VonLisa Mayerhoferschließen
In der Merz-Regierung zeichnet sich der nächste Koalitionszoff beim Thema Rente ab: Es geht um den Steuer-Bonus für arbeitende Rentnerinnen und Rentner, der noch höher ausfallen könnte als gedacht.
Berlin – Gibt es nun 2000 Euro oder 3000 Euro steuerfrei in der Rente? Bei der von der schwarz-roten Koalition geplanten Aktivrente herrscht auf einmal Verwirrung. Ursprünglich war geplant, arbeitenden Rentnerinnen und Rentnern einen Steuerbonus von 2000 Euro im Monat zu ermöglichen – inzwischen sollen es laut Teilen der Union sogar 3000 Euro werden.
Das Finanzministerium will in Kürze den Gesetzentwurf für einen Aktivbonus für zusätzliche finanzielle Anreize für längeres Arbeiten vorlegen. Laut Koalitionsvertrag ist geplant, künftig bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei zu stellen, wenn jemand nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiter arbeitet und Geld hinzuverdient. In Kraft treten soll die Aktivrente schon kommendes Jahr.
Gibt es sogar 3000 Euro Steuer-Bonus für arbeitende Senioren in der Rente?
Doch offenbar hat die CDU bei der Aktivrente plötzlich eine neue Rechnung aufgemacht: CDU-Finanzexperte Fritz Güntzler sagte demnach der Bild-Zeitung: „Ab Januar 2026 dürfen Rentner 2000 Euro pro Monat steuerfrei hinzuverdienen. Zusammen mit dem Grundfreibetrag von circa 12.000 Euro sind somit etwa 36.000 Euro im Jahr steuerfrei.“ Demnach habe auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) von 36.000 Euro gesprochen.
Das bedeutet im Klartext: Die CDU rechnet zu den 2.000 Euro Steuer-Bonus pro Monat zusätzlich den bereits bestehenden Freibetrag von etwas über 1.000 Euro im Monat hinzu. Dieser Freibetrag gilt für alle Steuerzahler und wird 2026 auf 12.348 Euro im Jahr ansteigen.
Höherer Renten-Bonus würde vor allem wohlhabenden Rentnern helfen
Das Finanzministerium unter Lars Klingbeil (SPD) formuliert das laut Bild etwas anders: Demnach ist weiterhin geplant, 2000 Euro des Arbeitseinkommens von Rentnern steuerfrei zu stellen. Allerdings würde der Grundfreibetrag für andere Einkommensarten (Mieteinnahmen, Kapitalerträge, Renteneinkünfte) dazu kommen.
Damit würde die Koalition aber vor allem sehr gut verdienenden Senioren mit Angestelltengehalt und Zusatzeinkünften wie beispielsweise aus Vermietung helfen. Denn nur sie können dann den höchsten Steuer-Bonus von 3000 Euro pro Monat ausschöpfen.
Aktivrente: Versiegt der Bonus für Rentner ohne den gewünschten Effekt?
Kritiker befürchten unter anderem auch deshalb, dass die Aktivrente den Staat viel Geld kostet – ohne die gewünschten Effekte zu haben: Dass durch mehr arbeitende Menschen im Rentenalter der Fachkräftemangel gelindert und der Kostendruck auf dem Rentensystem gedämpft wird.
Harsche Worte kommen dabei von Vertretern von Arbeitgebern, wie auch Arbeitnehmern. „Die Politik drückt auf Gas und Bremse zugleich“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes BDA, Steffen Kampeter, vor kurzem dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Aktivrente solle längeres Arbeiten fördern, gleichzeitig belohne die abschlagsfreie Frühverrentung aber den vorzeitigen Ausstieg. „Das ist in der Anreizwirkung wenig effektiv und teuer für Beitrags- und Steuerzahler.“
Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und gleichzeitig Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, sagte dem RND: „Die Regelung kostet Milliarden, löst aber keins der vorhandenen Probleme.“ Dass Menschen nach dem Renteneintritt nicht weiterarbeiten würden, liege an ihrer Gesundheit, den Arbeitsbedingungen oder schlicht daran, dass der Arbeitgeber sie nicht mehr wolle. (lma mit dpa)
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