Verschollenes U-Boot

„Rezept für eine Katastrophe“: US-Physiker rechnete im Titanic-Tauchboot bereits mit seinem Tod

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Dr. Michael Guillen erlebte bereits am eigenen Leib die Tücken einer U-Boot-Reise zum Wrack der Titanic. Für dieses Abenteuer hätte er fast mit seinem Leben bezahlt.

München – Das Verschwinden eines U-Bootes auf dem Weg zum Wrack der Titanic ist derzeit in aller Munde. Bereits am Sonntag (18. Juni) verlor sich die Spur der „Titan“. Vom Boot und den fünf Insassen, unter denen unter anderem ein Milliardär, sowie der Mann und der Sohn einer gebürtigen Rosenheimerin sind, fehlt bis jetzt jede Spur. Für das Verschwinden des U-Boots sind mehrere Ursachen denkbar. Doch die Zeit rennt, denn der Sauerstoff kann fünf Menschen nur 96 Stunden am Leben halten.

Verschwinden des Titan U-Boots: „Ein Rezept für eine Katastrophe“

Dass solche U-Boot Reisen nicht harmlos sind, weiß auch der Physiker Michael Guillen. Er erlebte bereits selbst schwere Turbulenzen bei einer Reise zum Wrack der Titanic, jedoch bereits vor mehr als 20 Jahren. Das kommerzielle Angebot der Titanic-Fahrten kritisiert er scharf:

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

„Alles öffnet sich für Touristen, und ich fürchte, wenn Geld im Spiel ist und man mit den Nervenkitzel suchenden Menschen, die bereit sind, das Geld zu investieren, Profit machen kann, ist das ein Rezept für eine Katastrophe“, so Guillen gegenüber sky news. „Das ist kein Fahrgeschäft in Disneyland“, stellt er klar.

Turbulenzen bei Reise zu Titanic Wrack: Physiker Michael Guillen machte schlimme Erfahrung

„Da war eine Stimme in meinem Kopf. Ich werde die Worte nie vergessen: ‚So wird es für dich enden‘. Ich dachte an meine Frau, die ich nie wieder sehen würde“, erzählt der Physiker über seine eigene Erfahrung am Wrack der Titanic. Das U-Boot, mit dem Guillen damals unterwegs war, wurde von einer Unterwasserströmung in einem Propeller am Heck der Titanic geschleudert. Dort wurde es eingeklemmt.

Die Reise zum Wrack der Titanic kann sehr gefährlich sein. Seit Sonntag ist ein U-Boot auf dem Weg dorthin verschwunden.

Riesige Teile der Titanic sind auf sie herabgefallen, später stießen sie an eine Mauer. Durch das Handeln des Piloten konnte der Physiker und die restliche Crew gerettet werden. Ihm war es möglich, das U-Boot aus dem Propeller herausmanövrieren.

Fünf Menschen auf Titanic-U-Boot „Titan“: „Mir wird ganz übel, wenn ich daran denke, dass sie da unten sind“

Der aktuelle Vorfall lässt Guillen sehr traurig stimmen. „Mein Herz schlägt für die Menschen, die verschwunden sind. Mir wird ganz übel, wenn ich daran denke, dass sie da unten sind“, erzählt er im Interview mit sky news.

Einen Kommunikationsausfall hält der Physiker für unwahrscheinlich. Denn, so sagt er gegenüber sky news, hätte es sich um einen solchen gehandelt, wäre der Pilot schnellstmöglich an die Oberfläche zurückgeschwommen. Für die Betroffenen wünscht er sich das beste: „Ich hoffe, dass die Geschichte nicht so enden wird“, erklärt er. Die Küstenwache zeichnet jedoch ein bedrückendes Szenario der aktuellen Situation.

Rubriklistenbild: © Oceangate Expeditions/dpa

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