VonNils Thomas Hinsbergerschließen
Zahlen des Ifo-Instituts haben zuletzt für Aufsehen gesorgt. Die Münchner Forschenden warnen vor explodierenden Rentenkosten. Jetzt gibt es Gegenwind.
Berlin – Es ist die wohl brennendste politische Frage der letzten Wochen: Wie geht es weiter mit der Rente? Und geht das mit der Generationengerechtigkeit zusammen, die junge Unionspolitiker vor dem Aus sehen? Angeheizt wurde die Diskussion, die sogar von manchen als Schicksalsfrage für die Koalition beschrieben wird, zuletzt von neuen Zahlen des Münchner Ifo-Instituts. Die Ökonomen hatten sich die Ausgaben des Bundes für 2026 vorgenommen und errechnet, dass rund ein Drittel aller Steuerausgaben zur Finanzierung der gesetzlichen Rentenkasse aufgewendet werden würden. Entsprechend groß war die Empörung.
Insgesamt seien damit 127,8 Milliarden Euro für die Rente eingeplant. Das entspricht etwa einem Viertel des gesamten Bundeshaushalts. Die Junge Union sieht das als finanziell unverantwortlich und bezeichnet die Pläne der Bundesregierung, das Rentenniveau im Sinne der SPD stabil bei 48 Prozent zu halten, als langfristige Belastung – vor allem für junge Steuerzahlende.
Rentenpläne der Bundesregierung – Institut kritisiert Darstellung der Ifo-Ökonomen
Das Ifo-Institut selbst pocht mit Blick auf die Milliardenkosten auf eine Anpassung des Rentensystems. „Ohne strukturelle Reformen wird der Bund dauerhaft mehr Geld für die gesetzliche Rente bereitstellen“, sagte dazu Emilie Höslinger, Forscherin am Ifo-Institut. Die Kosten für die Rente könnten sogar Spielräume für künftige Ausgaben im Bundeshaushalt eingeengt werden.
Widerspruch gegen die Darstellung der Münchner Wirtschaftsforschenden kommt jetzt vom Sozialforschungs-Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ). Das Institut der Universität Duisburg-Essen räumte ein, dass es zwar stimme, dass der Bund in totalen Zahlen immer mehr für die Rente ausgibt. Das sei aber ohne große Aussagekraft, „weil Preise und Kosten immer steigen“. Diese Kosten müsste man außerdem in Relation mit dem Gesamthaushalt betrachten. „Die Aussage, dass der Bund immer mehr Mittel aus seinem Haushalt für die Rentenversicherung aufwendet, ist dann falsch“, schreiben die Forschenden in ihrer Mitteilung.
Kosten der Rente: Forschende beobachten keinen gestiegenen Anteil am Bundeshaushalt
Im Gegenteil zu der Darstellung aus München sei der Anteil der Mittel an der gesetzlichen Rentenversicherung in den vergangenen 20 Jahren sogar gesunken. In einer Tabelle zeigt das IAQ, dass die Gesamtausgaben des Bundes für die Altersvorsorge im Jahr 1990 rund 10,5 Prozent betrugen. Bis zum Jahr 2005 stieg der Wert auf sogar 29,8 Prozent. Dann nahm der Rentenanteil im Haushalt ab und verharrt in den Jahren 2023 und 2024 auf etwa 24,6 Prozent.
„Schon seit Jahrzehnten fließen Mittel aus dem Bundeshaushalt in die gesetzliche Rentenversicherung“, schreiben die Forschenden weiter. Dies würde dafür genutzt, „allgemein gesellschaftliche Aufgaben der Rentenversicherung“ zu sichern, die nicht von den Beitragszahlern, sondern aus dem Steuertopf finanziert werden sollen.
Wie kann die Rente stabilisiert werden? Abhilfe könnte eine Erwerbstätigenversicherung schaffen
Das IAQ regt in seiner Mitteilung dann noch die Diskussion um die Einführung einer sogenannten „Erwerbstätigenversicherung“ an. „Wenn es stört, dass Mittel aus dem Bundeshaushalt an die gesetzliche Rente fließen, könnte die Einführung einer Erwerbstätigenversicherung Abhilfe schaffen“, heißt es dazu. Wenn alle Erwerbstätigen und Arbeitgeber, also auch Selbstständige und Beamte, in einen Topf einzahlen würden, könne man „gesamtgesellschaftliche Aufgaben“ aus diesem System finanzieren.
Damit schließt sich das Sozialforschungsinstitut einem Plan von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) an. Die hatte schon zu Beginn der Regierungszeit ein solches Rentenmodell ins Gespräch gebracht. Bas‘ Idee ist es, die drohenden Beitragsanstiege, die bei einem stabilen Rentenniveau wohl unausweichlich sind, durch mehr Einzahler zu umgehen. „Wir müssen die Einnahmen verbessern“, zitierte die Tagesschau die Ministerin im Mai. (Quellen: Ifo-Institut, IAQ, tagesschau) (nhi)
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