Tage der Europabrücke sind gezählt

Brennerautobahn: Bald noch eine zweite Brückenbaustelle – und der Marathon geht weiter

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Die halbseitige Sperre der Luegbrücke sorgt für Stau am Brenner. Doch es kommen noch weitere Brückenbaustellen hinzu – unter anderem bei Innsbruck.

Innsbruck – Die Brennerautobahn ist für Hunderttausende Urlauber jedes Jahr der Weg zum Sehnsuchtsziel Italien. Doch die in den 60er Jahren errichtete wichtigste Transitstrecke der Alpen ist in die Jahre gekommen. Viele Brücken müssen nach und nach erneuert werden, was Streit und Staus verursacht.

Die Luegbrücke ist derzeit das Nadelöhr der Brennerautobahn - kommt jetzt noch eines hinzu?

Auf der Brennerautobahn gibt es seit 1. Januar ein Nadelöhr, das im Weihnachtsreiseverkehr zu Staus führte, die bis zu zwei Stunden zusätzlicher Fahrzeit verursachten. Die Luegbrücke kurz vor dem Brennerpass ist in die Jahre gekommen und wird darum nur noch einspurig befahrbar sein, bis die erste neue Brückenhälfte bis voraussichtlich 2027 neu gebaut ist. Zu starken Verkehrszeiten soll es zwei Spuren in die jeweilige Hauptverkehrsrichtung geben. Dazu wurde ein Fahrkalender von der Asfinag erstellt.

Auf der Brennerautobahn steht 2025 eine Generalerneuerung der Luegbrücke an. Befürchtet wird eine zunehmende Verkehrsbelastung.

Gleich am Anfang der A13 bei Innsbruck gibt es aber bald noch eine Brückenbaustelle: „Auch die Sillbrücke wird neu errichtet“, erklärt ein Sprecher des Autobahnbetreibers Asfinag gegenüber IPPEN.MEDIA. In mehreren Bauphasen soll der Neubau der aus den 60er Jahren stammenden Brücke über das Flüsschen Sill stattfinden. „Ab Mai erfolgen die Abbrucharbeiten, zuerst ist die Brücke in Fahrtrichtung Innsbruck an der Reihe – dann wird der Verkehr auf der Brücke in Fahrtrichtung Brenner mit jeweils zwei Spuren pro Richtung geführt“, so der Asfinag-Sprecher weiter.

Brücke der Brennerautobahn am Stadtrand von Innsbruck ist ebenfalls marode geworden

In den vergangenen Jahren habe man die Teile der alten Brücke statisch verstärkt, sodass sie dem zusätzlichen Verkehr gewachsen sei. Die Fertigstellung der neuen Sillbrücke ist für Herbst 2028 geplant. Mehr Staus soll es während der Bauarbeiten nicht geben. Der Asfinag-Sprecher erklärt: „Eine zusätzliche oder weitere Geschwindigkeitsbeschränkung ist nicht notwendig, weil dort bereits seit den genannten Vorbereitungsmaßnahmen eine verringerte Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen gilt.“

Auch die Europabrücke kommt allmählich ans Ende ihrer Lebensdauer

Die Sillbrücke wurde 1963 in Betrieb genommen. Die zunehmende Verkehrsbelastung und die Salzstreuung im Winter haben der Substanz der Brücke der Asfinag zufolge stark zugesetzt. Teile der Bewehrung sind korrodiert und Brückenelemente wie Lager oder Fahrbahnübergänge können nicht mehr repariert werden.

Die Bauarbeiten in der Sillschlucht stellen aufgrund des steilen Geländes in der Sillschlucht, die sie überbrückt, eine große Herausforderung dar. Die neue Brücke wird an gleicher Stelle errichtet. Sie wird laut rainews.it jedoch breiter, um die Auf- und Abfahrtsspuren für Innsbruck-Süd zu verbessern. Außerdem wird eine 4,5 Meter hohe Lärmschutzwand errichtet, um den Verkehrslärm für die Anrainer zu reduzieren.

Auch Österreichs höchste Brücke muss erneuert werden – Dauerbaustellen bis 2044

Doch das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange: Die Asfinag kündigte bereits 2023 an, dass weitere Brückenneubauten entlang der Brennerautobahn folgen werden. So müsse die 674 Meter lange und bis zu 80 Meter hohe Gschnitztalbrücke bei Steinach am Brenner zwischen 2029 und 2032 erneuert werden. Zwischen 2029 und 2031 wäre das Teilstück zwischen der Mautstelle Schönberg und der Brücke Gschleiers fällig. Zum Schuss kommt ein mächtiges Finale: Auch die 190 Meter hohe Europabrücke mit dem, höchsten Brückenpfeiler der Welt (146,5 Meter) kommt allmählich ans Ende ihrer Lebensdauer. Hier soll ein Neubau von 2040 bis 2044 erfolgen. Das heißt somit noch mindestens neun Jahre Behinderungen auf der Brennerautobahn.

Das erste Stauwochenende auf der Luegbrücke sorgte an Dreikönig auf italienischer Seite für enorme Verärgerung bei den Hoteliers. Zur Entlastung der Brennerautobahn soll auch der Brennerbasistunnel für die Bahn beitragen. Auf der dortigen Baustelle kam es gerade erst zu einer heftigen Explosion. An fast allen Ausweichrouten nach Italien gibt es derzeit ebenfalls Probleme. Etwa der Reschenpass, der wegen Bauarbeiten nur beschränkt befahrbar ist. Wegen eines enormen Felssturzes ist der Plöckenpass noch auf Monate hin gesperrt. Die Tauernautobahn ist wegen einer Tunnelsanierung noch bis Ende Juni meist nur halbseitig befahrbar. Und auch der Tauerntunnel der Österreichischen Bundesbahnen, der auch die Tauernschleuse für Autos bedient, ist monatelang gesperrt, hier stürzte bei Bauarbeiten kürzlich ein Stück Decke ein.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder

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