„Kritische“ Lage bei bestimmten Rohstoffen

China stellt Europa vor massives Rohstoffproblem – „Krise in der Versorgung“ möglich

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China hat die Ausfuhr wichtiger Rohstoffe drastisch eingeschränkt. Dazu gehören auch seltene Erden. Aktuelle Zahlen zeigen den Ernst der Lage.

Peking – Europa steht beim Einkauf von Seltenen Erden vor immer größeren Problemen. Seitdem der chinesische Staatschef Xi Jinping die Ausfuhr vieler seltener Rohstoffe unter strenge Restriktionen gestellt hat, werden die Debatten über die Beschaffung immer lauter. Jetzt zeigen sich einige neue Entwicklungen bei der Ausfuhr schwerer Seltener Erden aus China.

China beschränkt Ausfuhr von seltenen Erden – „Südkorea absorbiert das komplette Rohmaterial“

Im September nahmen die Dysprosium-Ausfuhren zu, die von Terbium sanken dagegen. Insgesamt hat China im September knapp mehr als 18.000 Kilogramm Dysprosium verkauft – das größte Volumen seit Februar. Beim Terbium steht ein Rückgang um rund 1.000 Kilogramm auf dem Papier. Fast das gesamte Material ging nach Japan, berichtete der Frankfurter Rohstoffhändler TRADIUM.

Ursula von der Leyen auf der BGD 2025 (Symbolfoto). China hat die Ausfuhr wichtiger Rohstoffe drastisch eingeschränkt. Dazu gehören auch seltene Erden. Aktuelle Zahlen zeigen den Ernst der Lage.

„Auffällig bleibt die enge Fokussierung der Exporte: Japan dominiert klar als Abnehmer. Dysprosium signalisiert ebenfalls eine gewisse Erholung. Allerdings sind die Rohstoffströme noch konzentrierter als bei Terbium. Südkorea absorbiert aktuell das komplette Rohmaterial und hat allein in den ersten neun Monaten 2025 bereits doppelt so viel erhalten wie im gesamten Vorjahr. Für Japan zeigt sich das gegenteilige Bild mit signifikanten Rückgängen, während Deutschland nur marginale Mengen erreicht hat“, sagt Jan Giese, Senior Manager Minor Metals & Rare Earths bei TRADIUM.

Beide Rohstoffe – Dysprosium und Terbium – sind unverzichtbar für die Herstellung von Hochleistungs-Permanentmagneten. Diese wiederum kommen in Elektromotoren, Windkraftanlagen und anderen modernen Technologien vor. Bei der Ausfuhr von Seltenerd-Magneten deutet sich angeblich eine Normalisierung an; die Ausfuhren nehmen tendenziell zu.

Lage bei Germanium „noch kritischer“ – Chinas Beschränkung für Seltene Erde als Auslöser

Noch kritischer gestaltet sich die Lage bei seltenen Rohstoffen, die in den sogenannten Dual-Use-Sektor fallen. Soll heißen: Solche, die sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich Anwendung finden. Dazu gehören die beiden Rohstoffe Gallium und Germanium, für die ebenfalls aktuelle Exportzahlen vorliegen. Seit über zwei Jahren stehen beide Metalle unter chinesischen Exportbeschränkungen.

Für den September gibt die chinesische Zollverwaltung an, dass 5.000 Kilogramm Gallium ausgeführt wurden – 30 Prozent weniger als im August. „Die Gallium-Ausfuhren lagen im September unter dem Vormonat. Die Versorgung ist aktuell begrenzt, aber nicht vollständig ausgesetzt. In den vergangenen Monaten haben nur wenige Empfängerländer Material erhalten“, sagt Giese dazu.

China soll genau steuern, wer Material bekommt, und setzt die Ausfuhr-Restriktionen „kompromisslos“ durch. „An Exporte für militärische Anwendungen ist unter diesen Bedingungen nicht zu denken“. Bei Germanium sei die Lage „noch kritischer“. Die Exporte gingen zwischen August und September um 55 Prozent zurück. Der Löwenanteil ging an Russland. Nur „minimale Mengen“ erreichten Deutschland. Problematisch ist das, weil Germanium in Schlüsselanwendungen steckt, etwa der Wärmebildtechnik.

„Krise in der Versorgung“ – Brüssel warnt vor Engpass bei kritischen Rohstoffen

In Europa schrillen währenddessen die Alarmglocken. Führende Köpfe in der Wirtschaft haben wiederholt davor gewarnt, dass der Kontinent zu langsam damit ist, entsprechende Vorräte an seltenen Erden anzulegen. Das große Problem dabei ist Chinas enorme Dominanz bei seltenen Rohstoffen (inklusive Seltenerdmetallen). Beim Abbau von Seltenen Erden kontrolliert China etwa 60 Prozent der Kapazitäten, bei der Weiterverarbeitung sind es mehr als 90 Prozent.

Militärparade in Peking: China präsentiert unter den Augen von Putin und Kim neue Superwaffen

Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt.
Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt. © Andy Wong/AP/dpa
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking.
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking. © Hector RETAMAL / AFP
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking.
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking. © GREG BAKER / AFP
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt.
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt. © GREG BAKER / AFP
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte.
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen.
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen. © Pedro PARDO / AFP
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking.
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking. © Pedro PARDO / AFP
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking.
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking. © Greg Baker/AFP
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.  © Johannes Neudecker/dpa
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin © Sergei Bobylev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un © Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache © Jade Gao/AFP
Vor Militärparade in Peking
Der chinesische Staatschef Xi Jinping hat zur Militärparade am 3. September illustre Gäste geladen. Darunter ist auch der russische Präsident Wladimir Putin. Schon vor der Parade haben sie bei einem Treffen in Peking ihr gutes Verhältnis betont. Putin und Xi betonten außerdem, zur Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges der jeweils anderen Seite gekommen zu sein. © Sergei Bobylev/dpa
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Am 1. September hatten sich Xi und Putin beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) für eine neue Weltordnung ausgesprochen. Die russlandfreundliche SOZ gilt Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Putin hatte erklärt, das eurozentrische und euroatlantische Modell habe sich überlebt. © dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
544732808.jpg © Pang Xinglei/dpa
Kim Jong un
Kim Jong-un verlässt sein Land überaus selten. Die Militärparade in Peking ist für ihn das erste Treffen mehrerer Staatschefs überhaupt. Es wird erwartet, dass er Xi Jinping und Wladimir Putin in Peking auch zu persönlichen Gesprächen trifft.  © afp
Vor Militärparade in Peking
Wichtige Vertreter aus dem Westen werden bei der Militärparade in Peking nicht im Publikum sein. Dabei ist aber der serbische Präsident Aleksandar Vučić (hier bei seiner Ankunft). © Lintao Zhang/dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
Auch der slowakische Regierungschef Robert Fico ist vor Ort (hier am Flughafen von Peking). Beide stehen vor allem dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe. © Jade Gao/dpa
Militärparade China
China erinnert am 3. September an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg. Nach 2015 zum 70. Jahrestag hält die Volksrepublik damit zum zweiten Mal eine Militärparade anlässlich des Gedenkens an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg ab. Die letzte große Militärparade in Peking fand 2019 statt. Damals erinnerte die herrschende Kommunistische Partei an den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik 1949. © Wang Zhao/afp
Militärparade China
Mit Zehntausenden Männern und Frauen will China bei der diesjährigen Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Sieges im Widerstandskrieg gegen Japan seine Kampffähigkeit unter Beweis stellen.  © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Insgesamt sollen 45 Formationen über den Platz des Himmlischen Friedens in Peking laufen und fliegen. Darunter sind ausgewählte Einheiten des Heeres, der Marine, der Luftwaffe, aber auch der Luftabwehrtruppen.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Zudem will die Staatsführung in der rund 70-minütigen Vorführung Hunderte Panzer und Militärfahrzeuge sowie Kampfflugzeuge und Hubschrauber zur Schau stellen.  © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Schon seit geraumer Zeit trainieren am Stadtrand von Peking Einheiten in der Sommerhitze für die Militärparade.  © Pesro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade fällt in eine Zeit, in der Peking im Südchinesischen Meer und der Taiwanstraße unter westlicher Kritik zunehmend militärischen Druck aufbaut.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Alle gezeigten Waffensysteme sollen aus chinesischer Herstellung stammen. Darunter soll neue, bisher nicht gezeigte Ausrüstung sein, unter anderem Drohnen, elektronische Störsysteme, Hyperschallwaffen sowie Raketen- und Luftabwehrsysteme. © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Die bei der Parade zur Schau gestellten Waffen könnten Hinweise auf einen möglichen zukünftigen Konflikt mit Taiwan liefern. Es wird erwartet, dass dabei eine neue Serie von Anti-Schiffs-Raketen, die Ying Ji („Adlerangriff“), vorgestellt wird. Diese Marschflugkörper sowie ballistische und Hyperschallraketen könnten entscheidend sein in einem Gefecht mit der US-Marine. © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade wird auch die Rolle der Kommunistischen Partei der Volksrepublik beim Sieg über Japan herausstellen. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Dabei sind sich die Historiker außerhalb Chinas weitgehend einig, dass das Hauptverdienst für diesen Sieg Chiang Kai-sheks Nationalisten zukommt, die damals den größten Teil Chinas regierten © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
2015 würdigte die Kommunistische Partei die nationalistischen Soldaten, indem sie Veteranen zur Parade einlud. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Auch ausländische Mächte trugen zur Niederlage Japans bei, darunter die als „Flying Tigers“ bekannten US-Piloten. Sie einzubeziehen, wäre eine versöhnliche Geste gegenüber der Regierung in Washington. © Johannes Neudecker/dpa
Siegesparade Moskau
Als Anerkennung der damaligen Unterstützung der Sowjetunion könnten russische Soldaten mitmarschieren – so wie auch chinesische Soldaten an der Moskauer Parade im Mai teilnahmen. © Kirill Kudryavtsev/afp
Übung zur Militärparade in Peking
In der Militärkapelle spielen laut staatlichen Medien 80 Hornisten mit, die für die 80 Jahre seit der Kapitulation Japans stehen.  © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Die insgesamt mehr als 1000 Musiker stehen in 14 Reihen – Sinnbild für die Jahre des chinesischen Widerstands.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
In der offiziellen Geschichtsschreibung Chinas begann der Krieg mit der japanischen Invasion der Mandschurei 1931. © Wang Zhao/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Groß angelegte Militärparaden in China sind selten. Peking selbst will die Parade und seine wachsende militärische Macht als einen Beitrag zum Frieden verstanden sehen. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
AFP__20250820__69ZJ7G6__v2__HighRes__TopshotChinaJapanHistoryWwiiMilitaryParade.jpg © Pedro Pardo/afp
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Nach der Parade wird Xi voraussichtlich eine Ansprache halten. Beobachter erwarten Kommentare zu den USA und zu Taiwan, das China als Teil der Volksrepublik betrachtet. © Sergei Bobylev/dpa

Jetzt gibt es Pläne in Brüssel, noch vor Jahresende einen Plan zu erstellen, wie die Europäische Union ausreichende Vorräte anlegen kann. Die grobe Idee dabei: Europa will die Diversifikation vorantreiben und unverzichtbare Rohstoffe aus anderen Ländern kaufen als China.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte dazu Ende Oktober zu EU-Gesetzgebern: „Eine Krise in der Versorgung für kritische Rohstoffe ist nicht länger ein entferntes Risiko“. Abgesehen von der extremen Dominanz Chinas hat die EU dabei noch das Problem, dass sie bei dieser Entwicklung mit den USA in Wettbewerb tritt. Laut der Financial Times haben die Staaten unter Präsident Donald Trump bereits mit einer großen Einkaufsrunde begonnen und eine Milliarde US-Dollar ausgegeben, um ihre eigene Versorgung mit Mineralien zu sichern.

Europa will Selten-Erd-Versorgung aufbauen – auch dabei gibt es Probleme

Innerhalb der EU ist der sogenannte Critical Raw Materials Act für die Dach-Strategie der Diversifikation verantwortlich. Dieser legt verschiedene Ziele fest, nach denen die EU im Recycling, im Einkauf und in der Produktion bestimmte Anteile nur noch aus EU-Kapazitäten liefern darf.

Um zu verhindern, dass andere Länder ausreichende Kapazitäten für die Verarbeitung und Herstellung aufbauen, hat China auch die Ausfuhr von entsprechendem Know-how unter Restriktionen gestellt. Innerhalb von Europa gibt es zuletzt das Problem, dass die Verarbeitung von Seltenen Erden teilweise den Einsatz giftiger Chemikalien verlangt – etwas, das auch Klimaschützer auf den Plan rufen kann, sollten entsprechende Unternehmen an den Start gehen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Eventpress

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