Das Putin-Regime meldet einen Import-Einbruch von sanktionierten westlichen Waren. Für Russlands Wirtschaft ist das ein weiterer Rückschlag.
Moskau – Die EU will Russlands Fähigkeit zur Kriegsführung gegen die Ukraine einschränken. Das Mittel der Wahl sind dabei Sanktionen. Diese richten sich zum einen gegen die Importe von fossilen Energien wie Erdöl und Gas, die dem Regime von Wladimir Putin wichtige Einnahmen für die Kriegswirtschaft bescheren. Umgekehrt sollen keine Güter mehr nach Russland gelangen, die direkt für Waffen oder in der Produktion eingesetzt werden können. Der Kreml hat jedoch ein System geschaffen, um diese Sanktionen zu umgehen.
Putins Regierung muss einen Einbruch des Imports von sanktionierten Gütern aus dem Westen melden, gibt jedoch die erfolgreiche eigene Produktion als einen Grund an. (Archivfoto)
Eine ganze „Schattenbranche“ soll Russland helfen, trotz Sanktionen an sanktionierte westliche Güter zu gelangen. „Insgesamt zeigt sich, dass die staatlich gesteuerten russischen Beschaffungsnetzwerke mit enormem finanziellen und logistischen Einsatz Umgehungsstrategien schmieden, um die von der Europäischen Union und ihren Partnerstaaten – wie dem Vereinigten Königreich und den USA – verhängten Sanktionen mit immer neuen Methoden zu umgehen“, beobachtet etwa das deutsche Wirtschaftsministerium. Die Güter kommen dabei häufig aus Drittstaaten, welche die Sanktionen nicht mittragen. Vor allem im Fokus ist dabei Kasachstan.
Putin-Regime meldet Einbruch von westlichen Importen: Leidet die „Schattenbranche“ unter Sanktionen?
Das Putin-Regime spricht dabei von „Parallelimporten“, die 2022 als „vorübergehende Antikrisenmaßnahme“ eingeführt worden sei. Damit erlaubt die russische Regierung den Import ausländischer Produkte ohne Zustimmung des Urheberrechtsinhabers. Durch dieses System fanden laut verschiedenen Untersuchungen westliche Güter, etwa Elektronik, ihren Weg in Waffensysteme, die Russlands Militär in der Ukraine eingesetzt hat. Doch nicht nur kriegswichtige Technologie und sogenannte „Dual-Use“-Güter, die sowohl zivil, als auch militärisch eingesetzt werden, sind betroffen. Auch Alltagstechnik wie Smartphones gelangt so nach Russland – gegen den Willen der Hersteller.
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Inzwischen verzeichnet Russlands Ministerium für Industrie und Handel jedoch einen deutlichen Einbruch der „Schattenbranchen“-Importe. Bis 2025 sei das Volumen der „Parallelimporte“ auf durchschnittlich zwei Milliarden US-Dollar pro Monat gesunken. Zur Einführung des Mechanismus seien es vier Milliarden US-Dollar gewesen, erklärte die staatliche Agentur TASS.
Russlands Wirtschaft meldet Einbruch der West-Importe um 45 Prozent – allein 2025
Doch auch kurzfristig muss Russland einen deutlichen Einbruch der Einfuhr westlicher Güter hinnehmen. Zwischen Januar und November wurden laut dem russischen Exilmedium Moscow Times Waren im Wert von 20,9 Milliarden US-Dollar importiert. Im Vergleich zum Vorjahr entspreche das einem Rückgang von 45 Prozent, erklärte das Medium mit Verweis auf den russischen Handelsminister Antin Alikhanov. Damit sei die ursprüngliche Prognose von 25 Milliarden Dollar nicht mehr relevant.
Das Putin-Regime gibt an, die „erfolgreiche Anpassung der Wirtschaft an den Sanktionsdruck, das Wachstum der heimischen Produktion“ sowie ein „gestiegenes Angebot ähnlicher Produkte aus befreundeten Ländern“ seien für den Rückgang verantwortlich. Auch politische Entscheidungen spielten laut TASS eine Rolle: Sie habe die Liste der für die „Parallelimporte“ zugelassenen Waren in den Kategorien Kosmetik, Elektronik und Leichtindustrie reduziert.
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Dagegen hat etwa die EU bei den Sanktionen nachgesteuert, um einen Weiterverkauf aus Drittstaaten nach Russland zu verhindern. Das schließt etwa verpflichtende Klauseln in Verträgen beim Handel ein, die den Wiederverkauf verbieten.
Stau an der Grenze hindert Importe nach Russland
Die Importe seien Ende 2025 zudem beeinträchtigt worden, nachdem Putin eine strengere Überwachung von Waren angeordnet hatte, die über Kasachstan transportiert werden, erklärte die Moscow Times. Behörden können demnach, Sendungen ohne vollständige Dokumentation beschlagnahmen. Das führe zu langen Verzögerungen an der Grenze. Bis November würden bis zu zehn Prozent der russischen Importe an der kasachischen Grenze feststecken, so das Exilmedium mit Verweis auf Importeure und Logistikunternehmen. (Quellen: TASS, Moscow Times, Bundeswirtschaftsministerium, Europäische Kommission)