VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Die Autozulieferer stehen unter Druck. Vonseiten der Unternehmen gibt es Notmaßnahmen. Bei ZF könnten Stellen entfallen.
Friedrichshafen – Deutsche Automobilzulieferer stehen aus mehreren Richtungen unter Druck. Das zeigen beispielsweise die Entwicklungen bei Bosch und ZF Friedrichshafen. ZF Friedrichshafen gilt nach Bosch als der zweitgrößte deutsche Automobilzulieferer und befindet sich derzeit in einer umfangreichen Umstrukturierung. Diese soll bis 2028 bis zu 14.000 Stellen in Deutschland betreffen. Am Standort in Schweinfurt entfällt nun eine wichtige Maßnahme.
Umstrukturierung bei ZF Friedrichshafen – „betriebsbedingte Kündigungen“ befürchtet
Beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen stehen tiefgreifende Veränderungen bevor. „Herausfordernde wirtschaftliche Rahmenbedingungen und strukturelle Veränderungen machen Reduzierung von Arbeitszeit und Entgelt nötig“, teilte der Konzern Anfang Mai mit. 5.500 Mitarbeiter haben seit Anfang Dezember bereits auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet und ZF Friedrichshafen damit entlastet. Tarifliche Vollzeitmitarbeiter sollen seitdem nur noch 32,5 Stunden die Woche arbeiten, statt der vorher geltenden 35. So konnte ZF das Gehalt von umgerechnet 300 Vollzeitkräften einsparen.
Wie die WirtschaftsWoche berichtete, könnte damit bald Schluss sein – zumindest an einem Standort. Eine entsprechende Arbeitgebervereinbarung in Schweinfurt läuft Ende Juni aus und soll auch nicht verlängert werden. Laut Oliver Moll, Vorsitzender des Standortbetriebsrats Schweinfurt, soll der Betriebsrat die Verlängerung der Arbeitszeitabsenkung am Donnerstag (26. Juni) abgelehnt haben. ZF soll sich dagegen noch verhandlungsbereit gezeigt haben.
Am Standort Friedrichshafen gilt eine ähnliche Maßnahme noch bis Ende März 2026 – das geht aus einer Unternehmensmeldung vom Mai hervor. Betriebsbedingte Kündigungen sollen bis zum 30. Juni 2028 ausgeschlossen sein. Für Schweinfurt besteht diese Regelung nicht.
Genau die aber fürchtet Moll jetzt: „Mit der Ablehnung müssen wir in Schweinfurt jetzt betriebsbedingte Kündigungen von mindestens 650 Arbeitsplätzen befürchten“, zitierte die WirtschaftsWoche den Vorsitzenden Moll. An „Spekulationen über mögliche Folgen einer Nichtverlängerung der Arbeitszeitabsenkung am Standort Schweinfurt“ wolle sich ZF allerdings nicht beteiligen.
China-Probleme bei ZF Friedrichshafen – seltene Erden fehlen der Produktion
Was steckt dahinter? Seit längerer Zeit steht ZF Friedrichshafen unter Druck; neben einer laufenden Umstrukturierung muss sich der Konzern auch mit den Problemen in der Automobilbranche auseinandersetzen. Bis 2028 soll diese Umstrukturierung rund 14.000 Stellen in Deutschland betreffen. In Saarbrücken (Saarland), wo ZF seinen größten Produktionsstandort hat, sollen 1.800 Arbeitsplätze entfallen. Je nach Entwicklung kann sich diese Zahl allerdings noch erhöhen.
Ein weiteres Problemfeld ist China. Das „Reich der Mitte“ hat ein Nahezu-Monopol auf die Verarbeitung sogenannter Seltenerdmetalle, und auch bei der Produktion hat China einen Anteil von rund 60 Prozent. Exportbeschränkungen haben seit April für massive Probleme bei westlichen Automobilkonzernen gesorgt, weil diese in hohem Maße von diesen Rohstoffen abhängig sind. Unter anderem bezieht ZF Teile von Zulieferern für Elektromotoren, wo Seltene Erden zum Einsatz kommen. Anfang Juni sah ZF erste Folgen des Engpasses bei den Lieferungen. „Die Erteilung von Exportlizenzen muss sich beschleunigen, um kurzfristige Bandstillstände zu vermeiden“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen ZF-Sprecher.
Insolvenzen bei den Autozulieferern – 50 Prozent mehr im Jahr 2025?
ZF ist mit diesen Problemen keineswegs allein. Die gesamte Autozuliefererbranche ächzt und verliert stetig Weltmarktanteile. Zu diesem Schluss kam auch die „Studie Automobilzulieferer“ von PwC Strategy&. Die Luft würde „immer dünner“, sagte Constantin Gall, Marktexperte der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, dazu.
Pleiten sind ebenfalls keine Seltenheit mehr, und ob noch im Sommer eine Entspannung eintritt, ist unsicher. Vielmehr scheint das Gegenteil der Fall. „Wir gehen davon aus, dass die Insolvenzen im Automotive-Sektor in 2025 um 40 bis 50 Prozent steigen werden“, sagt Jonas Eckhardt, Automobilexperte bei der Unternehmensberatung Falkensteg.
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