Güterbahn schlägt Alarm

Sanierung der Bahn: Betriebskosten der Güterbahnen explodieren – Abkehr von der Schiene befürchtet

+
Der Schienengüterverkehr sorgt sich um ihre Kundschaft.
  • schließen

Die geplante Schienensanierung der Deutschen Bahn könnte den Güterverkehr verteuern. Mehrkosten von 1,5 Milliarden Euro werden erwartet. Die erste Baustelle ist die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim.

Frankfurt – Gleich nach der Fußball-Europameisterschaft beginnt die Sanierung der Riedbahn - einer Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim. Sie ist der erste von 41 sogenannten Korridoren in ganz Deutschland, die die Deutsche Bahn (DB) im Rahmen ihrer Generalsanierung bis 2030 modernisieren will. Dafür sind jeweils fünfmonatige Totalsperrungen vorgesehen, auf denen die Züge auf Ausweichstrecken umgeleitet werden. Davon ist nicht nur der Personennah- und -fernverkehr betroffen, sondern vor allem auch der Güterverkehr. Und für den dürfte es teuer werden.

Umleitungen in ganz Deutschland könnten Unternehmen 1,5 Milliarden Euro kosten

Denn einige der geplanten Vollsperrungen haben es in sich: Umleitungen von bis zu 320 Kilometern für täglich bis zu 80 Züge zum Beispiel zwischen Obertraubling und Passau lassen die Betriebskosten der Güterbahnen explodieren. Schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro dürften bei den Unternehmen auflaufen, teilten die Güterbahnen am Donnerstag (27. Juni) mit. In dem Verein mit Sitz in Berlin sind mehr als einhundert deutsche und internationale Firmen mit Bezug zum Schienenverkehr organisiert. Träger ist das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen.

Generalsanierung der Riedbahn

Die Bahnstrecke Frankfurt - Biblis - Mannheim wird vom 15. Juli bis 14. Dezember 2024 vollständig gesperrt und saniert. Fern- und Güterzüge werden umgeleitet; der Regionalverkehr wird von mehr als tausend Busfahrten täglich ersetzt. Alle Details in unserem Dossier zur Generalsanierung der Riedbahn.

Bund und Länder hätten die geforderten Kompensationszahlungen für den Güterverkehr abgelehnt, sagte Geschäftsführer Peter Westenberger. Deshalb wolle man das Thema an die nächste Bundesregierung herantragen und die DB zu umso stärkeren Anstrengungen aufrufen, die Umleitungen kurz zu halten. Die Mehrkosten entstünden durch längere Strecken und mehr Personal. „Je länger der Umleiter, desto höher die Kosten und desto wahrscheinlicher, dass die Unternehmen den Zuschlag gegen eine Lkw-Spedition verlieren“, so Westenberger.

Straße versus Schiene: Sperrungen machen Güterverkehr unattraktiv

Güterbahnen würden ohne Ausgleichszahlungen auf den gesperrten Strecken preislich und in puncto Verlässlichkeit deutliche Nachteile gegenüber Lastwagen haben. Auch würden manche Umleitungsstrecken gar nicht die Menge an Zügen oder auch deren Länge aufnehmen können. Die Mehrkosten würden auf die Kundschaft umgelegt werden. Wenn diese aber die nötigen Preiserhöhungen nicht akzeptierten, müsste das Angebot reduziert werden. Dies schade dem Ziel, mehr Güter auf die Schiene zu bringen.

Es bestehe die Gefahr, dass der Schienengüterverkehr dauerhaft Kundschaft verliert. Eine Abwanderung vom Gleis auf die Straße habe man bei der Brennersperrung in Österreich beobachtet. Westenberger kritisiert, dass der Bund nicht die Verursacherkosten sieht und moniert eine „erhebliche Unkenntnis in der Spitzenpolitik über die gesetzlichen Bedingungen im Eisenbahnmarkt“.

Güterbahn hat Bedenken wegen Zeitplanung und Ergebnis der Sanierungen

Darüber hinaus gibt es weitere Bedenken: So seien erst neun von 41 Konzepten bekannt. Allein bei diesen sollen bei fünf die Unterbrechungen über die angekündigten fünf Monate verlängert werden. DB InfraGO habe bekanntgegeben, dass das Vorhaben Hamburg – Berlin nur in zehn Monate umsetzbar sei. Bis zu 195 Kilometer Umweg bedeute das für Güterzüge. Zusammengerechnet wären das schon jetzt 18 Monate mehr als angekündigt, so Westenberger. Überhaupt sei nur ein Drittel aller geplanten Umleitungen für den Güterverkehr unproblematisch.

Auch sei nicht gewährleistet, dass die Sanierungen die versprochene Verbesserung auf allen Korridoren bringen. Auf der Strecke Nürnberg-Passau solle es etwa doch keine 740-Meter-Überholgleise geben. Auf der Riedbahn werde das neue Zugbeeinflussungssystem ETCS nur vom Fernverkehr nutzbar sein, so Westenberger.

Kommentare