Russland im Ölpreisdebakel: Putins Schattenflotte kämpft mit Problemen
VonNils Thomas Hinsberger
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Russlands Ölexporte sind in einer schweren Krise durch westliche Strafmaßnahmen. Die EU intensiviert ihren Kampf gegen die Schattenflotte, während die Preise für Öl abstürzen.
Moskau – Russlands goldene Jahre im Ölhandel scheinen gezählt. Massive Sanktionspakete der EU haben die Exporte bereits schwer getroffen. Am Freitag (21. November) traten zusätzlich dazu die neuen Sanktionen der USA in Kraft. Die russischen Energieriesen Lukoil und Rosneft bekommen die Auswirkungen bereits zu spüren. In Bulgarien muss Lukoil die größte Raffinerie auf dem Balkan samt anhänglicher Infrastruktur verkaufen.
Doch trotz massiver Handelseinschränkungen kann Russland über seine berüchtigte Schattenflotte weiter Öllieferungen durchführen – zumindest bis jetzt. Europa hat die unter falscher Flagge fahrenden Tanker jetzt erneut ins Visier genommen, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). „Wir wollen sie abschaffen“, habe der polnische Außenminister Radosław Sikorski am Donnerstag (20. November) angekündigt.
EU nimmt Putins Schattenflotte ins Visier – Viele Tanker umgehen die Blockade mit simplem Trick
Grundsätzlich klingt der Kampf gegen die Schattenflotte einfach. Schiffe mit russischem Öl werden identifiziert, mit einem Einfuhrverbot belegt und werden daran gehindert, das Öl, mit dem Kreml-Chef Wladimir Putin seinen Ukraine-Krieg finanziert, zu verschiffen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron klagte aber über ein Katz-und-Maus-Spiel, berichtete der Deutschlandfunk. Denn um den Sanktionen zu entgehen, würden die Tanker immer wieder ihre Flagge und ihren Namen wechseln. Das mache eine Verfolgung mit den konventionellen Mitteln schwer.
Die FAZ berichtet von einem Diskussionspapier aus Paris. In diesem fordere die französische Regierung, „proaktiv“ gegen die Schiffe vorzugehen. Die EU-Staaten sollen dafür ihre Informationen zentralisieren. „Die Schattenflotte stellt eine globale Bedrohung für die internationale Gemeinschaft und insbesondere für die Küstenstaaten dar“, zitiert die Zeitung weiter aus dem Papier. Denn die Tanker transportierten nicht nur Öl: Von einem Schiff, das Frankreich festgesetzt hatte, sollen Drohnen gestartet worden sein, die in den dänischen Luftraum eingedrungen sein sollen.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Russlands Öl-Pleite – Sanktionen drücken Putins Einnahmen im Ukraine-Krieg
Während der Kampf der EU gegen die Schattenflotte anhält, machen sich auf dem russischen Ölmarkt weitere Probleme für Putins Kriegswirtschaft breit. Denn die US-Sanktionen sorgen nicht nur dafür, dass Lukoil und Rosneft ihre Unternehmenswerte im Ausland möglichst teuer verkaufen müssen. Sie drücken auch massiv den Preis für russisches Öl auf dem Weltmarkt. Die Welt berichtete unter Berufung auf die Agentur Argus Media, dass der Preis für ein Barrel russischen Öls der Sorte „Urals“ derzeit bei 36,61 Dollar liege (Stand 13. November). Der Fall lasse sich mit Blick auf den Vortag deutlich erkennen: Am 12. November habe das Barrel noch 41 bis 42 Dollar gekostet.
Nicht nur, dass die Preise für russisches Öl sinken. Auch die Abnehmer scheinen sich wegen der Sanktionen vom Kreml abzuwenden. Der lange zuverlässige Partner Indien schreckt Medienberichten zufolge immer mehr vor dem Import von russischem Öl immer zurück. Die BBC berichtete zuletzt, dass Reliance Industries die Einfuhr von russischem Öl eingestellt habe. Reliance Industries betreibt neben diversen Geschäftsbereichen auch mehrere Raffinerien. Das Weiße Haus habe die „Kursänderung“ Indiens begrüßt und hoffe auf Fortschritte bei den Handelsgesprächen mit dem Land.
Laut der Economic Timesbereite sich mit China sogar noch ein wichtiger Partner Russlands auf die US-Sanktionen vor. Banken und Raffinerien in dem ostasiatischen Land bereiten sich laut dem US-Finanzministerium auf die Einhaltung der westlichen Sanktionen vor, um die Beziehungen zum Westen nicht zu gefährden. Damit könnte sich zeigen, dass die US-Sanktionen die russischen Vergünstigungen für China und Indien mittlerweile übertrumpfen.
US-Vorstoß für Frieden im Ukraine-Krieg lässt Ölpreise sinken
Im Oktober stiegen die Preise für westliches Öl im Zuge der angekündigten Sanktionen gegen Russland an. Die Tagesschau berichtete, dass ein Barrel der US-Ölsorte WTI an einem Tag im vergangenen Monat um ganze 5,1 Prozent angestiegen ist. Entspannung auf dem Ölmarkt könnte jetzt aber ein neuer Plan der US-Regierung für ein Ende im Ukraine-Krieg bieten.
Mehrere US-Medien berichteten, dass US-Vertreter, darunter auch der Sondergesandte Steve Witkoff, Friedensgesprächen mit Vertretern Russlands und der Ukraine führen würden. Laut dem Branchendienst easyoil sind sich die Investoren allerdings noch nicht sicher, ob sie lieber auf einen Erfolg der Friedensinitiative der Vereinigten Staaten, oder gegen sie setzen sollten. Bei einem Ende des Ukraine-Kriegs könnten die Preise weiter fallen. Jedoch würden damit auch die Rabatte Russlands für Indien und China aufgehoben werden, was die Importe für die Länder teurer machen würde.
Sollte der Krieg aber unvermindert weiterlaufen, könnte das die Preise deutlich anziehen und auch für westliche Kunden höhere Kosten bedeuten, auch wegen der US-Sanktionen. Ein gewisser Optimismus sei am Markt allerdings zu spüren. Doch ob sich die Ukraine für den Plan aus Washington entschiedet, der etwa Gebietsabtritte, eine teilweise Entmilitarisierung und ein Ende der Nato-Beitrittsgesuche bedeuten würde, darf ernsthaft angezweifelt werden. (Quellen: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Deutschlandfunk, Welt, BBC, Economic Times, Tagesschau, easyoil) (nhi)