Heftige Kritik

2000-Euro-Bonus für Rentner: Merz nennt konkrete Details – Wer leer ausgeht

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Die Merz-Regierung hat sich auch bei den geplanten Rentenreformen geeinigt. Arbeitenden Rentnerinnen und Rentnern winken ab 2026 hohe Steuervorteile – aber eine große Gruppe ist davon ausgenommen.

Berlin – Es ist endlich so weit: Die Spitzen von Union und SPD haben sich bei ihrem Koalitionsausschuss auf zentrale Reformvorhaben geeinigt. Dabei hat sich die Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag (9. Oktober 2025) auch auf einen Fahrplan bei der Rente geeinigt. Mit der sogenannten Aktivrente gibt es ab 2026 für arbeitende Rentnerinnen und Rentner einen 2000-Euro-Steuerbonus – mit Ausnahmen. Dazu gibt es nun konkretere Details.

2000-Euro-Bonus für arbeitende Rentner: Das sind die Details

Dem Beschluss zufolge soll die Aktivrente zum 1. Januar 2026 starten und nur für abhängige, nicht-selbständige Tätigkeiten in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen gelten. Das heißt, Gewerbetreibende, Freiberufler und Selbstständige sowie Land- und Forstwirte sind davon ausgeschlossen.

Die Merz-Regierung hat sich auch bei den geplanten Rentenreformen geeinigt. Arbeitenden Rentnerinnen und Rentnern winken ab 2026 hohe Steuervorteile – aber eine große Gruppe ist davon ausgenommen.

Mit der Aktivrente können die anderen nicht-selbständig Erwerbstätigen nach dem Renteneintrittsalter bis zu 2000 Euro steuerfrei hinzuverdienen. Wie von der Union gefordert, wird dieser Betrag nun zudem auch vom sogenannten Progressionsvorbehalt ausgenommen. Dieser führt dazu, dass auch steuerfreie Beträge die Steuerlast erhöhen, weil der Steuersatz wegen des höheren Gesamteinkommens steigt. Zudem soll es das Plus beim Netto nicht erst nach der Steuererklärung geben, sondern schon beim Lohnsteuerabzug. 

Kritik an geplanter Renten-Reform: Viel arbeitende Rentner gehen wohl leer aus

Die CDU hatte die Aktivrente während der Regierungszeit der Ampelkoalition vorgeschlagen und dann auch im Bundestagswahlkampf gefordert. Der 2000-Euro-Steuerbonus soll die Beschäftigung Älterer fördern und auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Doch an der geplanten Aktivrente gibt es heftige Kritik – auch weil wohl viele arbeitende Rentner nicht von den beschlossenen Einschränkungen nicht profitieren werden können. Das bemängelt unter anderem Verena Bentele, Präsidentin des Verbandes VdK. Sie erklärte: „Die Mehrheit der älteren Menschen, die im Ruhestand weiterarbeiten, werden von der Aktivrente nicht profitieren. Sie sind entweder selbstständig tätig oder machen dies als Minijob. Minijobber arbeiten jetzt schon weitgehend steuerfrei.“

Der 2000-Euro-Steuerbonus sei attraktiv für gesunde Menschen in wenig belastenden Berufen, die über die Regelaltersgrenze hinaus weiterarbeiten wollen. „Als Einzelmaßnahme wird die Aktivrente statt zusätzlichen Arbeitsplätzen vor allem Mitnahmeeffekte und massive Steuerausfälle produzieren und dem Fachkräftemangel in nur geringem Maße entgegenwirken“, stellte Bentele fest. 

Aktivrente führe „im Generationenverhältnis zu schwer erklärbaren Ungerechtigkeiten“

Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, hält die Maßnahme zudem für ungerecht gegenüber jüngeren Generationen. Das sagte sie vor kurzem dem Nachrichtenportal t-online.de: „Es ist nicht hilfreich, den Älteren zulasten der Jungen teure Steuergeschenke zu machen.“ Die Aktivrente führe „im Generationenverhältnis zu schwer erklärbaren Ungerechtigkeiten“.

Ältere könnten neben der vollen Rente 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen. „Wenn aber junge Eltern ihre Erwerbstätigkeit wieder aufstocken, sobald die Kinder in der Schule sind, kommt jeder Euro, den sie mehr verdienen, in die volle Steuer-Progression“, beanstandete sie. (lma mit AFP/dpa)

Rubriklistenbild: © Monatge/Imago/NurPhoto/Andreas Prost

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