2. Booster

Sollte ich mich vor Weihnachten 2022 nochmal impfen lassen?

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An Weihnachten 2022 gelten kaum noch Corona-Maßnahmen. Empfiehlt sich deswegen vorab die zweite Boosterimpfung?
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Weihnachten 2022 naht. Im Gegensatz zu den vergangenen beiden Jahren gibt es kaum noch Corona-Maßnahmen. Empfiehlt sich dennoch der 2. Booster?

Berlin – Wie auf dem Impfdashboard vom Robert Koch-Institut (RKI) ausgewiesen wird, haben sich bislang etwa 13 Prozent der Menschen in Deutschland ein viertes Mal gegen das Coronavirus impfen lassen. Nur 13 Prozent oder immerhin? Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte den 2. Booster schon vor Monaten auch für Menschen unter 60 Jahren empfohlen. Und dennoch wird das Angebot seitdem kaum wahrgenommen. Mit Blick auf womöglich weiße Weihnachten 2022, dem ersten Fest im Winter seit zwei Jahren ohne strenge Corona-Maßnahmen, stellt sich dennoch folgende Frage: Sollte man sich mit Rücksicht auf die Liebsten nicht gerade deswegen erneut impfen lassen? Eine Spurensuche nach der vermeintlichen Antwort.

Weihnachten 2022: Was ist hinsichtlich Corona anders als im vergangenen Jahr?

Fakt ist: „Die Immunkompetenz in der Bevölkerung ist deutlich höher“ als noch vor einem Jahr. Das sagte Christoph Spinner, Oberarzt und Infektiologe am Universitätsklinikum der Technischen Universität München, gegenüber spiegel.de. Damit zog er den Vergleich zwischen Weihnachten 2022 und dem Fest ein Jahr zuvor. Mittlerweile hätte nahezu jeder Antikörper gegen das Coronavirus im Blut, sei es durch Infektionen oder Impfungen.

In der vom Bundesforschungsministerium geförderten Immunebridge-Studie ist von 95 Prozent der Bevölkerung in Deutschland die Rede, die längst über die notwendige Immunkompetenz verfüge. Ein Fortschritt im Vergleich zum Zeitraum vor dem letztjährigen Weihnachtsfest. Dieses Jahr, an Weihnachten 2022, gelten kaum noch Corona-Maßnahmen. In einigen Bundesländern wurde die Isolationspflicht bereits abgeschafft, eine Maskenpflicht besteht nur noch im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Das Ansteckungsrisiko im öffentlichen Raum wird dadurch aber erhöht. Empfiehlt sich also die 2. Boosterimpfung vor Heiligabend?

Weihnachten 2022: Welchen Mehrwert bringt eine zweite Boosterimpfung mit sich?

Grundsätzlich muss, auch vor dem teuren Weihnachten 2022, zwischen der 1. und 2. Boosterimpfung unterschieden werden. Wer über die Grundimmunisierung, also zwei Impfungen, verfügt, kann über den Booster nachdenken. Und wer bereits den 1. Booster erhalten hat, kann über die nunmehr vierte Spritze nachdenken. Sinn macht das je nachdem, wie oft eine Person schon mit Corona infiziert war und wie lange die letzte Impfung schon zurückliegt.

Die Immunebridge-Studie hätte deutlich gemacht, dass auch der 2. Booster nicht ausreichend vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt. Vor allem sogenannte Immunescape-Varianten wie Omikron könnten den Impfschutz teils einfach umgehen. Doch gibt es mittlerweile auch Vakzine, die eigens an die Omikron-Variante angepasst wurden. Zwar wurden sie gegen die aktuell wieder rückläufigen Sublinien BA.1, BA.4 und BA.5 entwickelt. Doch sei davon auszugehen, dass die angepassten Impfstoffe für eine etwas breitere Immunantwort sorgen. Vor allem bei Menschen, die sich nicht in der Omikron-Welle angesteckt haben.

Darüber hinaus belegen bereits mehrere Studien, dass der 2. Booster vor allem bei Hochbetagten zu einem Rückgang der Corona-Todesfälle führt. Zudem bringen Impfungen das Immunsystem dazu, Antikörper gegen Corona zu bilden. Sie triggern die Bildung von B- und T-Zellen, letztere verhindern einen schwereren Krankheitsverlauf bis hin zu Long Covid. Und dennoch hält Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), den 2. Booster für die breite Bevölkerung nicht für zwingend notwendig. Laut der Immunologin würden drei Impfungen für die Bildung eines Immungedächtnisses ausreichen.

Mit Blick auf Weihnachten 2022: Wem wird überhaupt die zweite Boosterimpfung empfohlen?

Derzeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) folgenden Personengruppen die nunmehr vierte Impfung gegen das Coronavirus:

  • Allen Personen ab 60 Jahren
  • Bewohnern in Pflegeeinrichtungen sowie Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe
  • Personen mit Vorerkrankungen
  • Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen; vor allem solchen mit direkten Patienten- oder Bewohnerkontakt

Gemäß der Stiko-Empfehlung sollen alle Boosterimpfungen mit den an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffen erfolgen. Zwischen der Auffrischungsimpfung und der bislang letzten Impfung oder Infektion sollten mindestens sechs Monate liegen. Für diese Empfehlung werben auch Infektiologen, die betroffenen Personengruppen sollten das Angebot unbedingt wahrnehmen. Schließlich würde das Immunsystem von Älteren schlechter lernen, „Antikörper für Atemwegserreger zu bilden“, heißt es von Christoph Spinner. Gleichwohl dient die Stiko-Empfehlung Ärzten nur zur Orientierung, es besteht kein Zwang.

Ist zweite Boosterimpfung vor Weihnachten 2022 auch möglich, wenn Stiko-Empfehlung mich nicht mit einschließt?

„Bei allen, die unter 60 sind und keine relevanten Vorerkrankungen haben, sprechen wir von einer individuellen Entscheidung“, sagt Spinner in Bezug auf die zweite Boosterimpfung. Jeder müsse selbst für sich abwägen, welchen zusätzlichen Nutzen die vierte Impfung haben könnte. Vor allem der Zeitpunkt des letzten Kontaktes mit dem Coronavirus, ob durch Infektion oder Impfung, sei laut Julian Schulze zur Wiesch entscheidend.

„Wer im Oktober mit Corona infiziert war, wird sich wahrscheinlich zu den Feiertagen nicht wieder infizieren“, sagt der leitende Oberarzt der Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) gegenüber spiegel.de. Die Wahrscheinlichkeit, sich in den ersten vier bis zwölf Wochen nach der Infektion wieder anzustecken, sei auch laut Spinner gering. Ausgeschlossen werden könne eine Reinfektion mit dem Coronavirus aber nicht.

Weihnachten 2022: Wann lasse ich mich für guten Corona-Schutz an den Feiertagen am besten impfen?

Geht es speziell um die Boosterimpfung gegen das Coronavirus: „Am besten drei bis vier Wochen vor der Feier“, so Schulze zur Wiesch. Allerspätestens sollte man seinen Termin fürs erneute Impfen aber Mitte Dezember im Kalender stehen haben, insofern man vom vollständig aufgebauten Impfschutz über Weihnachten 2022 profitieren will.

Anlaufstellen hierfür sind Hausärzte, die Patienten auch beraten können, die sich hinsichtlich einer erneuten Corona-Impfung noch unsicher sind. Zudem gibt es in einigen Bundesländern weiterhin Impfzentren oder Impfaktionen. Einen Überblick bietet das Gesundheitsministerium. Zudem dürfen auch Apotheken Corona-Impfungen anbieten. Via Mein Apothekenmanager wird man fündig. Vorab sollte aber überprüft werden, ob die Arztpraxis, das Impfzentrum oder die Apotheke nur Menschen impft, die unter die Stiko-Empfehlung fallen, oder generell alle Impfwillige.

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