Urlauber stundenlang im Stau

Brücken-Desaster am Brenner: Pannen-Lkws sorgen für Mega-Chaos – Noch 20 Jahre Baustelle

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Die Luegbrücke am Brenner ist seit 1. Januar nur noch einspurig befahrbar. Pannen-Lkw sorgen immer wieder für Chaos. Und am Wochenende ist die nächste Reisewelle unterwegs.

Gries am Brenner - Die Luegbrücke auf der Tiroler Seite der Brennerautobahn entpuppt sich immer mehr als Staufalle, was sie auf Jahre hin auch bleiben wird. Seit 1. Januar ist sie nur noch einspurig je Fahrtrichtung befahrbar. Schon am 2. Januar 2025 war bereits Stau angesagt. Er reichte von Nösslach in Tirol bis Gossensaß in Südtirol zurück, deutsche Urlauber, die nach Norden unterwegs waren, standen bis zu zwei Stunden im Stau, am 3. Januar gab es wieder acht Kilometer Rückstau. Am letzten Ferienwochenende hielten sich die Behinderungen am Sonntag und an Dreikönig (5. und 6. Januar) hingegen in Grenzen, während es am zweiten Januarwochenende wiederum zu Staus im Rückreiseverkehr kam.

Wegen Pannen-Lkws auf der Luegbrücke kam es in der vergangenen Woche zu heftigen Staus auf der Brennerautobahn.

Erst Rückreisewellen, dann Lkw-Pannen auf der Luegbrücke - Dauer-Chaos auf der Brennerroute

Am Montagmorgen (13. Januar) kam es noch dicker: Die Brennerautobahn in Richtung Südtirol musste für rund eine Stunde gesperrt werden. Ein Lkw war kurz nach 6 Uhr mit einem Motorschaden auf der Autobahnbrücke liegen geblieben - und die Fahrbahn in Richtung Süden blockiert. Rasch bildete sich ein langer Stau. Lkws wurden bei Nößlach kurz vor der Luegbrücke angehalten. Zur gleichen Zeit blieb auch auf der Europabrücke ein Lkw liegen. Zwar konnte der Verkehr dort über die beiden linken Fahrstreifen weiterfließen, doch der Rückstau war groß. Er reichte bis Schönberg zurück.

Nach dem Wochenend- und Nachtfahrverbot für Lkw waren wie üblich viele Schwerfahrzeuge durch Tirol unterwegs. Kurz nach 7 Uhr konnte der defekte Lkw abgeschleppt und die Luegbrücke wieder für den Verkehr freigegeben werden. Dennoch war Geduld gefragt, bis sich der Stau langsam auflöste. Am Donnerstag (16. Januar) fast das gleiche Spiel: In der Nacht war die Einfahrt auf die Autobahn bei Brixen/Vahrn in Südtirol wegen einer Baustelle gesperrt. Die Arbeiten wurden nicht planmäßig fertiggestellt, es bildete sich am Morgen wieder ein kilometerlanger Stau, dieses Mal an der Grenze. Bei Nößlach kurz vor der Luegbrücke wurde der Lkw-Verkehr wieder angehalten, damit es keine Stauungen auf der einspurigen Brücke gab.

Neue Rückreisewelle am Wochenende erwartet - Firmen mit Neubau der Brücke beauftragt

An diesem Wochenende (18. und 19. Januar) rechnet der Kanal Verkehrinfos.it wieder mit Behinderungen auf der Luegbrücke. „Am letzten Wochenende war überraschend starker Verkehr in Richtung Norden. Daher geben wir auch für diesen Samstag von starken bis sehr starken Verkehr aus“, heißt es auf der Seite. Weiter steht da: „Am Sonntag ist in Richtung Norden zwischen Sterzing und der Luegbrücke mit lebhaftem Verkehr zu rechnen. Am Vormittag kann es vor dem einspurigen Bereich etwas stocken.“

Seit Neujahr ein Nadelöhr: Die Luegbrücke wird neu gebaut.

Bei all den Chaosmeldungen gibt es auch gute Nachrichten: Ab dem 25. Januar soll der Verkehr an Samstagen auf der Luegbrücke zweispurig freigegeben werden - falls kein Schnee fällt. Gleichzeitig herrscht Lkw-Fahrverbot. Für die Zweispurigkeit hat die Asfiang eine originelle Verkehrslösung gefunden. Und die Bauarbeiten für den Neubau der Brücke wurden vergeben: Die Baukonzerne Strabag und Porr haben den Zuschlag für die „Sanierung“ der Luegbrücke auf der Tiroler Brennerautobahn (A13) erhalten, die de facto ein kompletter Neubau in Raten ist. Die Auftragssumme für das Projekt in „extremer Steillage“ und mit „knapper Bauzeit“ beträgt 217 Millionen Euro, hieß es am Donnerstag in Pressemitteilungen der beiden Unternehmen.

Tage weiterer Brücken am Brenner gezählt - Baustellen bis ins Jahr 2044

Kurz vor Weihnachten war eine letzte Beschwerde der Anrainergemeinde Gries am Brenner gegen das Bauprojekt als unbegründet abgewiesen worden, womit dem Bau rechtlich nichts mehr im Wege steht. Die Bauarbeiten sollen heuer im März beginnen und Ende 2030 abgeschlossen sein. Laut dem Autobahnbetreiber und Auftraggeber Asfinag ist die bestehende Brücke nach 55 Jahren „am Ende ihrer Nutzungsdauer“ angelangt. Die Gesamtkosten für den Neubau (inklusive Planungskosten, Risikoprüfung etc.) belaufen sich laut Asfinag auf rund 300 Millionen Euro. Schon Ende 2027 wolle man „mit der Fertigstellung der ersten neuen Brücke die Verkehrseinschränkungen beenden“, so Asfinag-Vorstand Hartwig Hufnagl in der Pressemitteilung. Allerdings müssen weitere Brücken der Brennerautobahn neu errichtet werden. So ist als Nächstes eine Brücke am Stadtrand von Innsbruck dran, auch die Tage der Europabrücke sind gezählt. Die Asfinag rechnet mit Baustellen bis ins Jahr 2044.

Auch die Tage der Europabrücke sind gezählt

Die Staus sorgen bei Südtirols Hoteliers für mächtigen Ärger. Und die Nerven der Autobahnnutzer sind bereits strapaziert: „Ich habe drei Stunden Zeitverlust gehabt mit dem LKW von Süden Richtung Norden, einfach absurd“, schreibt ein Trucker bei Facebook. „Und das geht jetzt so täglich weiter die nächsten 10 Jahre?“, fragt ein anderer. Eine Frau schreibt: „Normalerweise fahre ich Freitag in der Früh los an den Gardasee und sonntagabends wieder zurück. Aber das macht jetzt überhaupt keinen Sinn mehr! Ich hab echt keinen Bock, meine Wochenenden im Stau zu verbringen!“ Ein Südtiroler User antwortet: „Wie wäre es, wenn man im eigenen Land mal Urlaub machen würde?“ Ein anderer schlägt vor: „Es gibt auch den Railjet.“ Damit meint er den Zug, der von München nach Italien fährt - allerdings nicht an den Gardasee.

Zur Entlastung der Brennerautobahn soll auch der Brennerbasistunnel für Züge beitragen. Auf der dortigen Baustelle kam es gerade erst zu einer heftigen Explosion. An fast allen Ausweichrouten nach Italien gibt es derzeit ebenfalls Probleme. Die Tauernautobahn ist wegen einer Tunnelsanierung noch bis Ende Juni ebenfalls meist nur halbseitig befahrbar. Und auch der Tauerntunnel der Österreichischen Bundesbahnen, der auch die Tauernschleuse für Autos bedient, ist monatelang gesperrt, hier stürzte bei Bauarbeiten kürzlich ein Stück Decke ein.

Rubriklistenbild: © Andi Koller/Facebook

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