Ins Zillertal via Achensee

Verkehrs-Chaos wegen Urlaubern: Österreich legt beliebte Route von Maut-Tricksern trocken

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Am Achensee in Tirol sind die Bewohner genervt. Deutsche Urlauber auf dem Weg ins Zillertal benutzen die Straße durch ihre Dörfer als mautfreie Ausweichroute. Nun soll damit Schluss sein.

Maurach – Diese Abkürzung ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Viele Urlauber, die ins österreichische Zillertal wollen, haben die Route schon lange für sich entdeckt: Statt über die pickerlpflichtige Autobahn via Kufstein in das beliebte Tiroler Skigebiet zu fahren, nutzen sie die Straße über den Achensee. Das sorgt an den An- und Abreisetagen für Dauerstau in den Dörfern auf der Strecke. Die Anwohner gehen schon seit Jahren wegen des Mautausweichverkehrs auf die Barrikaden. Auf Facebook posteten sie Dutzende Videos der Autokolonnen.

„Stau durch Steinberg! Das gab's noch nie“: Navis zeigen den Maut-Schleichern ganz neue Wege.

Österreich legt beliebte mautfreie Abkürzung ins Zillertal trocken

In den vergangenen Weihnachtsferien war der Stau besonders schlimm. Am 30. Dezember fuhren an einer Zählstelle am Achensee 16.500 Autos durch, berichtete die Verkehrsabteilung des Landes Tirol einem Facebook-User. Ein Jahr zuvor waren es nur 9500 Fahrzeuge.

Als nichts mehr ging, schickten die Navis die Urlauber über Wald- und Almwege weiter. Videos zeigen, wie die Autos über das kleine Dorf Steinberg am Rofan und die Schlucht der Gäng an der Steinberger Ache über das Bergnest Brandenberg ins Inntal poltern – bis die Polizei den Schleichweg stoppte und viele Urlauber umdrehen mussten.

Tiroler Anwohner poltern im Internet über die deutschen Urlauber

Die Autofahrer – die meisten mit deutschen Kennzeichen – standen am Achensee bis zu eineinhalb Stunden im Stau. Und sparten sich dabei eine Tagesvignette, die 8,60 Euro kostet. Für eine Zehntagesvignette, die für einen einwöchigen Skiurlaub reicht, legt man 11,50 Euro hin.

„10 Euro sparen und den Anwohnern den letzten Nerv rauben“ – Urlauber-Verkehrschaos nervt Tiroler

Die Anwohner in den Ortschaften Achenkirch und Maurach sowie in Wiesing am Fuß der Passstraße zum Achensee sind von den Autokolonnen völlig entnervt. In der Facebook-Gruppe „Sicher am Achensee“ wird mächtig über die Maut-Trickser gepoltert: „Denken ist bei denen Glückssache, deshalb fahren die auch immer in der Herde“, schreibt ein User. Ein anderer resümiert: „Sind die Leut‘ eigentlich dumm? Das Navi zeigt doch sicher den Stau an... Na ja, Freizeit im Stau verbringen, 10 Euro sparen und den Anwohnern den letzten Nerv rauben, ist schon geil.... holy shit.“

Eine Userin spottet: „Wer sich ein Vier-Sterne-Hotel und eine Wochen-Skikarte für das Zillertal leisten kann, wird doch auch die paar Euro für das Pickerl haben.“ Andere posten allerdings auch Screenshots von Zillertaler Hotel-Homepages, in denen Urlaubern empfohlen wird, über den Achensee mautfrei anzureisen. „Des muaß sich aufhören“, schreibt eine Userin erbost dazu. Andere fordern Mautpflicht auf der Achenseestraße. Und dann ist da ein Nürnberger, der in der Facebookgruppe fragt, wo die Fähre ablegt, mit der man den Stau umfahren könne – die gibt es natürlich nicht … „Eine neue Marktlücke entdeckt“, ätzt ein Einheimischer. Andere geben zu bedenken: „Der Stau ist nur an wenigen Tagen im Jahr so groß.“

Tirol greift am Achensee durch: Ampel nach der Grenze soll Verkehrslawine aufhalten

Nach anhaltenden Protesten der Anwohner greifen die zuständige Bezirkshauptmannschaft (so etwas wie ein Landratsamt) in Schwaz und das Land Tirol jetzt durch. Eine „Dosierungsampel“ zwischen der deutschen Grenze und dem Gemeindebereich von Achenkirch soll künftig dafür sorgen, dass nur so viele Autos durchgelassen werden, dass es zu keinen Stauungen in Achenkirch, Maurach und Wiesing mehr kommt.

In Maurach und Achenkirch (Österreich) herrscht oftmals Verkehrschaos.

Verkehrschaos Achensee-Zillertal – Termin für Testläufe in Österreich steht schon fest

Zunächst sind Testläufe an den Samstagen in den Faschings- und den Osterferien (10. und 17. Februar sowie 23. und 30. März) geplant. „Die gesammelten Daten sollen in Zukunft dazu beitragen, weitere Verbesserungen zur Verkehrsabwicklung entlang der Achenseestraße und Richtung Zillertal zu ermöglichen“, erklärt Lea Knabl, Sprecherin der Tiroler Landesregierung Merkur.de von IPPEN.MEDIA.

Schon in Bayern sollen Autofahrer vor der Dosierampel gewarnt werden

Dass es dann, wenn die Dosierampel auf Rot steht, zu langen Blechlawinen nördlich des Achensees kommen wird, ist vorprogrammiert. Warnschilder an der Autobahnausfahrt der A8 bei Holzkirchen sollen schon in Bayern darauf hinweisen, dass der Verkehr auf der Mautausweichroute ausgebremst wird. Laut Sabine Kirchmair, Sprecherin des Landratsamtes Miesbach, sind Klappschilder vorgesehen, die an den Tagen mit Ampeldosierung geöffnet werden. Als mautfreie Abkürzung könnte die Route über den Achensee dann bald ausgetrocknet sein.

Österreich sorgt immer wieder mit seinen Verkehrsregelungen für Unverständnis bei seinen nördlichen Nachbarn. Am Tag der Deutschen Einheit gab es 110 Kilometer Stau in Italien, da Tirol keine Lkw über den Brenner ließ. An der Brenner-Autobahn will ein Dorf mit Klagen gegen einen Brückenneubau die Autobahn auf Jahre lahmlegen. Für Aufregung sorgte der Beschluss des Betreibers ASFINAG, dass Anwohner dieses Jahr keine Gratisfahrten mehr auf der Brenner-Autobahn bekommen. Außerdem ärgern sich viele Urlauber, dass sie im Gegensatz zu Einheimischen auf der wegen Baustellen nur je Richtung einspurig befahrbaren Tauernautobahn im Stau bleiben müssen.

Rubriklistenbild: © Screenshot/Facebook/Bianca Messner

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