Daimler-Sparkurs: Betriebsversammlung am größten Standort kann Mitarbeitern Sorgen nicht nehmen
VonJulian Baumann
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Nutzfahrzeugriese Daimler Truck will eine Milliarde Euro einsparen. Eine Betriebsversammlung am Standort Wörth am Rhein konnte den Mitarbeitern die Sorgen nicht nehmen.
Wörth am Rhein - Die wirtschaftlichen Probleme belasten auch den weltgrößten Nutzfahrzeughersteller. Daimler Truck, mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen (Baden-Württemberg), hat angekündigt, eine Milliarde Euro an Kosten einsparen zu wollen. Konzernchefin Karin Rådström hat bereits bestätigt, dass das nicht ohne Personalabbau möglich sei. Dementsprechend groß ist die Sorge der Mitarbeiter des schwäbischen Weltkonzerns, zumal auch noch nicht direkt bekannt ist, wie und wo die Kosten eingespart werden sollten. Eine Betriebsversammlung am Standort Wörth am Rhein (Rheinland-Pfalz), dem größten Lkw-Montagewerk der Welt, konnte nur bedingt Licht ins Dunkel bringen.
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Im Vorfeld der Betriebsversammlung am Dienstag (1. April) hat Daimler Truck die Belegschaft mit einem Schreiben, das der Rheinpfalzvorliegt, über die Maßnahmen informiert. Dort wird zum einen erneut auf die Notwendigkeit der Kostenreduktion verwiesen, zum anderen aber auch direkte Maßnahmen genannt, die das Personal betreffen. Letztendlich konnte die Veranstaltung den Mitarbeitern die Sorge vor der Zukunft aber nicht nehmen. Jüngst hatte der IG Metall-Chef von Mannheim „unfähige Manager“ für den Stellenabbau bei Daimler und Co. verantwortlich gemacht.
Betriebsversammlung bei Daimler Truck in Wörth am Rhein bringt nur etwas Licht ins Dunkel
Das Daimler-Montagewerk Wörth am Rhein ist das größte Werk der Konzernmarke Mercedes-Benz Trucks und beschäftigt nach Konzernangaben zwischen 7.500 und 10.000 Mitarbeiter. Laut der Rheinpfalz war das Interesse an der Betriebsversammlung, der zweiten innerhalb weniger Wochen, derart groß, dass die Veranstaltung auf Leinwänden nach draußen übertragen wurde. Was dort konkret kommuniziert wurde, ist nicht bekannt. Anhand des vorab vom Vorstand verschickten Papiers ist jedoch abzulesen, dass Daimler Truck bei dieser Betriebsversammlung zumindest mehr Details zum Sparprogramm als bei der Veranstaltung Anfang Februar verkündet hat.
In dem Schreiben werden personelle Maßnahmen wie Einschnitte bei der Vergütung und der Erfolgsbeteiligung sowie den verstärkten Einsatz von Zeitarbeitern genannt. Zudem wird laut dem Bericht aber auch betont, dass ein Abbau von Arbeitsplätzen unausweichlich sei. Auf Anfrage der Rheinpfalz erklärte ein Unternehmenssprecher aber, dass der Zukunftsvertrag – die sogenannte „ZuSi“, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 ausschließt – nicht infrage gestellt werde. Die Betriebsräte bei Daimler Truck hatten sich bereits gegen die Sparmaßnahmen gestemmt und erklärt, „Rendite gegen Köpfe“ strikt abzulehnen.
Beim Nutzfahrzeugbauer Daimler Truck soll eine Milliarde Euro an Kosten eingespart werden. Eine Betriebsversammlung konnte den Mitarbeitern die Sorgen nicht nehmen.
Daimler Truck: Betriebsräte fordern, dass Sparmaßnahmen sozial verträglich gestaltet werden
Die neuen Details zum Sparprogramm, die erneut einen Stellenabbau und zudem auch finanzielle Einbußen bestätigen, dürften den Mitarbeitern die Sorgen kaum nehmen können. Die IG Metall-Betriebsräte haben bereits bei der Betriebsversammlung Anfang Februar dem Vorstand von Daimler Truck „sehr laut und deutlich“ ihre Forderungen mitgeteilt, wie es im Mitarbeiter-Informationsblatt TRUX (März 2025) hieß. Konkret fordern sie, dass der Personalabbau sozial verträglich erfolgen soll und tarifliche Sonderzahlungen wie das Weihnachts- und das Urlaubsgeld unangetastet bleiben. Auch beim Schwester-Konzern Mercedes-Benz werden die geplanten Sparmaßnahmen konkreter, die ebenfalls mit einem Personalabbau verbunden sein sollen.