„Enscheidung nicht leichtfertig gefällt“

Bedeutender Hersteller von Batterien meldet Insolvenz an – Lilium als Ursache?

  • schließen

Ein Produzent von Batterien aus Itzehoe hat Insolvenz eingereicht. Der Grund sind nicht eingegangene Zahlungen in Millionenhöhe. Welche Rolle spielt Lilium dabei?

Itzehoe – Domino-Effekt bei den Insolvenzmeldungen: Kein Tag vergeht ohne. Erst kürzlich hatte ein großer Motorradhersteller nach einer Insolvenz über neue Probleme geklagt. Ein Fleisch- und Wursthersteller musste die Tore schließen, genau wie ein wichtiger Textilkonzern aus dem Erzgebirge. Jetzt stellt sich heraus, dass auch die Lilium-Insolvenz höhere Wellen schlägt als vorher gedacht: Sie ist angeblich für eine weitere Insolvenz zumindest mitverantwortlich.

Insolvenz bei Batteriehersteller – von Lilium heruntergezogen?

Der deutsche Batteriehersteller CustomCells aus Itzehoe (Kreis Steinberg) gab am 30. April bekannt, einen Insolvenzantrag gestellt zu haben. Dies betrifft die Schlüsselstandorte Itzehoe und Tübingen. Ein Kieler Gericht hat Dr. Malte Köster, Partner der Anwaltskanzlei WILLMERKÖSTER, als vorläufigen Insolvenzbeauftragten der Unternehmen designiert. Die Holding der CustomCells Group soll von dem Insolvenzantrag zu dieser Zeit noch nicht betroffen sein, teilte das Unternehmen in einer Pressemeldung mit.

Eine Maschine von Lilium in Genf (Symbolfoto). Ein Batteriehersteller aus Itzehoe meldet Insolvenz an. Grund dafür sind ausgebliebene Zahlungen in Millionenhöhe. Was hat Lilium damit zu tun?

Wie aber kam es zu der Insolvenz? Nach Angaben von CustomCells stammen die finanziellen Probleme unter anderem vom größten Kunden: der Fluggesellschaft Lilium. Zweistellige Millionenbeträge seien unbezahlt geblieben und konnten nicht mehr ausgeglichen werden. „Trotz vielversprechender Geschäftsentwicklungen konnten keine neuen Investoren mit ausreichend Kapital gesichert werden, um die Verluste auszugleichen“, erklärte CustomCells. Mehrere Medien, darunter der NDR, berichteten.

Die „angespannte“ Situation, die derzeit auch andere Batterieunternehmen betreffe, habe zusätzlichen Druck erzeugt. Trotz der Insolvenz seien die Gehälter vorerst gesichert – mindestens bis zum Juni 2025. Bis auf Weiteres soll der Betrieb normal weiterlaufen.

„Entscheidung nicht leichtfertig getroffen“ – nach Insolvenz sucht CustomCells nach Investoren

Wie geht es weiter? Köster und sein Team hätten die Arbeit als vorläufige Insolvenzverwalter bereits aufgenommen. Die Mitarbeiter seien informiert. Neben den jetzt laufenden Maßnahmen zur Stabilisierung des Unternehmens laufen die Vorbereitungen für einen neuen Prozess zur Findung von Investoren.

„Wir haben diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen“, erklärte Dr. Dirk Abendroth, CEO von CustomCells. „Trotz größter Mühen und hervorragender Produkte zwangen äußere Umstände uns dazu, diesen Schritt zu gehen.“ Jetzt wolle sich das Unternehmen darauf konzentrieren, den Betrieb bestmöglich aufrechtzuerhalten und einen Weg in die Zukunft zu schaffen. „Wir sind unseren Mitarbeitern, Kunden, Investoren und Partnern dankbar für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung in dieser herausfordernden Zeit.“

CustomCells beschreibt sich selbst als Premium-Hersteller für Batterien und einen Pionier in moderner Batteriezellentechnologie, mit einem Schwerpunkt auf der Forschung. Das Unternehmen besteht seit 2012 und fing als Ableger des Fraunhofer-Instituts an.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire

Kommentare