill Cravens von der Universität Michigan (USA) halten die Theorie, dass andere Planeten Beben oder Vulkanausbrüche auf der Erde verursachen, für Unsinn: „Erstens unterliegt die Schwerkraft dem umgekehrten Quadratgesetz. Doppelt so weit entfernt, ein Viertel der Anziehungskraft. Dreimal so weit entfernt, ein Neuntel der Anziehungskraft“, schreibt Cravens in einem Blog. Die Planeten seien also alle sehr weit weg.
Cravens weiter: „Im Sonnensystem ist die Masse der Sonne jedoch so groß (99 Prozent oder mehr der gesamten Masse des Systems), dass sie auf absoluter Ebene die Gravitation des gesamten Systems dominiert.“ Jedenfalls wird die große Planetenkonstellation am 28. Februar ein großes Ereignis für Hobbyastronomen werden.
Rubriklistenbild: © IMAGO/USGS


