„Riesengroße Kapitalvernichtung“

KI-Blase – was geschieht, wenn der Crash kommt

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Im KI-Markt droht ein gewaltiger Crash. Das jedenfalls sehen immer mehr Markt-Akteure voraus. Wie würde ein solcher Crash aussehen?

Washington, D.C. – Gleich mehrere führende Köpfe der Wirtschaft werden nervös. Sowohl Amazon-Chef Jeff Bezos als auch Bill Gates von Microsoft haben innerhalb der vergangenen Wochen vor der Existenz einer neuen Bubble an den Aktienmärkten gewarnt. Jamie Dimon von JPMorgan Chase glaubt immerhin an eine Korrektur. Diese Bubble soll ausgerechnet im KI-Markt entstanden sein. Was steckt dahinter und wie schlimm wird es?

KI-Bubble könnte platzen – drei Szenarien für den Crash an der Börse

Die große Frage bei alldem: Wie sieht der Crash aus, sollte er tatsächlich kommen? Um eine annähernde Prognose zu liefern, hat der Spiegel drei Szenarien berechnet und in jedem davon eine andere Schwere des Crashes vorausgesetzt. Der Dreh- und Angelpunkt für diese Berechnungen ist die Wertentwicklung der sogenannten Magnificent Seven – der sieben größten und teuersten Konzerne der Welt (Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia, Tesla). Hier eine Übersicht:

SzenarioAuswirkungen M7Auswirkungen restlicher IndexVerlust MSCI World-IndexErholungsdauer
1Alle sieben Tech-Giganten verlieren 50 Prozent ihres Börsenwerts0Minus zwölf ProzentVoraussichtlich wenige Monate
2Alle sieben Tech-Giganten verlieren 50 Prozent ihres BörsenwertsAlle anderen Aktien minus 20 Prozent, über zwölf MonateMinus 27,2 ProzentVoraussichtlich weniger als sechs Jahre
3Alle sieben Tech-Giganten brechen um 70 Prozent einAlle anderen Aktien im Index minus 30 Prozent, über zwölf MonateMinus 39,6 ProzentDotcom-Blase war schlimmer und brauchte 6,6 Jahre für die Erholung

Im Laufe der vergangenen Monate kam immer mehr Skepsis daran auf, wie nachhaltig das derzeitige Börsenwachstum tatsächlich ist. Ein Blick auf die Indizes zeigt, wie stark die Entwicklung war: Beim S&P 500 steht seit 2020 ein Wachstum um fast 95 Prozent auf dem Papier, beim Tech-Index Nasdaq sind es 99,45 Prozent. „Up, up, up“ gibt es nicht nur bei Netflix, sondern an der gesamten Börse – getrieben vom KI-Boom. Markt-Schwergewichte wie Amazon-Chef Jeff Bezos äußerten Sorge über einen möglichen Crash. Das hat verschiedene Gründe.

Kreislaufwirtschaft in der KI-Branche – „schwierig, die wirkliche Ökonomie zu verstehen“

Einer davon ist eine gewisse Kreislaufwirtschaft, die sich im Rahmen von KI-Investments etabliert hat. Analysten der Großbank Morgan Stanley gaben dazu an, die KI-Industrie entwickele sich „zunehmend zirkulär“: Versorger finanzieren Kunden, Kunden investieren in Versorger und Käufer-Kunde-Gewinnvereinbarungen. „Die Natur und Komplexizität dieser Arten von Transaktion macht es für Investoren schwierig, die wirkliche Ökonomie dahinter zu verstehen“, zitiert das Finanzblatt Financial Times die Bank.

Jeff Bezos in Italien (Symbolfoto). Im KI-Markt droht ein heftiger Crash. Das zumindest sehen immer mehr Markt-Akteure voraus. Wie würde ein solcher Crash aussehen?

Begonnen hatte der KI-Hype grob gesagt im Jahr 2022, als OpenAI den neuen Chatbot ChatGPT vorgestellt hatte. Seitdem haben Unternehmen rund um den Globus versucht, KI in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren oder gar eigene KI-Tools zu entwickeln. Beispiele für die Umsetzung im Unternehmen sind die Neugestaltung von Arbeitsabläufen im Zuge der Implementierung generativer KI oder die Besetzung wichtiger Positionen mit Führungskräften. Eine McKinsey-Studie aus dem Frühjahr 2025 zeigt außerdem, dass Unternehmen daran arbeiten, die zunehmenden Risiken im Zusammenhang mit solchen KI-Modellen zu minimieren. Darüber hinaus stellen sie neue Mitarbeiter für KI-bezogene Positionen ein.

„Wirkliche wirtschaftliche Zerstörung“ durch KI-Bubble – wegen massiver Schulden?

Das immer weiter wachsende Netz an Abhängigkeiten innerhalb des KI-Sektors löst jetzt die Sorge aus, dass ein neues Level an systemischen Risiken innerhalb der Industrie erreicht werden könnte – und dass die Industrie womöglich schon „Blasen-Territorium“ erreicht hat. Die vorher angesprochene Zirkularität führt bereits zu Fragen, wie nachhaltig die Gewinne innerhalb der KI-Wirtschaft tatsächlich sein werden. Erste Ökonomen sehen Parallelen zur Dotcom-Blase Ende der Neunziger.

Andere gehen davon aus, dass es nur dann wirklich schlimm wird, wenn große Teile der KI-Investments durch Kredite erledigt werden. „Ich mache mir keine Sorgen um zirkuläre Investments, solange sie nicht nur über Kredite finanziert sind“, sagt Bill Janeway, ein früheres Vorstandsmitglied der Investmentfirma Warburg Pincus. Die „wirkliche wirtschaftliche Zerstörung“ würde dann stattfinden, wenn Unternehmen aufgeben müssen und vorher Geld geliehen haben, das sie nicht zurückzahlen können.

Schuldenberge in KI-Wirtschaft – „riesengroße Kapitalvernichtung“ befürchtet

Problematisch dabei: Schulden spielen bereits eine größere Rolle beim großen KI-Aufbau. Erst kürzlich wurde beispielsweise bekannt, dass Elon Musks xAI Schulden über 12,5 Milliarden US-Dollar aufnehmen will. Gegenüber n-tv sprach der Hedgefonds-Milliardär David Einhorn von Zahlen, die „derart extrem“ seien, dass man „sie kaum noch begreifen kann“. Es bestehe durchaus das Risiko einer „riesengroßen Kapitalvernichtung“ noch im aktuellen Investmentzyklus.

Eine Analyse des MIT vom Sommer 2025 zeigte, dass einige KI-Unternehmen innerhalb kürzester Zeit dank taktischer Kooperationen und eines guten KI-Modells erhebliche Gewinne zu verzeichnen hätten. Allerdings sei mit 95 Prozent die überwältigende Mehrheit zum Scheitern verurteilt und macht angeblich keine größeren Gewinne. Die größte Schwierigkeit dabei ist angeblich das fehlende Lernverhalten von Modellen wie ChatGPT. Weil sie weder von Workflows lernen noch sich weiterentwickeln, findet innerhalb des Modells eine Stagnation statt.

Wie geht es also weiter? Der Spiegel gibt sich noch optimistisch: Investoren könnten ja einfach aus dem Tech-Sektor wegschichten und sich anderen Branchen zuwenden. Wer an der Börse breit diversifiziert, hat grundsätzlich weniger Probleme als jemand, der alles auf eine Branche oder einen Trend setzt.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press

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