VonMarkus Hofstetterschließen
Ob Umsatz, Gewinn oder Marge – im Vergleich zur internationalen Konkurrenz schneiden die deutschen Autohersteller schlechter ab. Doch es gibt Hoffnung.
Stuttgart – Die deutschen Autohersteller kommen nicht auf die Beine. Eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft EY zeigt die ernste Lage von BMW, VW und Mercedes-Benz. Demnach verzeichneten die deutschen Konzerne im dritten Quartal 2025 einen Gewinnrückgang von 76 Prozent. Das gemeinsame EBIT belief sich nur noch auf 1,7 Milliarden Euro, der niedrigste Stand seit dem dritten Quartal 2009.
Deutsche Autobauer mit niedrigstem Quartalsgewinn seit 2009: Schlechter als alle andere Autonationen
Im internationalen Vergleich, bei dem insgesamt 19 Unternehmen berücksichtigt wurden, sind die deutschen Autobauer damit weit abgeschlagen. „Sowohl beim Umsatz als auch bei der Gewinn- und Margenentwicklung entwickelten sich die deutschen Konzerne in Summe schlechter als alle anderen Autonationen“, heißt es in der Studie. Nur beim Pkw-Absatz lagen die japanischen Hersteller mit einem Rückgang von einem Prozent hinter den deutschen.
Die Studie nennt auch Gründe für die schwierige Lage der deutschen Autobauer. „Die weltweite Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise – allerdings sind es derzeit die deutschen Autokonzerne, die besonders stark leiden“, erklärt EY-Autoexperte Constantin Gall. „Die allgemeine Schwäche des Premiumsegments, die US-Zollpolitik, negative Wechselkurseffekte, hohe Investitionen in Elektroautos, die sich bislang nicht amortisieren, und hohe Restrukturierungsausgaben: All das sorgt aktuell für einen perfekten Sturm, gerade für die deutschen Autobauer.“
Deutsche Autobauer mit niedrigstem Quartalsgewinn seit 2009: China-Schwäche macht sich bemerkbar
Hinzu kommt, dass sie vom Wandel auf dem chinesischen Markt besonders stark betroffen sind. Deren Verkäufe gingen im Vergleich zum dritten Quartal 2024 um neun Prozent zurück. Aktuell entfallen nur noch 29 Prozent des Pkw-Absatzes der deutschen Autokonzerne auf China, im Jahr 2020 waren es mit 39 Prozent noch deutlich mehr.
„Der chinesische Absatzmarkt ist aktuell extrem wettbewerbsintensiv, und wegen der schwachen Konjunktur verkaufen sich Premium-Fahrzeuge schlechter als in den Vorjahren“, erklärt Gall die China-Schwäche der deutschen Unternehmen. „Vor allem aber wächst der Absatz von Elektroautos stark – und hier ziehen die Chinesen einheimische Marken den etablierten westlichen Konzernen eindeutig vor.“ Zwar versuchten die westlichen Autobauer gegenzusteuern, doch ein Ende des Abwärtstrends in China sei aktuell nicht abzusehen. Damit entfalle ein wichtiger Markt, der in früheren Jahren zuverlässig für hohe Gewinne gesorgt habe.
Deutsche Autobauer mit niedrigstem Quartalsgewinn seit 2009: Profitabelster Konzern ist Suzuki
Die 19 größten Autokonzerne der Welt konnten ihren Umsatz im dritten Quartal insgesamt um 4,1 Prozent auf 531 Milliarden Euro steigern. Der Pkw-Absatz erhöhte sich mit 3,8 Prozent ähnlich stark. Ihr Gewinn vor Zinsen und Steuern schrumpfte jedoch um 37 Prozent auf rund 18,9 Milliarden Euro. Das ist der niedrigste Wert seit 2018.
Im Schnitt erreichten die Autobauer nur noch eine Marge von 3,9 Prozent, nach 6,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der profitabelste Autokonzern der Welt im dritten Quartal war Suzuki mit einer Marge von 9,2 Prozent. Dahinter folgt BMW mit 7,0 Prozent. Die technologieoffene Strategie der Münchner zahlt sich offenbar weiterhin aus. Auf Platz drei liegt Toyota mit 6,8 Prozent.
Deutsche Autobauer mit niedrigstem Quartalsgewinn seit 2009: Hersteller aus China holen auf
Die drei chinesischen Autokonzerne im Ranking, BYD, Geely und Great Wall Motors (GWM), lagen im dritten Quartal im Umsatzranking auf den Plätzen 11, 15 und 17. Sie ließen die meisten anderen Unternehmen aber bei der Umsatzentwicklung weit hinter sich. So schaffte Geely ein Umsatzplus von 26 Prozent, GWM von 21 Prozent. Der Absatz der beiden Unternehmen legte um 43 beziehungsweise 20 Prozent zu. Allerdings schrumpfte die Gewinnmarge der drei chinesischen Hersteller gegenüber dem Vorjahr von 6,0 auf 4,9 Prozent, der Gewinn ging um 14 Prozent zurück. Hintergrund ist der harte Preiskampf auf dem chinesischen Markt.
„Einige chinesische Konzerne haben sich inzwischen als sehr ernstzunehmende Global Player etabliert, zeigen eine beeindruckende Wachstumsdynamik und gewinnen auf immer mehr Märkten außerhalb des chinesischen Heimatmarkts an Bedeutung – und setzen damit die etablierten westlichen Konzerne enorm unter Druck“, so Gall. Dank durchdigitalisierter Prozesse in Forschung und Entwicklung, kleinerer Verwaltungsapparate und modernster Produktionsmethoden lägen sie bei Entwicklungsgeschwindigkeit und Agilität deutlich vor den meisten Wettbewerbern.
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Deutsche Autobauer mit niedrigstem Quartalsgewinn seit 2009: Maßnahmen machen sich bezahlt
Die deutschen Konzerne haben die Zeichen der Zeit inzwischen jedoch erkannt und versuchen, deutlich schneller zu werden und die Entwicklungskosten in den Griff zu bekommen. Die Talsohle scheint für die deutschen Autobauer erreicht zu sein. „Es bleibt die Hoffnung, dass das bilanzielle Reinemachen bald abgeschlossen sein wird und auch die Kostensenkungsmaßnahmen rasch Früchte tragen und zu einer verbesserten Marge beitragen”, so Gall. Der aktuelle Personalabbau, vor allem am Standort Deutschland, ist zwar mit hohen Einmalkosten verbunden, dürfte aber mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.
Gall betont zudem, dass die strategische Neuausrichtung, also das Festhalten an der Verbrenner-Technologie, zunächst hohe Kosten verursacht, sich aber auszahlen dürfte. Denn die Hoffnungen auf einen schnellen Hochlauf der Elektromobilität haben sich nicht annähernd erfüllt. Zumindest auf den westlichen Absatzmärkten steigen die Absatzzahlen nur leicht. „Die ganz große Mehrheit der Autokäufer greift weiterhin zum Verbrenner, zumeist mit Hybrid-Technologie.“ Den deutschen Herstellern dürfte es entgegenkommen, dass die EU-Kommission das bislang für 2035 geplante Aus für neue Verbrenner voraussichtlich kippen will.
Positive Prognosen für den deutschen Automarkt: Verkäufe sollen anziehen
Für den deutschen Automarkt scheint es im kommenden Jahr bergauf zu gehen. Laut einer Prognose des Händlerverbandes ZDK soll die Zahl der Pkw-Neuzulassungen im Jahr 2026 um 3,5 bis 4 Prozent auf rund 2,95 Millionen Fahrzeuge steigen. Davon sollen 1,1 Millionen Fahrzeuge einen batterieelektrischen Antrieb haben, darunter reine Elektroautos (BEV) und Plug-in-Hybride (PHEV).
Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) erwartet hingegen ein moderates Plus von zwei Prozent auf 2,9 Millionen Neuzulassungen. Für Elektro-Pkw rechnet der VDA im Jahr 2026 mit rund 979.000 Neuzulassungen – ein Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Jahr 2025. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die geplante neue Förderung der Bundesregierung rasch umgesetzt wird.
Von dieser Entwicklung könnten vor allem die deutschen Hersteller profitieren. Denn laut einer aktuellen Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte bevorzugt jeder zweite Käufer hierzulande ein deutsches Auto. 36 Prozent wären sogar bereit, einen Aufpreis dafür zu zahlen.
Methodik der EY-Studie zu den Autobauern
Für die quartalsweise erscheinende Studie verwendet EY eigenen Angaben zufolge unter anderem Geschäftsberichte, Quartalsberichte und Pressemitteilungen der Unternehmen als Quellen. Untersucht wurde jeweils das Gesamtgeschäft der Gruppe inklusive etwaiger Finanzdienstleistungen.
Für die Umrechnung der Berichtswährungen in Euro wurde stets der Durchschnittskurs der Monate Januar bis Juni herangezogen. Betrachtet wurden die 19 größten Autokonzerne weltweit.
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