VonYannick Hankeschließen
Noch sind die an Omikron angepassten Impfstoffe ein Ladenhüter. Das könnte sich schnell ändern, denn die Stiko spricht eine Empfehlung für die neuen Vakzine aus.
Berlin – Impfen gilt nach wie vor als das Patentrezept im Kampf gegen das Coronavirus. Nicht zuletzt Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) spricht sich hierfür aus. Problematisch wird es nur, wenn die entsprechende Vakzine wie die Omikron-Impfstoffe kaum bis gar nicht verimpft werden, da das Interesse in der Bevölkerung zu gering ausfällt. Das trifft vor allem auf die neuen, an Omikron angepassten Impfstoffe zu. Doch könnte schnell eine Kehrtwende erfolgen. Schließlich hat sich die Ständige Impfkommission (Stiko) nun für die Omikron-Impfstoffe ausgesprochen.
Omikron-Impfstoffe: Stiko spricht sich für angepasste Vakzine in Deutschland aus
Wie unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, empfiehlt die Stiko am Dienstag, 20. September 2022, für weitere Booster-Impfungen die an Omikron angepassten Impfstoffe zu verwenden. Noch am Nachmittag soll der entsprechende Entwurf zu den Omikron-Impfstoffen auf der Internetseite vom Robert Koch-Institut (RKI) erscheinen.
Ein dreimal geimpfter immungesunder Mensch unter 60 Jahren braucht jetzt keine vierte Impfung.
Ändern wird sich hingegen nichts an den Altersgrenzen für die Boosterimpfungen, sei es die 3. oder 4. Impfung. Die erste Auffrischungsimpfung ist nach Ansicht der Stiko für alle Menschen in Deutschland ab zwölf Jahren ratsam, die zweite hingegen nur für alle über 60-Jährigen, Risikopatienten mit Vorerkrankungen, Bewohner in Pflegeheimen sowie für medizinisches Personal. Daran ändert auch die Empfehlung für die Omikron-Impfstoffe nichts.
Neue Impfstoffe auch gegen Omikron BA.4 und Omikron BA.5: Stiko empfiehlt die neuen Vakzine
Erst Anfang September hatte die EU-Kommission die ersten Omikron-Impfstoffe zugelassen. Insgesamt stehen bislang drei Vakzine zur Verfügung, die sich alle gegen das ursprüngliche Coronavirus richten. Ein Impfstoff von Biontech/Pfizer wirkt zusätzlich gegen die Omikron-Varianten BA.4 und Omikron BA.5, zwei Vakzine von Moderna beziehungsweise Biontech/Pfizer richten sich gegen Omikron BA.1.
Allen Menschen in Deutschland, denen die Stiko eine Boosterimpfung empfiehlt, rät die Expertengruppe zur Verwendung der neuen, an Omikron angepassten Impfstoffe. Die schon an Omikron BA.1 angepassten, verfügbaren Vakzine drohten zuletzt zum Ladenhüter zu avancieren.
An Omikron angepasste Impfstoffe bislang Ladenhüter – neue Bewegung durch Stiko-Empfehlung?
„Wir haben in den wenigen Tagen, in denen wir BA.1 impfen, keinen großen Nachfragesprung erlebt“, hieß es von Jens Lassen, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Hausärzteverbandes Schleswig-Holstein. Nun könnte Bewegung in den lahmen Start mit den neuen Impfstoffen kommen.
Zumal sich durch die neuen Corona-Regeln für den Pandemie-Herbst auch hinsichtlich der Anerkennung vom „vollständig geimpft“-Status einiges ändert. Ab 1. Oktober gilt das nur für Menschen, die drei Impfungen oder aber mindestens zwei Impfungen und eine Infektion vorweisen können. Spätestens bis zum Stichtag rechnet der Mainzer Hausarzt Christoph Lembens deswegen mit einem „hohen Nachfragedruck“.
Impfstoff gegen Omikron BA.4 und BA.5: Für wenn ist das angepasste Vakzin eigentlich ratsam?
Der Blick ist vor allem auf den Impfstoff gerichtet, der an Omikron BA.4 und Omikron BA.5, der dominierenden Variante in Deutschland, angepasst ist. Hierbei handelt es sich um ein bivalentes Vakzin, das bedeutet, dass es nicht nur gegen den Covid-19-Wildtypen wirkt, sondern gezielt auch gegen Omikron BA.5. Damit entscheidet sich der Impfstoff von dem bereits zugelassenen Omikron-Booster, der sich gegen den Wildtypen und die ehemals dominierende Variante BA.1 richtet.
Wie werden Impfstoffe wie an Omikron BA.5 eigentlich angepasst?
Wird ein Impfstoff wie bei Omikron BA.5 angepasst, erfolgt dies durch Hersteller im Labor. Im Fall von mRNA- und Vektorviren-Impfstoffen wird dafür einfach der RNA- bzw. DNA-Abschnitt gegen einen entsprechenden Abschnitt für das Spikeprotein der Variante ausgetauscht.
Im nächsten Schritt wird der neue, angepasste Impfstoff einer technischen Qualitätsprüfung unterzogen. Dies ist zur Konzentration der Inhaltsstoffe, der Reinheit und der Stabilität erforderlich. In zwei parallelen Studien mit Freiwilligen wird der Varianten-Impfstoff dann mit dem ursprünglichen Impfstoff verglichen. In der einen Studie als Erstimpfung, in der anderen Studie als Booster-Impfung. Im Labor wird gemessen, wie zuverlässig nach der Impfung genügend Antikörper gebildet werden, die die betreffende Virusvariante unschädlich machen. Der Varianten-Impfstoff muss dabei besser abschneiden als der ursprüngliche.
Dann beantragt der jeweilige Hersteller die Genehmigung für den auf eine Corona-Variante angepassten Impfstoff bei der EMA. Nach priorisiertes Prüfung kann die EMA diese befürworten. Die Genehmigung erfolgt dann durch die EU-Kommission.
Im letzten Schritt stellen der Hersteller und seine Produktionspartner die Großproduktion ganz oder zum Teil auf den Varianten-Impfstoff um. Das ist im Fall von mRNA- und Vektorvirenimpfstoffen einfach, da sich am Herstellungsverfahren fast nichts ändert. Natürlich werden aber die Impfstoff-Gefäße gekennzeichnet, um Verwechslungen mit dem alten Impfstoff auszuschließen.
Geeignet ist der auf Omikron BA.5 angepasste Impfstoffe für Menschen ab zwölf Jahren, die zumindest ihre Grundimmunisierung gegen Covid-19 erhalten haben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der auf Omikron BA.5 angepasste Impfstoffe besser wirkt als die bisherigen Vakzine. Die Zulassung dieses Impfstoffes würde laut der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) nicht zuletzt auf den verfügbaren Daten zum im September zugelassenen BA.1-Impfstoff basieren. Und diese hätten gezeigt, dass der an BA.1 angepasste Impfstoff im Vergleich zum ursprünglichen Impfstoff von Biontech/Pfizer besser gegen BA.1 wirke.
Angepasste Corona-Impfstoffe wirken gegen viele Omikron-Subvarianten
Darüber hinaus liegen aber auch präklinische Daten vor, auf die Biontech/Pfizer verweisen. Ihnen zufolge würde eine Booster-Impfung mit dem bivalenten, an Omikron BA.5 und BA.4 angepassten Impfstoff starke, neutralisierende Antikörperantworten gegen derzeit bekannte Omikron-Subvarianten hervorrufen. Dies gilt auch für:
- Omikron BA.1
- Omikron BA.2
- Omikron BA.4
- Omikron BA.5
- und auch gegen den ursprünglichen Wildtypen vom Coronavirus
Studien zum an Omikron BA.5 angepassten Impfstoff sind zwar noch nicht abgeschlossen, doch spricht die EMA bereits von Nebenwirkungen, die mit denen beim ursprünglichen Impfstoff zur Grundimmunisierung beobachtet wurden. Gestützt würde dies durch Daten von Prüfimpfstoffen, die auf andere Varianten abzielen, die ebenfalls ähnliche Sicherheitsprofile und vorhersagbare Immunantworten gegen die Stämme, auf die sie abzielen, gezeigt haben.
Wann steht der Impfstoff gegen Omikron BA.4 und BA.5. in Deutschland zur Verfügung?
Der an Omikron BA.4 und BA.5 angepasste Impfstoff würde laut einer Pressemitteilung von Biontech/Pfizer allen 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) zur Verfügung stehen. In den nächsten Tagen, ausgehend vom 20. September 2022, könne dieser die Impfkampagne unterstützen. Ab wann das neue Vakzin dann in Deutschland zur Verfügung steht, ist noch unklar.
Experten raten Menschen, die eine Booster-Impfung benötigen, deswegen dazu, nicht zu warten, bis der speziell an Omikron BA.4 und BA.5 angepasste Impfstoff auch hierzulande verfügbar ist. Vielmehr solle man sich mit den bereits verfügbaren Boostern impfen lassen, die bereits ihre Schutzwirkung gegen BA.5 nachgewiesen hätten. Über an Omikron BJ.1, einer Sublinie von BA.2, angepasste Impfstoffe ist indes noch nichts bekannt.
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