Schwerer Schlag für Putin – Russlands Öl-Wirtschaft steht vor Mega-Verlusten
VonLars-Eric Nievelstein
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US-Sanktionen versetzen Russlands Wirtschaft einen heftigen Schlag. Konkret betrifft das die Öl-Riesen Lukoil und Rosneft. Putin hat noch Chancen.
Moskau – Der russische Öl-Titan Lukoil steht vor massiven Verlusten seiner Assets. Wichtige Handelspartner wenden sich von Russland ab, im Inland herrscht immer noch die Treibstoffkrise und die Einnahmen aus dem Verkauf von Öl-Exporten bleiben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Hinter alldem stecken neue US-Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft, die derzeit für Umwälzungen an den Märkten sorgen. Trotz allem hat Russland noch eine Chance, sein Öl loszuwerden.
Rückschlag für Russlands Wirtschaft – massive Abschläge halten die Ölverkäufe am Leben
Allerdings ist es eine eher schmerzhafte. Wie das aussieht, zeigen die neuen Abschlagszahlen auf russisches Öl. In Reaktion auf neue US-Sanktionen gegen die zwei Mega-Konzerne Lukoil und Rosneft hat Russland offenbar kräftig an der Preisschraube gedreht: Der Abschlag für Urals-Rohöl in den Häfen Primorsk und Noworossijsk gegenüber der Referenzsorte Brent stieg am 10. November auf 19,40 US-Dollar pro Barrel (ein Barrel sind 159 Liter).
Zum Vergleich: Anfang November hatte er noch bei 13 bis 14 US-Dollar gelegen. Und bevor US-Präsident Donald Trump seine neuen Sanktionen verkündet hat, im Oktober, lag der Abschlag bei lediglich elf bis zwölf US-Dollar. Das berichtete die russische Zeitung Kommersant unter Berufung auf Branchendaten.
Pro Barrel verliert Russland also durch die Abschläge gegenüber dem Oktoberwert rund acht US-Dollar pro Barrel. Eine Beispielrechnung des Center for Strategic and International Studies (CSIS) spricht davon, dass Russland pro Tag 7,3 Millionen Barrel an Ölexporten verkauft. Die Verlustmenge würde sich also grob auf 58,4 Millionen US-Dollar pro Tag belaufen (50,4 Millionen Euro), angenommen, der Abschlag gilt für alle russischen Exporte. Und dabei geht es lediglich um den Pluswert, nicht um den kompletten Abschlag, den Russland schon anbieten muss.
Putin wird sein Öl nicht los – West-Sanktionen sollen Russlands Wirtschaft schaden
Es ist nicht das erste Mal, dass Russland mit kräftigen Abschlägen auf westliche Sanktionen reagiert. Nachdem der Kreml 2022 den Ukraine-Krieg losgetreten hatte und Europa als Käufer für seine Energieexporte weggebrochen war, hatten asiatische Länder wie China und Indien die Chance genutzt. Der Gedankengang dahinter war simpel: Russland hatte entweder die Wahl, auf seinem Öl sitzen zu bleiben oder es für viel weniger Einkommen zu verkaufen als üblich.
Russland wählte Zweiteres. Seit 2022 verkauft das Land sein Öl teilweise erheblich unter Wert. Weil der Ölsektor aber für Russlands Wirtschaft unverzichtbar wichtig ist, musste Moskau dies in Kauf nehmen. Der Verkauf von Energieexporten macht rund 20 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts aus. Laut dem Oxford Institute for Energy Studies sorgten Gewinne aus der Öl- und Gasindustrie, über die letzten zehn Jahre betrachtet, für zwischen 30 und 50 Prozent der russischen Haushaltseinnahmen.
Der russische Energiesektor wurde darum ein wichtiges Ziel für die westliche Sanktionspolitik. Wenn es gelingt, die Einnahmen des Kremls aus dem Verkauf von Öl und Gas einzudämmen – soweit jedenfalls der Gedankengang der G7-Nationen – müsste es möglich sein, die Kapazitäten Russlands in der Kriegsführung zu beschneiden.
Putins Schattenflotte rettet Öl-Exporte – Handelspartner gehen auf Distanz
Seitdem hat der Westen eine ganze Reihe von Maßnahmen in die Wege geleitet, um genau das zu erreichen. Schon früh haben die G7-Nationen einen Preisdeckel auf russisches Öl gelegt. Russland hat darauf mit dem Aufbau einer Schattenflotte reagiert, die Sanktionen umgeht. Immer weitere Sanktionen sorgten für einen Feinschliff; der Westen setzte mehr und mehr Schattentanker auf die schwarze Liste und versuchten, ihre Arbeit zu behindern.
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Normalisierung bei Öl-Abschlägen – Geschichte zeigt wiederholte Entspannung
Wie geht es weiter? Experten gehen davon aus, dass sich die Abschlagszahlen nach einer heftigeren Phase wieder halbwegs normalisieren werden. In der Vergangenheit sei genau diese Entwicklung bereits vorgekommen: Im zweiten Quartal 2022 hatte der Preisabschlag zwischen Urals- und Brent-Rohöl mehr als 31 US-Dollar pro Barrel betragen, im ersten Quartal 2023 waren es ebenfalls 30 US-Dollar. Beide Male hatte Russland auf diese Weise auf neue Sanktionen reagiert und dafür gesorgt, dass sein Öl weiter Absatz findet – und dann aber hektisch nach Wegen gesucht, um die jeweils neu eingesetzten Sanktionen zu umgehen.
Wann dieser Schritt diesmal gelingt, ist noch offen. Bis dahin aber verliert Russland Millionen von US-Dollar, die es normalerweise am Verkauf seiner Öl-Exporte verdient hätte.