Bayern und BaWü besonders betroffen

Hochwasser-Alarm in Deutschland: Experte schätzt aktuelle Lage ein – Wetter-Prognose lässt hoffen

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Mit enormen Wassermassen begann der Juni. Überflutungen waren die Folge. Wie entwickelt sich das Wetter nun? Experte Dominik Jung gibt einen Ausblick.

München – Heftige Niederschläge sorgen in zahlreichen Regionen in Deutschland für Ausnahmezustände. Besonders betroffen sind Bayern und Baden-Württemberg. In vielen Landkreisen treten Flüsse über die Ufer. Die Wassermassen fluten Orte, Landstraßen und Autobahnen. In Baden-Württemberg entgleisten ICE-Waggons nach einem Erdrutsch.

Vielerorts wurde der Katastrophenfall ausgerufen, ein Feuerwehrmann starb bei einem Einsatz. „An vielen Pegeln wurden Jahrhundertwerte überschritten“, sagt Meteorologe Dominik Jung zu IPPEN.MEDIA. „Damit ist die Lage eindeutig – es war ein Jahrhunderthochwasser. In der Summe fielen stellenweise wie erwartet bis zu 150 Liter pro Quadratmeter oder sogar noch etwas mehr und das binnen 36 Stunden.“ Seine Wetter-Prognose für die kommenden Tage lässt auf eine Entspannung der Lage insgesamt hoffen.

Bilder vom Hochwasser in Deutschland: Zahlreiche Orte unter Wasser – es gibt Tote und Vermisste

Pfaffenhofen in Oberbayern ist dramatisch vom Hochwasser betroffen. Die Einsatzkräfte haben einen schweren Verlust zu verkraften. An der Ilm war am Wochenende ein Feuerwehrmann bei einer Rettungsaktion ums Leben gekommen. Doch die Gefahr verlagert sich auch nach Passau und Regensburg.
Pfaffenhofen in Oberbayern ist dramatisch vom Hochwasser betroffen. Die Einsatzkräfte haben einen schweren Verlust zu verkraften. An der Ilm war am Wochenende ein Feuerwehrmann bei einer Rettungsaktion ums Leben gekommen. Eine Frau starb in ihrem gefluteten Keller in Schrobenhausen. Ein Feuerwehrmann wird bei Günzburg vermisst. Doch die Gefahr verlagert sich auch nach Passau und Regensburg. Die Bilder vom Wochenende und vom Montag. © Jason Tschepljakow/dpa
Eine Uferstraße ist vom Hochwasser überschwemmt. Die Drei-Flüsse-Stadt Passau in Niederbayern hat aufgrund des Starkregens ebenfalls mit erheblichem Hochwasser zu kämpfen. Der Pegelstand der Donau stieg am Sonntag auf mehr als 7,70 Meter, wie der Hochwassernachrichtendienst mitteilte. Zahlreiche Straßen und Plätze in Stadtgebiet stehen unter Wasser.
Eine Uferstraße ist vom Hochwasser überschwemmt. Die Drei-Flüsse-Stadt Passau in Niederbayern hat aufgrund des Starkregens ebenfalls mit erheblichem Hochwasser zu kämpfen. Der Pegelstand der Donau stieg am Sonntag auf mehr als 7,70 Meter, wie der Hochwassernachrichtendienst mitteilte. Zahlreiche Straßen und Plätze in Stadtgebiet stehen unter Wasser.  © Markus Zechbauer/Zema Medien/dpa
nden einen Stand von 5,80 Meter erreicht, wie die Stadt mitteilte. Die historische Wurstkuchl wird mit einer Schutzwand vor dem Hochwasser der Donau geschützt.
Das Wasser der Donau steigt und steigt, nun hat auch Regensburg den Katastrophenfall ausgerufen. Die Wasserhöhe am Messpunkt Eiserne Brücke habe in den Morgenstunden einen Stand von 5,80 Meter erreicht, wie die Stadt mitteilte. Die historische Wurstkuchl wird mit einer Schutzwand vor dem Hochwasser der Donau geschützt.  © Armin Weigel/dpa
Auch Menschen in Baden-Württemberg sind weiter in großer Gefahr. Hier ein Blick auf Täferrot, wo der Fluss Lein über die Ufer getreten war und Überschwemmungen verursacht hatte.
Auch Menschen in Baden-Württemberg sind weiter in großer Gefahr. Hier ein Blick auf Täferrot, wo der Fluss Lein über die Ufer getreten war und Überschwemmungen verursacht hatte. © Jason Tschepljakow/dpa
Autos fahren durch eine von Hochwasser betroffene Kreisstraße zwischen Beuren und Illerrieden
Besonders im Süden hat das befürchtete Unwetter voll zugeschlagen. In Baden-Württemberg regnete es seit den Samstag-Morgenstunden (1. Juni) heftig. Straßen wurden geflutet, wie hier zwischen Beuren und Illerrieden. © Marius Bulling/Imago
Hochwasser in Babenhausen (Bayern).
Im Laufe des Samstagvormittags (1. Juni) wurden in fünf bayerischen Landkreisen der Katastrophenfall ausgerufen. Mehrere Menschen mussten mit dem Boot gerettet werden, so wie hier in Babenhausen. © Stefan Puchner/dpa
Feuerwehrleute arbeiten überfluteten Straße in Ichenhausen, nachdem die Günz übergetreten war.
Im Landkreis Günzburg (Bayern) ist die befürchtete Jahrhundertflut eingetreten. Feuerwehrleute arbeiten an überfluteten Straßen in Ichenhausen, nachdem die Günz übergetreten war. (Foto-Collage) © dpa/Foto-Collage
Rettungskräfte fahren die Hochwasserlage in Bayern (Fischbach) mit einem Jetski ab.
In den angrenzenden Landkreisen Günzburg und Augsburg wurde im Laufe des Samstagvormittags der Katastrophenfall ausgerufen, nachdem die Pegelstände stark angestiegen waren. Im Ort Fischbach (Landkreis Augsburg) verschaffen sich Einsatzkräfte mit Jetskis einen Überblick über die Lage. © dpa
Hochwasser nach Extremwetter in Haselbach (Bayern).
Doch auch andere Teile Bayerns sind stark betroffen. In der Gemeinde Haselbach östlich von Regensburg hat der Dauerregen einen Spielplatz komplett unter Wasser gesetzt. © Stefan Puchner/dpa
Hochwasser nach heftigen Unwetter zwang den Rettungshelikopter auszurücken in Bayern.
Der Rettungshelikopter musste ebenfalls ausrücken. Personen mussten aus ihrem Haus auf dem Luftweg befreit werden, da sie sonst nicht mehr herausgekommen wären. © Stefan Puchner/dpa
Feuerwehrleute kämpfen gegen das Hochwasser in Ochsenbach, Baden-Württemberg.
Auch in Baden-Württemberg haben zahlreiche Einsatzkräfte mit dem Unwetter zu kämpfen. In Ochsenbach nordwestlich von Memmingen stapeln Feuerwehrleute Sandsäcke und pumpen Wasser ab. Die schlimmste Unwetter-Zelle hielt sich am Samstag (1. Juni) zwischen München und Stuttgart. © Thomas Warnack/dpa
Hochwasser auch auf den Straßen in Ochsenbach, Baden-Württemberg.
Dennoch waren im Ort zahlreiche Straßen geflutet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) riet von Aufenthalten im Freien ab. © Thomas Warnack/dpa
Unwetter-Lage in Baden-Württemberg.
Hier findet sicher so schnell kein Fußballspiel statt. Eigentlich sollte der SV Daugendorf im Ortsteil der Stadt Riedlingen (Baden-Württemberg) am Samstag (1. Juni) das letzte Spiel der Runde ausrichten. Nach den Unwettern steht der Platz unter Wasser.  © Thomas Warnack/dpa
In Sachsen haben Einsatzkräfte schon am Freitagabend (31. Mai) Vorkehrungen getroffen.
Seit Tagen herrscht in Deutschland die Sorge vor heftigen Unwettern und einer Jahrhundertflut. In vielen Regionen, wie hier in Sachsen, haben Einsatzkräfte schon am Freitagabend (31. Mai) Vorkehrungen getroffen.  © Katrin Mädler/dpa
In Bad Wörishofen im Unterallgäu, staut sich das Hochwasser nach andauernden Regenfällen an.
Im Unterallgäu hatte sich schon am späten Freitagabend (31. Mai) an einigen Stellen Wasser angesammelt. Die Behörden bereiteten am Samstagvormittag eine Evakuierung vor und rieten den Bewohnern freiwillig ihre Häuser zu verlassen. Vor allem in Hanggebieten sind Erdrutsche möglich, warnt der DWD. © Bernd Feil /Imago
Überflutete Straße in Lindau am Bodensee.
In Lindau am Bodensee verschluckte Hochwasser auf gefluteten Straßen in der Nacht zum Samstag einen Van. © Bernd März/dpa

DWD warnt weiter für Sonntag – Starkregen und Gewitter

Vorerst warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) allerdings weiter. Die betroffenen Regionen müssen sich am Sonntag (2. Juni) erneut auf Starkregen und Gewitter einstellen. Ab dem Mittag seien südlich des Mains bis zur Donau erneut heftige Gewitter mit Niederschlagsmengen von bis zu 25 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit möglich, teilte der DWD mit. Örtlich könnten es in kurzer Zeit bei Unwettern auch bis zu 40 Liter werden. Zum Abend hin ziehen die Unwetter Richtung Süden und es gebe im Alpenvorland kräftige Gewitter und Starkregen. 

Am Nachmittag und Abend seien auch wieder Regionen in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg betroffen. Dort könnten örtlich bei Gewittern mit Starkregen Niederschlagsmengen um 30 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit fallen.

Die aktuelle Wetterkarte des DWD (Stand: 8.37 Uhr).

„Der größte Batzen ist durch“: Meteorologe schätzt Wetterlage ein

Laut Wetterexperte Dominik Jung von wetter.net ist „der große Landregen durch“. „Da kommen aber noch einige lokale Schauer und Gewitter und die können eng begrenzt die Lage nochmal etwas anspannen. Aber insgesamt ist der größte Batzen durch. Man darf ein wenig durchatmen“, sagt er auf Anfrage. In Baden-Württemberg waren aufgrund der Regenfälle drei Orte zum Trinkwasser-Abkochen aufgerufen.

Am Montag (3. Juni) ist mit „noch weniger Schauer, Gewitter beziehungsweise Regen“ zu rechnen. Dadurch werde sich die Lage in den kommenden Tagen entspannen. In der nächsten Woche (3. bis 9. Juni) „wird es in Deutschland etwas sonniger, trockener und wärmer. Ein Hauch von Sommer kommt in vielen Regionen an“.

In Bayern stehen am Sonntag (2. Juni) durch anhaltenden Starkregen Landkreise teilweise unter Wasser.

Die Temperaturen für die Juni-Woche im Überblick

Eine ähnliche Prognose wie Jung macht der DWD etwa für Baden-Württemberg. Dort sollen am Montagnachmittag und -abend auch im Süden die Niederschläge nachlassen. In den meisten Gebieten des Landes soll es ganztags trocken bleiben, zunehmend komme teils die Sonne raus.

Sommergefühl könnte zumindest anhand der Temperaturen definitiv aufkommen. Mit folgenden Höchstwerten ist in Deutschland laut DWD zu rechnen:

Montag, 3. JuniZwischen 15 und 22 Grad
Dienstag, 4. Juni18 bis 24 Grad
Mittwoch, 5. Juni17 bis 24 Grad
Donnerstag, 6. Juni15 bis 20 Grad, im Süden bis zu 22 Grad
Freitag, 7. Juni15 bis 20, im Süden bis zu 25 Grad

Eine Prognose zeigte zuletzt außerdem einen klaren Trend. Ein Hoch soll im Juni für Sommer-Wetter sorgen. (mbr)

 
 
 

Rubriklistenbild: © Marc Gruber/dpa

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