„Die Lage ist ernst“

Wichtiger Papierhersteller ist insolvent – 200 Mitarbeiter betroffen

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Ein Papierhersteller mit 100 Jahren Tradition ist insolvent. Das liegt auch an den Energiepreisen. Wie geht es weiter?

Uetersen – Viele deutsche Firmen stecken in der Krise. Erst kürzlich mussten ein wichtiger Solarhersteller, eine Spielefabrik, ein wichtiger Papp-Fabrikant und ein Reiseveranstalter für Abifeiern Insolvenz anmelden. Für die neue Regierung unter Friedrich Merz (CDU) ist das eine der vielen Herausforderungen – die Industrie verlangt niedrigere Energiepreise und Bürokratieabbau. Genau das spielt auch bei einer neuen Insolvenz eine Rolle. Diesmal trifft es einen traditionsreichen Papierhersteller aus der Nähe von Hamburg.

Papierhersteller geht in die Insolvenz – zum dritten Mal in wenigen Jahren

Es ist nicht die erste Insolvenz der Papierfabrik Feldmuehle GmbH. Innerhalb der letzten sieben Jahre ging sie Medienberichten zufolge bereits dreimal in die Insolvenz. Zwischen 2018 und 2019 musste die Papierfabrik massiv Stellen abbauen. Wie der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (shz) berichtete, entschied sich das Unternehmen dazu, die Insolvenz in Eigenverwaltung zu beantragen. Ein Insolvenzverwalter ist eingeschaltet.

Kalkulation mit Chart und Diagramm (Symbolfoto). Ein Papierhersteller aus der Nähe von Hamburg ist insolvent. Mitverantwortlich sind die Energiepreise. Wie geht es mit dem Unternehmen weiter?

Die Gehälter an die 200 Mitarbeiter sollen fürs Erste weiter gezahlt werden. Zwar steht der Betrieb über Pfingsten still, soll danach aber fortgeführt werden. „Die Lage ist ernst, aber nicht unlösbar“, zitierte der shz den Sachverwalter. Aktuell suche das Unternehmen einen neuen Investor. Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität sollen steigen. Die allgemeinen Kosten müssten sinken.

„Schwierige Situation“ bei der Energie – Insolvenz war unausweichlich

Die Feldmuehle GmbH selbst gab zu den Gründen für die neue Insolvenz unter anderem die „schwierige Situation“ in den Energiemärkten, hohe Energiekosten und „hohe Bezugspreise für Rohstoffe“ in der Geschäftsentwicklung an. Dies habe für ungeplante Belastungen gesorgt. Obwohl das Management über die ersten Monate 2025 „umfangreiche Maßnahmen“ durchgeführt habe, um die Profitabilität zu steigern, seien die „latent steigenden“ variablen Kosten nicht zu kompensieren gewesen.

„Diesen Umständen Rechnung tragend hat das Management entschieden, die notwendige Sanierung/Restrukturierung der Gesellschaft im Rahmen eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung durchzuführen“, erklärte das Unternehmen in einer entsprechenden Meldung. Am 26. Mai sei bereits der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Pinneberg eingegangen.

Schon im Jahr 2023, im Rahmen eines Politikerbesuchs in den Hallen von Feldmuehle GmbH, beklagte das Unternehmen die zu hohen Energiekosten. Im europäischen Wettbewerb habe es einen deutlichen Nachteil. Außerdem hätten in Deutschland geltende Netzentgelte für eine innerdeutsche Wettbewerbsverzerrung gesorgt. Genau wie viele andere Branchen beklagte Feldmuehle GmbH „überbordende Bürokratie“ und Probleme bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Wolfilser

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