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Die Debatte um die Rente mit 70 nimmt wieder Fahrt auf. Möglichkeiten zur Frührente sollen zudem unattraktiver gestaltet werden, fordert ein CDU-Politiker.
Berlin – Rentner sollen künftig länger arbeiten, um die Zukunft der Rente zu sichern – wenn es nach dem CDU-Abgeordneten Pascal Reddig geht. „Eine grundsätzliche Reform ist nötig, die die Lasten fairer auf alle Schultern verteilt, statt die jüngere Generation einseitig zu benachteiligen, wie es derzeit der Fall ist“, mahnte der Vorsitzende der Jungen Gruppe der Unionsfraktion im Bundestag. Man müsse sich darauf einstellen, „länger zu arbeiten“, auch müsse man sich „von einigen nicht unbedingt erforderlichen, aber teuren Vorzügen unseres Rentensystems“ verabschieden.
Rente mit 70 zur Diskussion – CDU will steigende Lebenserwartung berücksichtigen
In letzter Zeit ist die Diskussion über eine Rente mit 70 vor allem seit dem Vorschlag der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hochgekocht. Derzeit richtet sich das Renteneintrittsalter nach den Geburtsjahrgängen. Seit 2012 wird das Renteneintrittsalter schrittweise angehoben („Rente mit 67“) – bis 2031 auf das 67. Lebensjahr.
Reddig stimmt Reiche zu – die Rente mit 70 sei eine mögliche Lösung. Er wisse aber, dass man dafür eine gesellschaftliche Mehrheit und eine Einigung zwischen den Koalitionspartnern brauche, räumte Reddig ein, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Union ist. Ein Kompromiss wäre daher, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung zu knüpfen. „Wir würden dann zu einer sukzessiven Erhöhung des Renteneintrittsalters kommen.“
Brisanter Vorschlag: CDU-Politiker will Rente mit 63 faktisch abschaffen
Als weiteren Punkt nannte Reddig, Frühverrentungen mit höheren Abschlägen unattraktiver zu machen. Die umgangssprachlich genannte Rente mit 63 ist Ökonomen und der Union schon lange ein Dorn im Auge. Sie ermöglicht es bestimmten Jahrgängen, mit 63 mit Abschlägen in Rente zu gehen.
„Wir müssen die Welle der Frühverrentungen stoppen“, forderte Reddig mit Blick auf diejenigen, die länger arbeiten könnten. „In diesen Fällen muss es deutlich höhere Rentenabschläge bei Frührenten geben. Wir müssen dafür sorgen, dass die Rente mit 63 in ihrer heutigen Form faktisch abgeschafft wird.“
Vorschläge für Zukunft der Rente: Dämpfungsfaktor wieder wirken lassen und ausbauen
Schließlich verlangt der 30-Jährige, dass der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor zur Dämpfung des Rentenanstiegs ab 2032 wieder voll wirksam wird. Bis 2031 will die Koalition die Haltelinie für das Rentenniveau bei 48 Prozent – also das Absicherungsniveau der Rente im Verhältnis zu den Löhnen – festsetzen. Reddig beklagte, der Faktor werde durch die Haltelinie faktisch ausgesetzt.
Er forderte für die Zeit nach 2031 nicht nur eine Rückkehr zu diesem Faktor, sondern auch eine Verdopplung, „damit die Lasten der demografischen Alterung gerecht auf die Generationen verteilt werden.“ Durch diesen Faktor werden bei den Rentenerhöhungen Veränderungen im zahlenmäßigen Verhältnis von Rentenbeziehern zu Beitragszahlern berücksichtigt. Die Steigerungen der Bestandsrenten sollten zudem in Zukunft nicht mehr an die Lohnentwicklung gekoppelt werden, sondern an die Inflation.
Das kommende Jahr steht im Zeichen der Reformen. Ziel ist es unter anderem, den Sozialstaat umzugestalten. Für Reformen bei der Rente soll eine Rentenkommission ab 2026 Pläne für Reformen erarbeiten. Zwei Schritte hatte das Bundeskabinett bereits auf den Weg gebracht. Das Rentenniveau soll bis 2031 bei 48 Prozent gesichert und die Mütterrenten für Eltern von vor 1992 geborenen Kindern verbessert werden. Beides soll mit Milliardenbeträgen aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. (bohy mit Material der dpa)
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