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Der Autozulieferer ElringKlinger trennt sich im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung von zwei Konzerngesellschaften. Davon sind insgesamt 650 Mitarbeiter betroffen.
Dettingen an der Erms - Der Automobilzulieferer ElringKlinger mit Sitz in Dettingen an der Erms bei Reutlingen hat sich bisher relativ gut durch die Umwälzungen in der Branche navigiert. Im Gegensatz zu anderen großen Zulieferern suchte das Unternehmen im letzten Jahr sogar nach neuen Mitarbeitern, um „den Wandel in der Branche“ aktiv zu gestalten. Nun jedoch zwingt die tiefgreifende Transformation in der Automobilindustrie auch ElringKlinger zu strategischen Schritten. Der Konzern hat den Verkauf von zwei Tochtergesellschaften angekündigt, für die bereits ein Käufer gefunden wurde.
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Das 1879 in Stuttgart gegründete Unternehmen ElringKlinger, das heute rund 9.500 Mitarbeiter beschäftigt und auf fast allen Kontinenten präsent ist, plant im Zuge seiner Neuausrichtung den Verkauf von zwei Konzerngesellschaften. Diese sind in Europa und Nordamerika ansässig und spezialisiert auf thermische und akustische Abschirmung. Ein ähnlicher Schritt wurde bereits im Juni von einem anderen baden-württembergischen Konzern vollzogen, der seine Automotive-Sparte veräußerte.
ElringKlinger verkauft Konzerngesellschaften in der Schweiz und den USA
Die beiden betroffenen Konzerngesellschaften, die sich in Sevelen (Schweiz) und Buford (USA) befinden und insgesamt 650 Mitarbeiter beschäftigen, sollen unter Beachtung der kartellrechtlichen Freigabe bis 2024 verkauft werden. „Mit dieser Transaktion schärfen wir das Konzernprofil und konzentrieren unser Produktportfolio entlang des Weges, den wir im Rahmen unserer Transformationsstrategie SHAPE30 vorgezeichnet haben“, so Thomas Jessulat, CEO von ElringKlinger. Er fügt hinzu: „Vom Markt her kommend, überprüfen wir alle unsere Produktgruppen intensiv auf ihr Zukunftspotenzial und leiten daraus eine integrierte, umfassende Strategie für unsere Standorte ab.“
| Name | ElringKlinger AG |
|---|---|
| Gründung | 1879 in Stuttgart |
| Sitz | Dettingen an der Erms, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer |
| Mitarbeiter | 9.576 (2023) |
| Umsatz | 1,85 Milliarden Euro (2023) |
Am 7. Oktober unterzeichnete ElringKlinger eine Vereinbarung mit der Certina Group, einer Industrieholding mit Sitz in Grünwald bei München, für den Verkauf der Tochtergesellschaften. Die Holding plant, die beiden Standorte weiterzuführen, was für ElringKlinger eine entscheidende Bedingung war. „Für uns kam nur eine Lösung infrage, die sowohl die Interessen unserer Kunden als auch der Belegschaften vor Ort berücksichtigt“, betont Jessulat. „Diese Kriterien sehen wir mit der Certina Group als Käufer erfüllt.“
ElringKlinger passt Jahresprognose für 2024 im Rahmen der Transaktion an
Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt einer kartellrechtlichen Zustimmung, aber ElringKlinger rechnet damit, den Verkauf noch im laufenden Jahr abschließen zu können. Weitere Details wurden von den Vertragspartnern nicht bekannt gegeben. Im Zuge der Transaktion hat der Vorstand die Jahresprognose angepasst und erwartet nun einen Umsatz, der leicht unter dem Vorjahresniveau liegt. Im Geschäftsjahr 2023 erzielte ElringKlinger einen Umsatz von 1,85 Milliarden Euro.
Die gesamte Automobilzuliefererindustrie steht derzeit unter erheblichem Druck. Während der Technologiekonzern Bosch im Frühjahr Kostensenkungen in mehreren Geschäftsbereichen ankündigte und ZF Friedrichshafen plant, bis 2028 zwischen 11.000 und 14.000 Stellen zu streichen, befindet sich auch Continental in einem Umbruch. Positive Nachrichten kamen im Frühjahr jedoch von Mahle; der Stuttgarter Konzern hat die Trendwende geschafft und schreibt wieder schwarze Zahlen.
Rubriklistenbild: © ElringKlinger AG

