VonYannick Hankeschließen
Deutschland sieht sich mit einer Vielzahl an Atemwegsinfekten konfrontiert. Wie aber gelingt zu Weihnachten 2022 der beste Schutz vor RSV, Influenza und Corona?
Berlin – Weihnachten steht fast vor der Tür. Schnell noch die letzten Geschenke besorgen, den Rest fürs festliche Essen einkaufen –und an den eigenen Schutz vor RSV (RS-Virus), Influenza und Corona denken. Denn Ende Dezember 2022 sehen sich viele Menschen in Deutschland mit Atemwegsinfekten konfrontiert. kreiszeitung.de verrät, welche Maßnahme am besten helfen, um gesunde und möglichst keimfreie Weihnachten mit den Liebsten verbringen zu können.
Schutz vor RSV, Influenza und Corona: Was kann vor Weihnachten 2022 getan werden?
„Angeführt wird die Reihe der Atemwegsviren durch Influenza, dann kommen Rhinoviren und RSV – das vor allem bei kleineren Kindern. Und dann kommt Corona“, heißt es von Mathias Pletz gegenüber n-tv. Der Pneumologe (Lungenfacharzt) und Infektiologe vom Universitätsklinikum Jena spricht über die verschiedenen Erreger, die der Wochenbericht vom Robert Koch-Institut (RKI) im Kontext der zahlreichen Atemwegsinfekte aufführt. Und gerade zur Weihnachtszeit, wo ganze Familien zusammenkommen, sei es gut möglich, dass Infekte übertragen werden.
Das stellt vor allem für die Menschen ein großes Risiko dar, die aufgrund von Vorerkrankungen ein geschwächtes Immunsystem haben. Sie müssen deshalb schwere Krankheitsverläufe bis hin zu Long Covid (im Falle von Corona) befürchten. „Für viele scheint etwa das Coronavirus jetzt nicht mehr gefährlich. Aber man muss auf die Einzelsituation schauen“, merkt Julian Schulze zur Wiesch, leitender Oberarzt der Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, an. Die große Frage: Wie kann Weihnachten 2022 vor dem Hintergrund von RSV, Influenza (Grippe) und dem Coronavirus möglichst sicher gestaltet werden?
Masken in der Bahn tragen, im Homeoffice arbeiten, „Mini-Quarantäne“ – alles gegen RSV, Influenza und Corona vor Weihnachten
Bereits in den Tagen vorm diesjährigen Weihnachtsfest kann einiges hinsichtlich des Schutzes getan werden. Schulze zur Wiesch spricht von einer „Mini-Quarantäne“, die sich auf wenige Tage erstrecken würde und letztlich ein „Reduzieren der Kontakte“ bedeutet. Für die letzten Arbeitstage vor Weihnachten aufs Homeoffice zurückgreifen oder auf den obligatorischen Kneipenbesuch in der Heimat verzichten, das könne durchaus „sinnvoll“ sein. Ein weiterer Ratschlag vom Mediziner:
Wenn man mit vulnerablen Familienmitgliedern feiern möchte, ist es natürlich sinnvoll, zum Beispiel während der Anreise in der Bahn weiterhin Maske zu tragen. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist eine einfache und wirksame Maßnahme.
Das müsse man aber auch konsequent durchziehen, „selbst wenn andere schief gucken“. Damit spielt Schulze zur Wiesch darauf an, dass es in einigen Bundesländern bereits keine Maskenpflicht mehr in den Regionalbahnen gibt. Und das bei erwartbar vollen Zügen rund um Weihnachten 2022. Der Mediziner empfiehlt, das Thema Infektionsschutz vor dem Weihnachtsfest innerhalb der Familie anzusprechen. Dabei sollte es um grundsätzliche Fragen gehen. Sollte vorher ein Corona-Schnelltest gemacht werden? Oder: Ist das Singen im kleinen Wohnzimmer okay, auch wenn dadurch mehr Aerosole entstehen?
Impfungen als bester Schutz vor Infektionen rund um Weihnachten – zumindest gegen Corona und Influenza möglich
Zu Weihnachten sollte sich laut Mathias Pletz auch an folgende Regel gehalten werden: „Wenn ich mich krank fühle, bleibe ich zu Hause“. Auch, wenn das natürlich schwerfallen würde. Kommt es doch zum besinnlichen, streitfreien Zusammentreffen der Familie an Weihnachten, womöglich in großer Runde, empfiehlt Pletz „regelmäßiges Lüften“. Denn: „Viele fühlen sich gar nicht krank, obwohl sie trotzdem Viren ausscheiden“. Laut zusammengegencorona.de würde es im Winter schon ausreichen, nur weniger Minute zu lüften. Das Fenster sollte dabei nicht nur gekippt, sonder auf stoß- oder querlüften gesetzt werden.
Grundsätzliche Tipps zum Schutz vor RSV, Influenza und Corona vor Weihnachten
Bei Husten oder Niesen ist es weiterhin sinnvoll, dies in die Armbeuge zu tun. Unverändert empfiehlt sich auch regelmäßiges und gründliches Händewaschen. Dadurch wird die Keimbelastung der Hände deutlich gesenkt. Betreten Gäste also das Haus des Gastgebers, sollte der erste Gang zunächst Richtung Badezimmer gehen.
Pünktlich zu Weihnachten erinnert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) abermals daran, was beim Händewaschen extrem wichtig ist. So sollte das Einseifen und das Abwaschen mindestens 20 Sekunden dauern. Die Merk-Regel: Die entsprechenden Vorgänge sollte in etwa so lange wie zweimal „Happy Birthday to you“-Summen dauern. Auf Weihnachtsfest angepasst, lasse sich das aber auch problemlos durch „Ihr Kinderlein kommet“ ersetzen.
Impfungen bleiben aber immer noch der effektivste Schutz vor Infektionen mit schweren Verläufen. Gegen RSV und Rhinoviren sind bislang noch keine verfügbar. Dafür gibt es entsprechende Vakzine gegen das Coronavirus und Influenza, auf die vor Weihnachten zurückgegriffen werden kann. Doch bis sich der jeweilige Impfschutz optimal aufgebaut hat, dauert es in etwa zwei Wochen. Kurz vor Weihnachten 2022 ist das nun natürlich nicht mehr möglich. Doch würde es sich dennoch lohnen, etwaige Impflücken zu schließen. Die Grippewelle, die in Niedersachsen bereits zehn Todesopfer gefordert hat, würde nämlich erst noch an Fahrt aufnehmen.
Grippeschutzimpfung auch für Kinder sinnvoll – denn auch vulnerable Personen in der Familie werden geschützt
Eine Grippeschutzimpfung kann laut Mathias Pletz übrigens auch für Kinder sinnvoll sein. „Zum einen ist eine Influenza insbesondere für Kleinkinder keinesfalls harmlos, wie die aktuelle Situation eindrücklich zeigt. Zum anderen scheiden Kinder das Virus deutlich länger aus“, sagt der Infektiologe. Und wenn die Kinder gegen die Grippe geimpft sind, würde das auch die Großeltern oder andere vulnerable Personen innerhalb der Familie schützen.
Obendrein könnten sich Impfungen gleich mehrfach lohnen, denn: „Es gibt unspezifische Impf-Effekte, die immer wieder in Studien auftauchen. Zum Beispiel, dass kurz nach einer Influenza-Impfung die Wahrscheinlichkeit für schwere Corona-Verläufe sinkt“, so Pletz. Die Vermutung der Wissenschaft ist gemeinhin folgende: Das Immunsystem wird in dem Ausmaß trainiert, dass sich hieraus ein besserer Schutz vor anderen Erregern entwickelt. Auch, wenn dieser Schutz nicht perfekt oder langanhaltend sei.
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