VonJulia Müllerschließen
Warum die Verhandlungen mit der Brauerei Dinkelacker aus Stuttgart gescheitert sind und der Vetriebschef trotzdem gerne in Schwäbisch Gmünd investieren würde.
Schwäbisch Gmünd. Am Gmünder Marktplatz 6 entsteht kein Dinkelacker-Wirtshaus. „Wir konnten keine Einigung mit dem Hauseigentümer erzielen“, sagt Vertriebschef Til Odenwald von der Brauerei Dinkelacker in Stuttgart. Er hatte geplant, die 550 Quadratmeter im Erdgeschoss auf 18 Jahre zu pachten und diese an Wirt Sridevan Sriskandarajah von der GS Gastronomie weiter zu verpachten, damit dieser dort ein Wirtshaus betreiben kann. Eine lange Bar, ein großer Stammtisch und viele weitere Tische auf mehreren Ebenen mit insgesamt 200 Sitzplätzen innen und weiteren 100 außen – die Pläne waren schon sehr konkret.
Dinkelacker-Vertriebschef Til Odenwald: „Wir finden keinen Punkt, an dem es für alle drei passt“
Anfang des Jahres hätten die Verträge unterzeichnet werden sollen, um das Wirtshaus möglichst im Sommer 2025 eröffnen zu können. Doch „wir finden keinen Punkt, an dem es für alle drei passt“, erklärt Til Odenwald: für die Brauerei, den Gastronomen und den Hauseigentümer. „Der Gastronom muss die Chance haben, sein Investment wieder reinzukriegen und Geld zu verdienen“, sagt der Dinkelacker-Verkaufsdirektor. Unterm Strich bezahle der Wirt die gesamten Investitionen über die Jahre mit seiner Pacht. Die Brauerei trage dabei das Risiko, falls der Gastronom es nicht schaffen sollte.
Schwäbisch Gmünd bleibt als Standort für die Brauerei Dinkelacker interessant
Scheiterten die Verhandlungen also an den Preisvorstellungen für die Pacht? Die Gespräche seien „sehr komplex“ gewesen, antwortet Til Odenwald. Es seien „wirtschaftliche Gründe“, warum es letztlich nicht zu einer Einigung gekommen sei. Mehr Details wolle er dazu nicht nennen. Und er wolle auch niemandem die Schuld dafür zuweisen.
Er bedauere sehr, dass es nicht klappe, denn „der Standort Schwäbisch Gmünd ist für uns nach wie vor sehr interessant“. Bereits 2017 führte Til Odenwald Verhandlungen für ein Dinkelacker-Wirtshaus am Gmünder Marktplatz 12, wo einst das Modehaus Rudolph war. Auch diese führten nicht zum Abschluss. Heute ist dort im Erdgeschoss das Wäschegeschäft Hunkemöller.
Die Bedingungen müssen angesichts der schwierigen Lage der Gastronomie perfekt sein
Aktuell stehen die Räume am Marktplatz 11 leer, in denen bis Ende Februar das Paulaner-Wirtshaus war. Das Lokal komme für Dinkelacker jedoch nicht infrage, weil es im ersten Stock liege, sagt Til Odenwald. Aktuell sehe er kein Objekt, das perfekt passen würde. Und das sei die Bedingung dafür, dass die Brauerei einen Pachtvertrag für ein Wirtshaus abschließt. Denn die Situation in der Gastronomie sei schwierig, das Risiko entsprechend hoch.
Doch er werde weiterhin ein Auge auf den Gmünder Immobilienmarkt haben. Denn „Schwäbisch Gmünd wäre in vielerlei Hinsicht ein schöner Standort für uns“: Die Stadt entwickle sich positiv, sie liege noch in einer akzeptablen Distanz zu Stuttgart, Dinkelacker habe hier noch keinen Standort, und die Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Richard Arnold und Wirtschaftsförderer Alexander Groll sei „große Klasse“.
Wie geht es jetzt weiter für das Gebäude am Marktplatz 6 in Schwäbisch Gmünd?
Wie geht es nun mit dem Gebäude am Marktplatz 6 weiter? Will Sridevan Sriskandarajah auch ohne Dinkelacker an seinen Plänen festhalten und die Räume pachten, um dort ein Lokal zu eröffnen? Der Gastronom ist aktuell im Urlaub und für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Mietet die Stadt die oberen Stockwerke?
Die Pläne für ein Wirtshaus im früheren Kaufhaus Woha am Marktplatz 6 beziehen sich auf das Erdgeschoss des Gebäudes im vorderen Teil zum Marktplatz hin, in dem ab 1919 das Hotel „Gmünder Hof“ war. Gut unterrichteten Kreisen zufolge will die Gmünder Stadtverwaltung die zwei oberen Stockwerke mieten, um dort Büros für Ämter einzurichten. Gmünds Stadtsprecher Markus Herrmann will dies nicht kommentieren.
Unabhängig von der späteren Nutzung laufen seit Anfang 2024 die Bauarbeiten in dem Gebäudekomplex, in den die „Wohlfeile Handelsgesellschaft“ 1936, vier Jahre nach deren Gründung, gezogen ist. Der Bau zwischen dem vorderen und hinteren Teil ist bereits abgerissen. Der Baukörper Richtung Marktplatz wird entkernt. Die Schaufenster am Marktplatz werden vier tiefen und großzügigen Lochfenstern weichen, erläutert Architekt Thomas Sonnentag. Die Fassade werde auch wieder einen Sockel und Putzelemente erhalten. Ähnlich wie das benachbarte Rathaus oder auch das Gebäude am Marktplatz 13, in dem das Café Bühr's ist. Die neue Eingangstür werde mittig liegen, der einstige Kaufhaus-Eingang am Eck entfernt.
