Lastwagen müssen in die Mitte

Großprojekt an wichtiger Brücke: : Brenner wird zur Engstelle – vermehrte Lkw-Blockaden an der Grenze

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Nadelöhr auf dem Weg zum Brenner: Die Luegbrücke wird ab Januar 2025 einspurig.
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Die Luegbrücke auf der Brennerautobahn verwandelt sich 2025 in ein Nadelöhr. Ein halbes Jahr lang geht nur eine Spur darüber. Einen Vorgeschmack gibt es schon jetzt.

Innsbruck/Gries am Brenner – Schon seit Jahren ist sie ein Zankapfel zwischen der Politik vor Ort, in Innsbruck, Wien und auch in Österreichs Nachbarstaaten Deutschland und Italien: Die Luegbrücke an der Brennerautobahn. Im Dezember 1968 wurde die fast zwei Kilometer lange Hangbrücke fertiggestellt – und jetzt ist sie in die Jahre gekommen.

Der staatliche Autobahnbetreiber ASFINAG hält einen Neubau für unausweichlich. Die Gemeinde Gries am Brenner mit ihrem parteifreien Bürgermeister Karl Mühlsteiger will stattdessen, dass die Autobahn im Gemeindebereich in einem Tunnel verschwindet, der Staub und Lärm fernhalten und dem Wipptal, durch das die Brennerautobahn führt, ein wenig seiner einstigen Schönheit zurückgeben soll. In Wien wurde das abgelehnt, der Konflikt wird aber weiter mit harten Bandagen ausgetragen.

An der Tiroler Luegbrücke schwelt ein heftiger Streit um den Neubau am Brenner

Da die Brücke von Streusalz angegriffen ist, wird sie bereits mit zusätzlichen Stahlträgern abgestützt. Ab 1. Januar wird das Bauwerk dann an 170 Tagen im Jahr nur mehr einspurig befahrbar sein, erklärte die ASFINAG am Dienstag (1. Oktober) in einer Pressekonferenz in Innsbruck.

„Die Einspurigkeit ab 1. Jänner wird die regelmäßige Verkehrsführung auf der Luegbrücke sein. Das geht aus den Ergebnissen der Hauptprüfung der Brücke hervor – denn nur so können wir die Brücke weiterhin sicher am Leben erhalten“, erklärte ASFINAG-Geschäftsführer Stefan Siegele.

Der Schwerverkehr muss an Januar in die Mitte der Brücke, an verkehrsstarken Tagen dürfen Pkw rechts überholen.

Allerdings soll an verkehrsreichen Tagen wie in den Sommerferien ein zweispuriger Verkehr möglich sein. Dafür haben die ASFINAG-Experten eine Verkehrsführung entwickelt, nach der die schweren Lkw in der Mitte der Brücke fahren sollen, die sie dann direkt auf den Stützen fahren. Ein Modellversuch der Verkehrsführung im Sommer dieses Jahres sei erfolgreich gewesen, so Siegele.

Mega-Projekt am Brenner: Lastwagen müssen in die Mitte, automatische Waagen sortieren Falschfahrer aus

In Richtung Brenner (Süden) wird es laut AFINAG über 170 Tage mit Zweispurigkeit geben, in Richtung Innsbruck (Norden) über 160 Tage. Alle Fahrzeuge mit einem Gewicht über 3,5 Tonnen müssen nach links. Auf den rechten Fahrspuren sollen in die Fahrbahn eingebaute automatische Waagen dafür sorgen, dass alle Fahrzeuge während der Fahrt auf ihr Gewicht geprüft werden.

„Sollte ein Fahrzeug über 3,5 Tonnen fälschlicherweise auf der rechten Spur fahren, sorgt ein Ausleitungssystem dafür, dass dieses nicht die Brücke passiert“, heißt es in der Pressemitteilung. Gewichtssünder würden ausgeleitet, nochmals gewogen und dann auf die linke Fahrspur gelenkt. Eine generelle Zweispurigkeit sei aus Expertensicht nicht möglich. Sorgen bezüglich der Verkehrssicherheit müsse man sich nicht machen, betonte Siegele. „Jeder, der über die Brücke fährt, kommt sicher drüber.”

Die exakten Tage der neuen Fahrregelung sollen in den kommenden Wochen in Abstimmung mit Land Tirol und dem Verkehrsministerium in Wien festgelegt werden.

Fahrverbote für auswärtige Lastwagen werden in Tirol mehr als verdoppelt

Als Ausgleichsmaßnahme soll die Rollende Landstraße, mit der Lkw-Anhänger huckepack per Zug transportiert werde, verstärkt werden. Um die Anwohner-Gemeinden entlang der Brennerautobahn vor Stauflucht zu schützen, errichtet die ASFINAG sieben zusätzliche Schranken zur bedarfsgerechten Sperre von Auf- und Abfahrten. Die geplanten Abfahrtssperren für Auswärtige sollen streng kontrolliert werden. Für zwölf Millionen Euro baut die ASFINAG 17 neue Schilderbrücken und saniert die bestehenden.

Laut Siegele sind zwar keine zusätzlichen Blockabfertigungen an den Grenzen in Kufstein und am Brenner geben, allerdings sind 15 zusätzliche Lkw-Fahrverbotstage geplant. Dann dürfen nur österreichische Lastwagen einfahren, Quell- und Zielverkehr in der Region ist auch erlaubt, Landstraßen werden dann auch für fremde Lkw tabu. Dieses Jahr waren Brenner- und die Inntalautobahn an zwölf Tagen für auswärtige Lkw gesperrt – davon neun Samstage in der Ferienzeit, Karfreitag, Karsamstag sowie der 29. April. Ein überraschend verhängtes Fahrverbot am Tag der Deutschen Einheit sorgte 2023 für mächtig Ärger, als es am Brenner 110 Kilometer Lkw-Stau gab.

Unter der alten Luegbrücke wurden provisorische Stahlstützen eingebaut und neue Fundamente in den Fels gegossen.

Einen Vorgeschmack auf die Sperrungen gibt es übrigens schon ab Montag (7. Oktober), wenn die ASFINAG noch vor dem Wintereinbruch die Fahrbahn der Luegbrücke sanieren lässt. Aktuell geht die ASFINAG von einer Einspurigkeit von drei bis vier Wochen aus – je nach Witterung. Die Brücke soll dann ab dem Frühjahr nach und nach neu mit einem breiteren Querschnitt neu errichtet werden. Ab dem Frühjahr will die ASFINAG mit dem Neubau der Luegbrücke beginnen. Mit der Fertigstellung ist nicht vor 2030 zu rechnen. So lange wird es bei der temporären Einspurigkeit bleiben. Und die Anwohner wollen sich in ihrem Protest gegen den Neubau nicht geschlagen geben. Das Problem ist: Auch auf anderen Transitrouten in den Süden gibt es erhebliche Probleme.

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